Essenskontrolle leicht gemacht. Die App erkennt automatisch was auf dem Teller liegt. Wie hier zum Beispiel ein belegtes Weckerl. © Kalbeck Ventures GmbH

Liebes Essen, bitte lächeln! – Food Tracking 2.0

Noch nicht im Bauch, aber schon auf dem Smartphone. Die App "snics" macht Kalorienzählen leicht und Ernährungsgewohnheiten so bewusst wie noch nie. Mithilfe von künstlicher Intelligenz werden Speisen via Foto erkannt und in Nährwerte unterteilt.

So einfach die Handhabung, so komplex die Struktur dahinter. Die Wiener App "snics" revolutioniert das sogenannte "food tracking", das derzeit absolut im Trend liegt. Dabei notiert man täglich, was man gegessen und getrunken hat. Und zwar Menge, Kalorienanzahl und Nährwerte wie etwa Kohlehydrate, Fette und Eiweiße. Ein mühsames Unterfangen. Nicht so mit "snics". Hier braucht es nur einen Fingerdruck und schon landet ein Bild samt den entsprechenden Angaben auf dem Smartphone. Ernährungskontrolle leicht gemacht. Wie aber funktioniert das und was beziehungsweise wer steckt hinter dieser App? CLUB WIEN hat mit Gerd Sumah, einem der Gründer, gesprochen.

Wenn's mal wieder länger dauert ...

... mach ein "snics" und iss dein Snickers! Schnell und unkompliziert. Das sind nur zwei Eigenschaften der Food-Tracking-App "snics". Der Name ist ein Wortspiel aus "snacks" und "pictures" und bringt genau auf den Punkt, was die App ausmacht. "Mit nur einem einzigen Foto einer Speise oder eines Getränks erfasst 'snics' deren Nährwerte und Kalorien und erstellt vollautomatisch ein persönliches Ernährungsprotokoll. Damit das funktioniert, versteckt sich dahinter eine künstliche Intelligenz. Speziell entwickelte Bilderkennungs-Motoren, sogenannte 'Classifier', werden mit Fotos und Schlagworten beschickt und erkennen dann Speisen mittels Machine Learning. Vereinfacht bedeutet das: Je mehr Bilder von einem Gericht das Tool hat, desto leichter erkennt es dieses wieder", erklärt "snics"-Geschäftsführer und Gründer Gerd Sumah. Die Vorteile der App liegen also klar auf der Hand. "Durch die Einfachheit der Anwendung erfüllt 'snics' auch den sozialen Benefit. Denn selbst beim Abendessen mit Freundinnen und Freunden ist ein Foto schnell gemacht und beeinträchtigt nicht die zwischenmenschliche Kommunikation", so Sumah.

Bewusste Ernährung

Hier ein Eis zur Abkühlung, da ein schnelles Sandwich zwischendurch. Oft wissen wir gar nicht, was wir den ganzen Tag lang zu uns nehmen. Erst wenn die Hose nicht mehr passt oder es der Hemdknopf im wahrsten Sinn des Wortes spannend macht, kommt das böse Erwachen. "Die App unterstützt die Userinnen und User dabei, ein Bewusstsein für eine ausgewogene Ernährung zu schaffen und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Einfach, indem man auf einen Blick sieht, was man die ganze Woche über zu sich genommen hat. Die Gesundheit der Nutzerinnen und Nutzer wird somit gefördert. Das ist auch nachhaltig möglich, da die App immer griffbereit ist", erläutert der Experte.

Kluge Köpfe aus Wien

Hinter "snics" verbirgt sich ein Team aus Ernährungsexpertinnen und -experten, Sportfreaks, IT-Nerds und Vertriebsprofis. Die Idee zur App stammt von Gerd Sumah, Robert Bodenstein und Thomas Frank. Allesamt Profis auf ihrem Gebiet. Gerd kennt sich bestens mit der Gründung eines Unternehmens aus und hat eine ausgewiesene Expertise im Start-up-Management sowie im Bereich Finanzierung. Robert ist bei "snics" für den Vertrieb zuständig und hat sich unter anderem auf den Einsatz von IT in Verpflegungsbetrieben spezialisiert. Thomas kümmert sich um Softwarelösungen und setzt maßgebliche Impulse bei der Produktentwicklung und Produktstrategie. Seit 2016 verstärkt zudem Daniela Angeli-Morandell als Investorin das Gesellschafterteam und bringt ihr internationales Vertriebsnetzwerk ein.

"Mit der Entwicklung von 'snics' haben wir vor zweieinhalb Jahren, 2015, begonnen. Es war uns ein Anliegen, Foodtracking so einfach wie möglich zu machen. Und voilà, das ist uns mit der App ganz gut gelungen. Von 'snics' profitiert aber nicht nur der sogenannte Ottonormalverbraucher. Speziell für Ernährungsberaterinnen und -berater haben wir eine Premium-Version entwickelt, die es ihnen ermöglicht, ihre Klientinnen und Klienten dank eines automatischen Ernährungsprotokolls optimal zu beraten und zu betreuen", so Sumah. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit der App: die Integration von Bewegungsdaten von anderen Apps wie etwa Fitbit, Moves oder Jawbone.  

Umfangreiche Unterstützung

Um ein Start-up zu gründen, braucht es mehr als nur eine gute Idee. Das wussten die Gründer von "snics" und wandten sich mit ihrem App-Konzept an die Wirtschaftsagentur Wien. "Wir unterstützen Start-ups dabei, ihre Ideen zu verwirklichen. Förderungen sind dabei ein wichtiger Aspekt, wir bietet aber auch ganz gezielte Coachings, Workshops und viele Netzwerkkontakte", so Gabi Tatzberger, Start-up Expertin der Wirtschaftsagentur Wien.

"Die Stadt Wien hat uns durch die Wirtschaftsagentur Wien und deren Förderprogramm 'Innovation' einen Zuschuss von 115.000 Euro gewährt. Diese Finanzierung diente der Entwicklung des Moduls SDICE-Smart Data Integration and Correlation Engine. Dieses integriert automatisch die Bewegungsdaten aus kompatiblen Sport-Apps und ist wesentlicher Bestandteil von 'snics'. Der selbstständige Import von Bewegungsdaten in Kombination mit den erfassten Nährwerten der automatischen Bilderkennung ermöglicht die automatische Auswertung der Energiebilanz", fasst Sumah zusammen.

Der Erfolg gibt Recht

Nach einer Testphase, in der ausgewählte Testuserinnen und -user die Datendank mit Bildern füttern durften und so die künstliche Erkennungsintelligenz auf Touren brachten, ist die App seit März diesen Jahres als kostenlose Basis- oder kostenpflichtige Premiumversion in den App- oder Playstores erhältlich. "Derzeit haben wir mehr als 10.000 aktive 'snics'-Userinnen und User und über 50.000 Bilder  in unserer Datenbank. Die Bilderkennungsrate liegt bei circa 50 Prozent und steigt mit der Anzahl der Bilder, die wir erhalten. Für die Zukunft sind weitere spannende Features bereits in Planung. Wie etwa die Möglichkeit der Erstellung eigener Kochrezepte. Außerdem sind diverse Community Features angedacht, wie beispielsweise Challenges, wo Userinnen und User einander herausfordern können, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Auch ein Netzwerk für Ernährungsberaterinnen und -berater sowie die Expansion in andere Märkte stehen auf der Roadmap".

Von Leckerlis bis Selfies

Ganz klar, sich mit Essen zu beschäftigen, ist spannend. Und auch der niedlichen Katze beim Fressen zuzuschauen, ist ein netter Zeitvertreib. Warum also nicht beides verbinden und das Katzenfutter per App tracken? Das dachten sich bereits mehrere Userinnen und User und ließen der "snics"-Datenbank Bilder von Whiskas und Co zukommen. Doch erkennt die App so etwas überhaupt? "Ein ganz klares Nein. Katzenfotos sind zwar süß und ebenfalls ein Renner in der digitalen Welt, aber unsere App ist dafür nicht der richtige Kanal. Wir erhalten auch oft Bilder von Verpackungen und abfotografierten Strichcodes oder auch verschiedenstem Interieur – sehr beliebt sind volle Aschenbecher. Auch Fotos von Menschen, die Selfies von sich machen, Grimassen schneiden oder heimlich fotografiert wurden, werden gern gesendet. Es lässt sich aber ganz einfach festhalten: 'snics' erkennt nur Speisen und Getränke und auch diese nur im nichteingepackten Zustand", erklärt Gerd Sumah abschließend.

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