Wasserfledermäuse jagen knapp über der Wasseroberfläche von stehenden oder ruhig fließenden Gewässern nach Wasserinsekten, die sie mit ihren großen Füßen von der Wasseroberfläche fischen. © Dietmar Nill

Wiens Nachtschwärmer

Sie verstecken sich gerne in alten Häusern, auf leeren Dachböden, in hohlen Bäumen, Spalten, Ritzen und Höhlen - Wiens Fledermäuse. Leider werden ihre Lebensräume oft von Menschenhand zerstört. Deshalb stehen die Tiere unter strengestem Artenschutz.

In keiner anderen europäischen Stadt leben so viele Fledermäuse wie in Wien. 22 verschiedene Fledermausarten von den 28 in Österreich lebenden sind in der Hauptstadt beheimatet. Auf alten Dachböden, Kirchtürmen oder in Schuppen haben sie ihren Lebensraum gefunden. Dank des reichen Angebots an Insekten gibt es für die kleinen nachtaktiven Tiere auch ein vielseitiges Nahrungsangebot. Im Wienerwald, im Prater, im Wiener Becken oder auch in der Innenstadt kommen die Fledermäuse bei Dämmerung aus ihren Quartieren und machen sich auf zur Nahrungssuche. Doch auch in einer so fledermausfreundlichen Stadt wie Wien sind die Tiere bedroht. Deshalb hat die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) ein Schutzprogramm für Wiens Fledermäuse gestartet. Das Programm ist Teil des Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramms "Netzwerk Natur". CLUB WIEN machte sich auf Fledermaussuche und hat mit Simone Klais von der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) über Wiens Nachtschwärmer und ihren Schutz gesprochen.

Das Leben der Fledermaus

Sobald es draußen dunkel wird, erwachen die kleinen Säugetiere aus ihrem Schlaf. Fledermäuse sind nachtaktiv und gehen zu später Stunde auf die Jagd nach Insekten. In der Nacht sind sie vor Konkurrenten wie Vögeln geschützt. Sie orientieren sich mittels einer Echoortung. Dazu sendet die Fledermaus aktiv Schallwellen aus, anschließend wird das Echo aufgenommen und ausgewertet. Dazu geben die Fledermäuse Laute im Ultraschallbereich über Mund oder Nase ab. Mittels der reflektierten Wellen werden räumliche Bilder der Umgebung erzeugt. Man könnte sagen, dass Fledermäuse mit den Ohren sehen. Ihre Schreie prallen an Mauern, Bäumen, Straßenlaternen, Nachtfaltern oder Mücken ab und kehren als Echo zu ihnen zurück. So erkennen sie Hindernisse, Insekten oder Gefahren. Im Winter halten die nachtaktiven Säugetiere Winterschlaf. Die Fledermäuse suchen sich dafür Baumlöcher, Felsspalten oder Höhlen und Keller aus, wo sie ungestört die kalten Monate verbringen können. In dieser Zeit senken sie ihre Temperatur auf ein bis zwei Grad Celsius und setzen ihren Stoffwechsel, ihre Atmungs- und Herzschlagfrequenz herab. Mitte März bis Anfang April erwachen die Fledermäuse langsam und machen sich auf den Weg zu ihren angestammten Sommerlebensräumen. Dabei legen sie Strecken zurück, die je nach Art bis zu 1.500 Kilometer umfassen können. In ihren Sommerquartieren angekommen, finden sich die Weibchen zu Gesellschaften zusammen, den sogenannten Wochenstuben, in denen sie ihre Jungen zur Welt bringen. Die in Österreich lebenden Fledermäuse ernähren sich vorwiegend von Insekten oder Pflanzen. Kleinere Säugetiere wie Nagetiere, kleinere Zugvögelarten, Frösche, Fische und andere Fledermäuse werden von den größeren Arten verspeist. Diese sind jedoch nicht in Österreich heimisch. Vom Blut anderer Tiere ernähren sich nur drei Arten in Mittel- und Südamerika. Diese drei Arten gehören zu den Vampirfledermäusen (Desmodontinae).

Welchen Gefahren sind die Fledermäuse ausgesetzt?

Natürliche Feinde der Fledermäuse sind vor allem tag- und nachtaktive Raubtiere, dazu gehören Katzen, Greifvögel und Eulen. Zu den natürlichen Feinden kamen in den letzten Jahren zunehmend weitere Gefahren, die dazu führten, dass viele Fledermäuse mittlerweile bedroht sind. Dazu gehören:

  • die Gefährdung durch Umweltgifte, Holzschutzmittel, Gifte im Jagdgebiet: Gifte, die durch eine hohe Beständigkeit gekennzeichnet sind, können sich über die Nahrungskette im Körper der Fledermäuse anreichern und zum Tod oder zu verminderter Fortpflanzungsfähigkeit führen.
  • Verlust von geeigneten Nahrungsgebieten: Vernichtung der Lebensräume durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung wie zusätzliche Bewässerung, Belichtung, Umbau von Biotopen, Anpflanzung von nicht einheimischen Bäumen, Gehölzen und anderen Pflanzen
  • Verlust von Flugrouten: Fledermäuse benutzen feste Flugrouten, die sie mithilfe ihres hervorragenden Raumgedächtnisses abfliegen. Durch das Eingreifen in die Umgebung beziehungsweise den Um-, Anbau von Wohnanlagen, den Bau von Straßen oder Häusern verlieren viele Fledermäuse die Orientierung und finden nicht mehr zu ihren Wochenstuben zurück.
  • Verlust von Fledermausquartieren: Quartierverlust durch Ausbau und thermische Isolierung von Dachböden, Fällen alter Bäume, Verschluss von Spalten, Dachluken oder Fenstern, Höhlen- und Bunkertourismus etc.
  • Unfälle wie Verheddern im Taubennetz
  • gezielte Verfolgung oder Tötung aus Unwissenheit und Angst
  • Energieverlust durch Störung im Winterschlaf

Aufgrund dieser Gefahren sind viele Fledermausarten mittlerweile bedroht. Doch das muss nicht sein, denn schon eine einzelne Person kann etwas zum Schutz der Fledermäuse tun.

Was können Sie zum Schutz der Fledermäuse tun?

Nicht überall sind ausreichend viele Quartiere für Fledermäuse vorhanden. Wer den kleinen Nachtschwärmern bei der Wohnungssuche helfen will, kann das mit fertigen oder selbst gebauten Fledermauskästen tun. "Beim Anbringen muss darauf geachtet werden, dass die Einflugmöglichkeiten immer frei sind und die geliebten Stubentiger nicht an die Kästen können", erklärt Simone Klais. "Wenn man Platz für mehrere Kästen hat, sollten unterschiedliche Positionen gewählt werden. Die Fledermäuse haben so die Möglichkeit, zwischen den Quartieren zu wählen und diese sogar zu wechseln. Hängen Sie die Kästen aber nicht in die pralle Sonne oder an die Wetterseite des Hauses", so Simone Klais.

"Lassen Sie zum Beispiel an geeigneten Stellen Spalten bei Hausverschalungen offen, schließen Sie keine Spalten und Ritzen an Gemäuern, lassen Sie einen freien Zugang zu ungenützten Räumen wie etwa Dachböden."

Zudem hilft es den kleinen Säugetieren, wenn Teile des Gartens naturnah belassen werden. Blütenreiche Wiesen locken Insekten an und bieten den Fledermäusen ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Doch vor allem sollte man auf Pestizide im Garten verzichten. Fledermäuse leiden besonders unter mit Insektiziden belasteten Insekten. Es gibt viele natürliche Mittel, die stattdessen eingesetzt werden und genauso gut, wenn nicht sogar besser, wirken. Salzspray, Eukalyptusöl oder auch Chili-Pfeffer beispielsweise sind natürliche Schädlingsbekämpfungsmittel und können ohne Bedenken verwendet werden.

Schutzprogramm für Wiens Fledermäuse

Auch in Wien werden die Lebensräume für Fledermäuse immer knapper. Um bedrohten Tieren zu helfen, hat die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) im Rahmen von "Netzwerk Natur" ein Schutzprogramm gestartet. "Fledermäuse brauchen geeignete, reich strukturierte Jagdreviere mit Wiesen, Hecken, Wäldern und Wasser wie Bächen, Flüssen, Teichen und Seen, mit großem Insektenreichtum. Dieser Lebensraumschutz wird in der Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten, Naturschutzgebieten und Nationalparks umgesetzt", erklärt Klais.

Das Ziel des Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramms "Netzwerk Natur", welches auch im Wiener Naturschutzgesetz verankert ist, ist die dauerhafte Erhaltung der Lebensvielfalt in Wien: "Es schützt, pflegt und fördert seltene Tier- und Pflanzenarten sowie naturnahe Lebensräume in der Stadt und leistet damit einen Beitrag zur Entwicklung einer nachhaltigen Stadt", erzählt Simone Klais. Davon profitieren Pflanzen, Tiere und Menschen.

Dazu werden fortlaufend seltene Arten und Lebensräume durch Monitoring und Kartierungen überwacht und festgehalten. Dies dient als Grundlage für weitere Maßnahmen und die programmbegleitende Öffentlichkeitsarbeit. "Veranstaltungen, wie die alljährliche Fledermausnacht der Wiener Umweltschutzabteilung, bei denen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die fliegenden Jäger bei Einbruch der Dunkelheit beobachten können und dabei Wissenswertes über die geschützten Tiere erfahren, gehören ebenso zum Programm 'Netzwerk Natur' wie die Bereitstellung von Informationsmaterial. Aber auch Maßnahmen wie die Ausarbeitung von Schutzprogrammen bei Baumschnitt und Bautätigkeiten", so Simone Klais.

Die Saga um die Vampirfledermaus

Mythen und Legenden von Vampiren, die sich von menschlichem Blut ernähren, gibt es in vielen Kulturen schon seit vorgeschichtlicher Zeit. Das Wort "Vampir" stammt aus dem Serbischen und ist seit dem 18. Jahrhundert im Deutschen belegt. Viele der modernen Vampirvorstellungen stammen aus dem Balkanraum, so auch aus Rumänien, von wo auch der Urvater der Vampire, Graf Dracula, stammen soll. Die Mythen sind vielseitig und eine Verwandlungsfähigkeit in Fledermäuse kommt auch nicht in allen Erzählungen vor. Andere Legenden berichten von Vampiren in Wolfs- oder Eulengestalt. Die Vampirfledermaus, die sich vom Blut anderer Tiere ernährt, ist in Amerika beheimatet. So können diese Legenden auch aufgrund der geografischen Distanz nicht von dieser Fledermausart beeinflusst worden sein. Als später die Ernährungsweise dieser Fledermäuse bekannt wurde, wurden erst die Parallelen zu der mythologischen Figur festgestellt. Die Tiere haben daher ihren Namen von der Sagengestalt und nicht umgekehrt.

Tiere in Not: Was tun?

Wenn Sie ein Wildtier in einer Notlage entdecken, aus der es sich selbst nicht mehr befreien kann, melden Sie dies bitte der Feuerwehr unter der Telefonnummer 122 oder der Polizei unter der Telefonnummer 133.