fit2work betreut Personen, deren Arbeitsplatz durch gesundheitliche Probleme gefährdet ist oder die dadurch Probleme bei der Arbeitssuche haben. © BBRZ

 

Gerüstet für einen gesunden Arbeitsalltag

Wer gesundheitliche Probleme hat, ist mitunter auch im Job beeinträchtigt. Ob körperliche oder psychische Erkrankungen, Wiedereinstieg nach längerem Krankenstand oder Burn-out: fit2work hilft Betroffenen, wieder zurück in den Arbeitsalltag zu finden.

Krank ist jede und jeder einmal. Bei vielen bleibt es bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit in der kalten Jahreszeit. Bei anderen kann eine Erkrankung aber derart beeinträchtigend sein, dass die Arbeitsfähigkeit langfristig darunter leidet. Das können kaputte Knie sein, Herzrhythmusstörungen oder aber psychische Probleme. In solchen Fällen wissen Betroffene alleine oft nicht weiter und müssen Hilfe in Anspruch nehmen. Hier kommt fit2work ins Spiel.

Das Angebot ist eine Initiative der Bundesregierung und wird seit 2013 österreichweit umgesetzt, in Wien in Simmering und in der Leopoldstadt. Mit fit2work soll eine Lücke geschlossen und gleichzeitig eine Schnittstelle geschaffen werden. Bis dahin gab es keine Anlaufstelle, an die sich jene wenden konnten, die aufgrund von Krankheit fürchteten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, aber noch nicht auf Jobsuche waren. "fit2work ist ein kostenloses und freiwilliges Beratungsangebot für alle, die gesundheitliche Probleme haben und sich deshalb schwer im Job tun oder Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden", erklärt Agnieszka Filz Kania, stellvertretende Projektleiterin von fit2work.

Je früher, desto besser

In Anspruch nehmen können fit2work alle zwischen 18 Jahren und dem Regelpensionsalter. Dabei versteht sich das Angebot als vorbeugendes Projekt, es gilt also: Je früher Betroffene kommen, desto mehr kann für sie getan werden.

 

"Im Idealfall sollte man zu uns kommen, sobald man befürchtet, dass die Gesundheitssituation mit der aktuellen Arbeitssituation langfristig nicht vereinbar ist", erzählt Barbara Haider-Novak, Geschäftsfeldleiterin der fit2work-Personenberatung. "Tatsächlich kommen die Betroffenen aber oft erst zu uns, wenn der Leidensdruck schon sehr groß oder der Arbeitsplatz schon verloren ist. Auch wenn die jeweilige Person bereits arbeitssuchend ist und die gesundheitliche Situation schon sehr lange und dramatisch schlecht ist." Wer auf Jobsuche ist, kann sich also dennoch an fit2work wenden. Tatsächlich sind lediglich 40 Prozent der Kundinnen und Kunden in einem aufrechten Dienstverhältnis.

Stufenweise zurück in die Arbeit

Vertreten sind die unterschiedlichsten Erkrankungen, weiß Filz Kania: "In Wien haben wir sehr viele Personen mit psychischen Erkrankungen, sehr oft Depressionen. Aber auch Menschen, die Probleme mit dem Bewegungs- und Stützapparat haben. Dazu gehören sehr oft Bandscheibenvorfälle und Knieprobleme. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems zählen ebenfalls dazu. Weil wir auch in Sachen Wiedereingliederungsteilzeit beraten, sind auch viele Menschen mit einer Krebserkrankung bei uns."

Die Wiedereingliederungsteilzeit ist seit Sommer 2017 einer der Beratungsschwerpunkte. "Das ist ein Modell für Personen, die länger als sechs Wochen im Krankenstand sind", erklärt Haider-Novak. "Diese haben die Möglichkeit, stufenweise zurück in die Arbeit zu kommen. Dazu gibt es einen finanziellen Ausgleich für die geringere Arbeit durch ein sogenanntes Wiedereingliederungsgeld. Dafür kommt die Krankenkassa zusätzlich zum Entgelt auf, das ohnehin zusteht." Reduzieren lässt sich die Arbeitszeit über einen Zeitraum von mindestens einem Monat bis maximal einem halben Jahr zwischen 25 und 50 Prozent. Danach besteht die Möglichkeit, um weitere drei Monate zu verlängern, in Summe also maximal neun Monate.

Von Gesundheitsfragen bis zu Schuldenberatung

Die Beratungen selbst sind von Person zu Person unterschiedlich. Einige Elemente haben sie aber allesamt gemein: Bei der Erstberatung geht es um gegenseitiges Kennenlernen. Hier werden die jeweiligen Anliegen abgeklärt. Diese kann auch anonym in Anspruch genommen werden. "Die meisten Kundinnen und Kunden haben aber komplexe Problemlagen, sie brauchen längere Betreuung", so Agnieszka Filz Kania. Danach kommt der Basischeck, eine arbeitsmedizinische und/oder arbeitspsychologische Abklärung. Je nach Problemlage gibt es Termine mit Arbeitsmedizinerinnen und -medizinern und/oder Arbeitspsychologinnen und -psychologen. Sie beurteilen inwieweit die gesundheitliche Situation mit der bisherigen Arbeit vereinbar ist und sprechen eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen aus. Das ist dann auch die Grundlage für die weitere Beratung.

Psychische und körperliche Erkrankungen ziehen oft auch soziale Probleme nach sich. So stellt sich im Zuge der Beratung mitunter heraus, dass bei manchen Kundinnen und Kunden der gesundheitliche Aspekt gar nicht den größten Problembereich darstellt. "Wir kümmern uns auch um Themengebiete wie Wohnungsprobleme und Schuldenproblematik", verrät Filz Kania. "Dann überlegen wir von Termin zu Termin, wie wir die Problembereiche abbauen können. Gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden erstellen wir einen Maßnahmenplan und schauen, was umsetzbar ist."

80 Kooperationspartner in Wien

Was fit2work letztlich so besonders macht, fasst Christian Kogler, Projektkoordinator von fit2work Wien zusammen: "Wir versuchen für unsere Kundinnen und Kunden wirklich maßgeschneiderte Angebote aufzustellen. In Wien arbeiten wir mit 80 Kooperationspartnern zusammen. Beginnend von der Krebshilfe, Arbeitsassistenzen, ambulanten und stationären Einrichtungen, auch mit dem Berufsverband Österreichischer PsychologInnen. Das ist ein eigenes Projekt, wo unsere Kundinnen und Kunden kostenfreie Psychotherapie bekommen können."

Die Zahlen sprechen für sich: Bei den Personen, die in Beschäftigung waren, waren über 87 Prozent weiter in Beschäftigung oder haben ein neues Dienstverhältnis bekommen. Vorhergesagt war ein Wert von 72 Prozent. Bei den Arbeitssuchenden waren 32 Prozent in Beschäftigung, obwohl der Erwartungswert deutlich darunter war, nämlich bei 20 Prozent.

Bevor die Gesundheit unter dem Job und der Job unter der Gesundheit leidet, lässt sich etwas tun. Die Unterstützung von fit2work kann selbstständig und kostenlos in Anspruch genommen werden.