Faustball ist ein Wiener Sportklassiker. © Picturedesk

Faustball: Dieser Sport macht dich "hoat"

Einst ein waschechter Wiener Volkssport hat Faustball viel von seiner Prominenz verloren. Erstaunlich eigentlich, ist es doch ein Teamsport, der in Österreich eine lange Tradition hat. Wir statteten dem TV Kagran einen Besuch ab, um Faustball zu erleben.

Faustball tut weh. Unser Besuch beim TV Kagran ist nicht spurlos an uns vorübergegangen. Doch überraschenderweise waren es nicht die Fäuste, die uns Schmerzen verursachten. Vielmehr ist es die Tatsache, dass das wiederholte Spielen des Balls mit dem Unterarm wehtut, und zwar sehr. Schon nach einer halben Stunde fühlen wir uns weich geklopft wie ein Wiener Schnitzel. Horst Luksch, Faustballveteran, Sektionsleiter, Trainer und Bundesfachwart, versichert uns, dass der Umstand sich nach spätestens drei Trainings legt. Beim Anblick einiger kleiner Mädchen, die mühelos und völlig schmerzfrei den Ball umherschießen, glauben wir, es liegt vielleicht doch an uns.

Eine echte Herausforderung

Faustball macht aber auch Spaß. Dass der Sport in den 60ern nach Fußball so ziemlich der beliebteste Mannschaftssport Wiens war, überrascht nicht. Aufgrund des großen Feldes muss man sehr viel laufen, hechten und kämpfen. Den Ball aufzuspielen, ist schwierig und eine Herausforderung an die Genauigkeit. In rund zwei Stunden schaffen wir keine einzige vernünftige Vorlage. Nein, Faustball erlernt man nicht an einem Tag. Doch wer den Sport schon mal bei den Profis gesehen hat, weiß: Zum Anschauen ist es eine Pracht. Schade, dass der Klassiker viel an Bedeutung verloren hat. Heutzutage ist Faustball nur noch in Oberösterreich ein Breitensport. Paradox, schließlich ist Österreich eine Faustball-Weltmacht, eroberte Welt- und Europameistertitel sowohl bei den Herren als auch bei den Damen.

Volleyball ist Konkurrenz

Die natürlichen Feinde des Faustballs sind Volleyball, Beachvolleyball und andere Trendsportarten wie Basketball. Und ein bisschen auch sein Ruf als Altherrensport. Vielleicht auch noch die blauen Flecken nach dem ersten Training. Wer aber Geduld und Ausdauer mitbringt, wird mit einem tollen Teamsport belohnt. Da der Ball, anders als beim Volleyball, vor der Berührung im Feld aufkommen darf und das Feld groß ist, sind die Spielphasen sehr intensiv. Teamwork, blindes Verständnis und Genauigkeit sind das A und O. Den Ball gut aufzuspielen oder mit der Faust platziert über das Netz zu wuchten, ist ein tolles Gefühl. Glauben wir zumindest. Unsere stümperhaften Versuche werden von den anwesenden Damen zurecht belächelt.

Schon die Gladiatoren litten

Das tut der guten Laune aber keinen Abbruch. Das Feld in Kagran ist gemütlich, die Sonne lacht und das Mannschaftsgefühl ist super. Die gelassene Faustball-Atmosphäre passt zur Wiener Mentalität wie die Faust aufs Auge. "Wenn man in dieser freundschaftlichen Welt so wie ich über 30 Jahre gespielt hat, dann möchte man das nicht mehr missen", erzählt uns Rainer Pfaffeneder. Faustball ist übrigens auch die älteste Ballsportart Europas und wurde schon bei Gladiatorenkämpfen im alten Rom gespielt. Die erste Erwähnung gab's 300 Jahre vor Christus. Nach den brutalen Einheiten war der Kampf gegen Löwinnen und Löwen sicher eine nette Abwechslung.

Schau vorbei, es lohnt sich

"Ich würde nicht sagen, dass dieser Sport wehtut", erzählt Karin Neubauer mit einem schelmischen Blick auf unsere schmerzenden Unterarme. "Mich fasziniert der Spaß an der Bewegung, das Teamgefühl und dass Faustball weltweit wie eine große Familie ist." "Bei uns hat Faustball eine sehr lange Tradition. Wir haben eine intensive Jugendarbeit, jede und jeder ist bei uns herzlich willkommen", gibt uns Horst Luksch zum Abschluss mit. Obwohl der Spruch "Sport ist Mord" für uns jetzt eine völlig neue Dimension hat, werden wir uns einen zweiten Versuch nicht nehmen lassen. Am Ende des Tages überwiegt der Spaß den Schmerz doch deutlich.