Auch im Wiener Rathaus wird die schrillste und lustigste Zeit des Jahres ausgiebig gefeiert. © PID/Votava

 

Fasching, die bunteste Zeit des Jahres

Egal ob Fasching, Karneval oder Fastnacht, gefeiert wird das schrillste Fest fast überall. Kostüme, Umzüge und viele Leckereien kennzeichnen diese verrückte Zeit. Doch woher kommt die heitere Tradition des Faschings?

Wenn am 11.11. um 11.11 Uhr die Wiener Tanzschulen am Stephansplatz zum Massenwalzer laden, Kostüme ausgepackt werden und Prinzenpaare ihr Amt einnehmen, dann beginnt die schrillste und lustigste Zeit des Jahres: die Faschingszeit. Dann jagt eine Faschingsparty die nächste und viele lustige Kostüme sorgen für Glanz und Glitzer in Wiens Straßen. Am Rosenmontag erreicht das Narrenfest seinen Höhepunkt. Am Faschingsdienstag ziehen viele Närrinnen und Narren noch einmal ausgelassen durch die Stadt, bevor am Aschermittwoch der Frohsinn ein Ende hat. Doch warum feiert man in so vielen Ländern der Welt Fasching? Und woher kommt diese Tradition? CLUB WIEN hat sich auf die Spurensuche des Faschings gemacht und klärt auf, warum man sich in bunte Kostüme hüllt.

Der Ursprung des Faschings

Der christliche Feiertag hat seinen Ursprung im Heidentum. Durch Maskierungen, Tänze und Umzüge wollte man bei Zeremonien den Gottheiten näher sein. Mit der Verbreitung des Christentums verschwand langsam das Heidentum. Die Bräuche blieben jedoch erhalten und wurden an die neue Religion angepasst. Aus Fruchtbarkeits-, Dämonen- oder Sonnenkulten wurden christliche Feste und Bräuche wie der Fasching, die Krampusse oder auch der Christbaum. So war es bereits im Mittelalter üblich, den Faschingsdienstag ausgelassen zu feiern. Gelage, Fastnachtsspiele, Tänze und Maskeraden gehörten zu jedem Faschingsdienstag. Mit diesem Fest bereiteten sich die Menschen symbolisch auf die Entbehrungen der nachfolgenden 40-tägigen Fastenzeit vor. Aus dieser Zeit entwickelte sich jener Fasching, der bis heute in Wien üblich ist.

Auch im antiken Rom wurden Feste gefeiert, die unserem heutigen Faschingstreiben sehr ähnlich waren. Ursprünglich begann das neue Jahr im März. Die Zeit davor, die heutige Faschingszeit, wurde zur Reinigung verwendet und mit einem großen Fest begangen. Man verkleidete sich und huldigte mit Speis und Trank den Gottheiten. So hatte das Brauchtum rund um den Faschingsdienstag mit Fruchtbarkeitsriten, Theaterstücken und Verkleidungen schon lange Tradition.

Im christlichen Brauchtum hatte der Fasching zudem noch eine weitere Bedeutung. Ein Mal im Jahr konnten die sozialen Verhältnisse getauscht werden. Da durfte plötzlich der einfache Bürger Kaiser sein, eine Magd Prinzessin oder ein Stallbursche ein edler Herr.

 

Was bedeutet das Wort "Fasching"?

Das Wort "Fasching" stammt aus dem Althochdeutschen. Es wird von den Worten "vaschanc" oder "vaschang" abgeleitet und bezeichnet den "Fastenschank", also den letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der damals noch strengen Fastenzeit.

Was in den meisten Teilen Österreichs der Fasching ist, ist für die westlichen Bundesländer wie Vorarlberg die Fastnacht und für die meisten Regionen in Deutschland der Karneval.

Der Ausdruck Fastnacht geht auf das Althochdeutsche Wort für "Fastenzeit" und "Vorabend" zurück. "Karneval" stammt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie "Fleisch weglassen".

Gefeiert wird im Grunde jedoch überall das Gleiche.

Wann beginnt der Fasching?

Am 11.11. um 11.11 Uhr findet in vielen Orten das "Narrenwecken" statt. Damit beginnen für die Faschingsgilden die Vorbereitungen auf ihre Faschingssitzungen. Nach diesem offiziellen Auftakt in die närrische Zeit kehrt erstmal wieder Ruhe ein. Die Faschings- und Karnevalsfeste finden nach dem Dreikönigstag am 6. Jänner statt.

Die Zahl Elf

Am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt die lustigste Zeit des Jahres. Doch was hat es mit der Zahl 11 auf sich?

Der Mensch ist größtenteils auf Zahlen ausgerichtet, die 10er-Rhythmen folgen. In der christlichen Kirche spielen Zahlen, vor allem die Zahl 10, eine große Rolle: Es gibt 10 Gebote und auch 10 Sünden. Symbolisch steht sie für das Vollendete, das runde Ganze. Auch die Zahl Zwölf hat eine große Bedeutung. Zumal es schon 12 Apostel waren. Sie gilt als perfekte Zahl. So rechnet man auch im Dutzend, das 12 Teile enthält. Es gibt 12 Monate und zur 12. Stunde in der Nacht geht der alte Tag und der neue beginnt.

Die Zahl 11 ist weder rund, noch lässt sie sich teilen. Sie steht über der 10 und gilt daher als Übertreibung, Völlerei und Maßlosigkeit. Trotzdem besitzt sie nicht die Kraft, Altes zu beenden und Neues zu beginnen, wie es die 12 tut. 

Eine narrende Zahl also, die sich keinem mathematischen Gesetz und keiner Regelmäßigkeit unterwirft. Genau aus diesen Eigenschaften heraus entstand die Grundlage des Faschings und des Karnevals. Was den Menschen sonst ernst und wichtig war, wurde in dieser Zeit umgedreht. Diener wurden von Herren bedient, Männer und Frauen schlüpften in die Gewänder des anderen Geschlechts, man kehrte um, was umzukehren war. Solange es nur nicht ernsthaft wurde. Die Zahl 11 war somit geradezu prädestiniert, um symbolisch den Beginn dieser Zeit einzuläuten.

Der Faschingskrapfen

Was wäre der Fasching ohne Krapfen? Der Faschingskrapfen stammt ebenfalls aus dem Mittelalter. Damals wurde weit strenger gefastet als heute. Wobei man außer Fleisch auch auf alle anderen tierischen Produkte verzichtete. Eier- und Schmalzvorräte mussten vor Aschermittwoch verbraucht werden. Dazu war das runde, oft süß gefüllte Gebäck aus Germteig bestens geeignet. Die Süßwaren wurden in Schmalz herausgebacken und drücken bis heute Sinnlichkeit und Lebensfreude aus.

Der Narrenruf

Wien gilt generell als Faschingsmuffel. Während in den restlichen Bundesländern der Fasching farbenfroh zelebriert wird, holen die Wienerinnen und Wiener anstelle der Kostüme die Ballgarderobe hervor. Denn die Wiener Ballsaison findet in der Faschingszeit von 11. November bis Faschingsdienstag statt.

Aber auch hierzulande gibt es verschiedene kleine Faschingsgilden und alle haben ihre eigenen Narrenrufe. Dieser ist identitätsstiftend und dient der Abgrenzung, vor allem gegenüber der Nachbarschaft. Während die Währingerinnen und Währinger "Ring, Ring, Währing" rufen, hört man im 19. Bezirk ein lustiges "Dö-dö, bling bling" und in Meidling ein heiteres "Mei-Mei".

Die Kostüme

Grundsätzlich gilt, ein Kostüm ist ein Muss! Je ausgefallener und kreativer, desto besser. Zu den Klassikern gehören ungeschlagen: Prinzessin, Cowboy, Indianer und Pirat.

Wenn Sie für die kommende Faschingsparty noch kein Kostüm haben, statten Sie dem 48er-Tandler einen Besuch ab. Im Altwarenmarkt der MA 48 finden Sie von Affen bis zum Zauberer viele tolle ausgefallene Kostüme. Aber Achtung, die Kostüme sind schnell vergriffen!