Nicht alles was man so hört muss stimmen. Das gilt auch für Sprüche die das Thema Ernährung betreffen. CLUB WIEN klärt auf. © iStockphoto

Bier macht dick und Schokolade glücklich?

Rund ums Thema Ernährung ranken sich Regeln und Mythen, die mit der Wahrheit oft wenig zu tun haben. So ist der Verdauungsschnaps nach dem Essen für viele ein Genuss, gesund ist er deshalb noch lange nicht.

Wenn die Stimmung am Tiefpunkt ist, hilft oft nur ein Stück Schokolade. Aber warum macht Schoko glücklich? Forscherinnen und Forscher haben nachgewiesen, dass die Kakaobohne Stoffe enthält, die stimmungsaufhellend wirken. Aus Tryptophan zum Beispiel kann unser Körper das Glückshormon Serotonin produzieren. Allerdings ist in Schoko nur so wenig vom Glücksstoff vorhanden, dass keine nennenswerte Wirkung auftreten kann. Darüber hinaus ist der menschliche Körper seit der Steinzeit darauf programmiert, möglichst viele Nährstoffe aufzunehmen. Da Schokolade eine sehr hohe Nährstoffdichte aus Zucker und Fett aufweist, also viele Kalorien hat, ist das Gehirn rundum zufrieden. Auch die Emotionen spielen eine Rolle: Kinder bekommen zu Ostern, zu Weihnachten oder an Geburtstagen Schokolade, sie verbinden die süßen Happen mit positiven Erlebnissen. Mythos wahr: Ja!

Verdauungsschnaps ist gesund

Ein altes Hausmittel gegen zu reichliches und zu fettes Essen ist ein Verdauungsschnaps. Er hat als Ouzo, Pflaumenschnaps, Grappa, Korn oder Vodka fast überall auf der Welt Tradition. Aber hilft er auch tatsächlich dem Magen dabei, seine Arbeit zu tun? Studien zeigen, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Alkohol hemmt den Transport der Nahrung vom Magen in den Darm. Wer sich also nach dem Verdauungsschnaps "leichter" fühlt, spürt nur den Placebo-Effekt. Was schon helfen kann, ist der Aperitif vor dem Essen. Nicht der Alkohol, sondern die Bitterstoffe im Sherry oder Prosecco regen zur Bildung von Magensäure an. Nach einer ausgiebigen Mahlzeit greift man besser zum Kräutertee. "Die Kräuter, zum Beispiel Fenchel, Melisse oder Pfefferminze, unterstützen den Magen bei der Verarbeitung der Speisen", sagt Ernährungswissenschafterin Jennifer Obermayr.

Mythos wahr: Nein!

Vom Biertrinken bekommt man einen Bauch

Die Hefe im Bier sorgt für eine Luftansammlung im Magen und bläht ihn auf. Das sorgt aber nicht für den typischen Bierbauch. Bier macht dank der enthaltenen Bitterstoffe hungrig. Es ist ein idealer Aperitif, macht in größeren Mengen aber auch dick. Zwar hat Bier mit 200 bis 280 Kalorien pro halbem Liter weniger Kalorien als Apfelsaft oder Cola, davon trinkt man aber meist auch nicht mehr als ein Glas. Je nach Menge nehmen Biertrinkerinnen und -trinker also leere Kalorien in der Menge einer oder sogar mehrerer Mahlzeiten zu sich.

Warum sich diese Kalorien gerade am Bauch sammeln, erklären möglicherweise die im Hopfen enthaltenen Pflanzenhormone. Sie wirken ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und stehen in Verdacht, das Fett am Bauch und in der Brust anzusammeln. Auch Hefe enthält übrigens Östrogen. Allerdings kommen Pflanzenhormone und Östrogen in so kleine Mengen vor, dass davon kaum ein Bierbauch entstehen kann. Fakt ist: Männer nehmen meist eher am Bauch zu, Frauen an den Oberschenkeln und den Hüften. "Der Bierbauch hängt allerdings ganz allgemein mit dem Lebensstil zusammen. Ob sich das Fett in der Körpermitte oder an den Hüften und Beinen sammelt, ist Veranlagung", so die Expertin.

Mythos wahr: Nein!

Kochen zerstört alle Vitamine

Raw: ein Food-Trend, der ganz nachvollziehbar klingt. Nur Lebensmittel, die roh verzehrt werden, haben noch alle Vitamine und Nährstoffe. Rohkost hat aber ganz handfeste Nachteile. Manche Lebensmittel, zum Beispiel die Kartoffel, werden durchs Kochen überhaupt erst genießbar. Das schränkt die Vielfalt erheblich ein. "Wir unterscheiden zwischen wasser- und fettlöslichen Vitaminen", erklärt Ernährungswissenschafterin Jennifer Obermayr. Wasserlösliche Vitamine, dazu gehören zum Beispiel Vitamin C, etwa in Brokkoli und Paprika, und die verschiedenen B-Vitamine, wie in Erbsen, Fisch, Champignons und Vollkornprodukten, gehen durchs Kochen teilweise verloren.

"Kochen ist die schlechteste Zubereitungsmethode. Gemüse besser dämpfen oder mit wenig Wasser dünsten, so bleiben am meisten Vitamine erhalten. Die Garzeit möglichst kurz halten und groß geschnittene Stücke verwenden." Unempfindlich gegen Hitze sind die fettlöslichen Vitamine A, etwa in Leber, Karotten und Butter, D wie im Fisch, E in den Ölen oder K beispielsweise im grünen Blattgemüse und Schnittlauch. Diese Vitamine vertragen allerdings kein Licht, sollten also dunkel gelagert werden. 

Mythos wahr: Jein!

Glutamat ist ungesund

Kennen Sie jemanden, der am "Chinarestaurant-Syndrom" leidet? Das bedeutet Kopfschmerzen, Taubheitsgefühl und Übelkeit nach chinesischem Essen. Dafür wird oft der Zusatzstoff Mononatrium-Glutamat verantwortlich gemacht. Er gibt Lebensmitteln eine g'schmackige, intensive, fleischige Note. Das ist vor allem in Fertigprodukten wie Knabberartikeln, Suppen oder Tiefkühlpizza billiger, als mehr Fleisch oder Käse zu verwenden. Glutamat kommt in vielen Lebensmitteln aber ganz natürlich vor, zum Beispiel in Tomaten, Schinken oder Käse. Ein Grund dafür, warum die italienische Küche von Parmesan über Pilze bis zu Rohschinken so gut schmeckt.

Der Geschmack heißt Umami und ist die fünfte Geschmacksrichtung neben süß, sauer, salzig und bitter. Glutamat steht in Verdacht, den Appetit anzuregen, Fettsucht zu begünstigen, Hirnzellen zu töten und damit Demenz zu fördern. In Studien konnte das aber bisher nicht nachgewiesen werden. Glutamat scheint in normalen Mengen bei gesunden Menschen völlig unbedenklich zu sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, achtet auf die Inhaltsangabe auf den Packungen: Da steht selten Glutamat, sondern E621, Würze, fermentierter Weizen oder Hefeextrakt.

Mythos wahr: Jein!