Die Wohnhausanlage Kaisermühlenstraße ist eines der Highlights des Stadlauer Grätzlspaziergangs. © Bohmann

 

Volle Energie voraus am Smartphone

Die Energy!ahead-App macht den Grätzlspaziergang jetzt noch spannender. Sie bringt neue Routen und Infos zu Energieprojekten direkt auf das Handy. Der Vorteilsclub hat die App ausprobiert.

Spaziergängerinnen und -gänger haben es gut in Wien. Schließlich gibt’s quer durch die Stadt eine Vielzahl an schönen Grätzln, die man wunderbar zu Fuß entdecken kann. Dank der neuen Energy!ahead-App der Stadt Wien kann der nächste Grätzlspaziergang jetzt noch interessanter werden.

Die kostenlose App liefert unterwegs nämlich zahlreiche Infos zu Leuchtturmprojekten: von der effizienten Sanierung historischer Gebäude bis hin zu innovativen und klimaschonenden Energiesystemen in Stadtentwicklungsgebieten. So können Sie mit nur ein paar Klicks interessante Hintergrundinfos lesen: vom coolen Wohnbauprojekt um die Ecke über die geförderte Solaranlage beim Nachbarschaftspark bis hin zu großen Energieprojekten wie dem Kleinwasserkraftwerk Nußdorf.

Die App können Sie jederzeit gratis für Android oder iOS downloaden.

 

Wiens Energieprojekte in einer App

Beim Test fällt als Erstes auf, dass die App sehr übersichtlich und verständlich gestaltet ist. Wenn es Ihnen wie uns geht und Sie bei vielen Apps Stunden brauchen, um überhaupt zu schnallen, worum es geht, dann keine Bange: Die Nutzung der App ist kinderleicht. Gleich zum Start kann man sich zu den Stadt-Wien-Vorzeigeprojekten klicken. Dort finden Sie Beispiele aus den Bereichen Bildung, Gebäude, Energieerzeugung, innovative Systeme oder Mobilität. Dazu gibt es jeweils diverse Subkategorien. Wir finden zum Beispiel unter Energieerzeugung die Kategorie Biomasse und stoßen auf das Wald-Biomassekraftwerk Simmering. Dort kann man zum Beispiel lernen, dass dieses 48.000 Haushalte mit Ökostrom und 12.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt.

Unter Bildung und Museum empfiehlt uns die App das Brennpunkt° – Museum für Heizkultur. Dort kann man von historischen Öfen bis hin zur modernen Energieversorgung ganz tief in die Geschichte des Heizens eintauchen. Unter Mobilität und Stadterschließung findet man ebenfalls Inspiration, zum Beispiel den Skywalk Spittelau oder die Kulturpassage Karlsplatz. Kurzum: Wer ein Ziel für einen Ausflug oder einen ausgedehnten Spaziergang sucht, bei dem man schöne Szenerie mit interessanten Hintergrundinfos verbinden kann, wird diese App lieben.

Einfach drauf los

Die App taugt aber auch hervorragend dazu, einfach draufloszuflanieren. Dank der Kartenfunktion findet man jederzeit und überall Objekte, die sich lohnen. Wir haben das auf unserer üblichen Spazierroute getestet und sind so zum Beispiel auf das Gründerzeithaus Eberlgasse gestoßen. Dieses war die erste Sanierung eines Gründerzeitgebäudes zu Passivhausstandard in Wien. Damit konnte man seinerzeit den Heizwärmebedarf um unfassbare 90 Prozent reduzieren.

Nicht minder spannend: Green Worx, das erste LEED-Platin zertifizierte Bürohaus ganz Österreichs. LEED steht übrigens für Leadership in Energy und Environmental Design. Der 19.000 Quadratmeter große Komplex steht im Nordbahnviertel und wird durch Betonkernaktivierung geheizt und gekühlt. Dabei wird Wasser durch in die Betondecke eingearbeitete Rohre geleitet und dient dort als Energieübertragungs- und Speichermedium. Tausendmal vorbeispaziert, dank der App lernen wir erstmals über die tollen Projekte direkt in der Nachbarschaft.

Touren für EnergiefreundInnen

Die App dient nicht nur mit Inspiration auf den Spazierrouten, sie hat auch ein Angebot an vorgezeichneten Routen. Da gibt es eine breite Auswahl, natürlich wieder mit Schwerpunkt auf dem Thema Energie. Ein Beispiel wäre die Tour „Energieeffizienz trifft Architektur“, die an energetischen Vorzeigeprojekten vorbeiführt. Startpunkt ist das TU Wien – Plus-Energie-Bürogebäude, dann marschiert man über WU Campus und Erste Bank Campus bis zum FH Campus Wien.

Auch sehr empfehlenswert ist die Tour „Historisches Wien saniert“. Wie der Name schon verspricht, begegnen einem auf dieser Route Gebäude mit langer Geschichte, die einem nachhaltigen Facelift unterzogen wurden. Startpunkt hier ist das Boutiquehotel Stadthalle, das als Öko-Hotel mehrfach preisgekrönt ist. Highlights sind dann weiterhin das Gründerzeithaus Wißgrillgasse sowie das Stadtpalais Liechtenstein und Endpunkt ist das MGC Wien. Das Mode- und Textilgroßhandelscenter aus den 60ern wurde komplett saniert und entspricht nun den höchsten Standards der nachhaltigen Immobilienbewirtschaftung. Dabei wurden nur baubiologisch unbedenkliche Baustoffe eingesetzt, dementsprechend hat die Raumluft dort nun eine besonders gute Qualität.

Grätzl neu entdecken, zum Beispiel Stadlau

Wir machen zum Test eine Tour durch ein Grätzl, mit dem wir wenig Erfahrungswert haben: Stadlau. Die „Energietour – Kompakt – Stadlau“ startet direkt bei der U2-Station Hardeggasse, erste Station ist das Passivwohnhaus Schickgasse. Ziel hier war ein möglichst geringer Energieeinsatz. Das konnte mit einer sehr guten thermischen Gebäudehülle und passiven Bauweise erreicht werden.

Als nächstes führt die Route zu einem weiteren nachhaltigen Wohnbauprojekt: Wohnen am Mühlgrund. Hier findet man ein Haus, das nicht nur architektonisch, sondern auch ökologisch und sozial ein Vorzeigeprojekt ist. Das Passivhaus mit der markanten Wellblechfassade hat nicht nur einen um 80 Prozent reduzierten Heizenergiebedarf, es wurde auch ein Mehrgenerationen-Wohnkonzept umgesetzt. Der Arbeitersamariterbund bietet gemeinschaftlich betreutes Wohnen für Seniorinnen und Senioren an.

Von dort aus machen wir einen kurzen Spaziergang durch den angenehm ruhigen Hans-Meyer-Platz bis zur Wohnhausanlage Kaisermühlenstraße. Es ist eine der größten Passivwohnhausanlagen Österreichs, direkt an der U2-Station Stadlau gelegen. Viele kennen das Haus vom Vorbeifahren: Die gelben Balkone haben einen hohen Wiedererkennungswert. Die sechs Bauteile punkten mit hervorragenden Wärmedämmmaßnahmen und Drei-Scheiben-Isolierverglasung. Das heißt, die Kälte bleibt im Winter da, wo sie hingehört: draußen. Am Dach der Anlage gibt es eine Photovoltaikanlage, sowohl für den Eigenbedarf als auch zur Einspeisung von Energie in das Netz von Wien Energie.

Über die Fahngasse spazieren wir zum letzten Punkt unserer kurzen, aber spannenden Tour. Wir sind wieder in der besonders energieeffizienten Mühlgrundgasse. Das Objekt MGG-22 wird mit Überschussstrom aus Windkraft beheizt und gekühlt. Das heißt, Strom, der im Netz üblicherweise keinen Abnehmer findet, wird via Wärmepumpen im Haus in Heizenergie umgewandelt. Die wird dann in den Speichermassen des Gebäudes, vorwiegend in der betonkernaktivierten Decke, gespeichert. Auch sehr schön: Ein Wald- und Wiesengürtel wird als gemeinschaftlich bepflanzter Garten genutzt.

Fazit: Egal ob auf einer der vorgefertigten Touren oder beim Flanieren durch die Stadt: Die App bereichert jeden Spaziergang mit einer Vielzahl an Infos. So lernt man nicht nur jede Menge über Energie und die beeindruckende Zahl nachhaltiger Projekte in Wien, man lernt auch sein Grätzl besser kennen. Die Karte in der App macht das Navigieren zum Kinderspiel und die Nutzung ist generell angenehm unkompliziert. Wir können die App Energiefreundinnen und -freunden sowie allen, die es noch werden wollen, empfehlen.