Die beiden Mikrobiologinnen Christa Schleper (l.) und Filipa Sousa machen sich gemeinsam auf die Spuren der Archaea. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Frauen in der Forschung: Das Geheimnis der Einzeller

Exzellentes wissenschaftliches Umfeld und eine Stadt mit viel Kultur: Für die Portugiesin

Filipa Sousa sind das zwei gute Gründe, um nach Wien zu kommen.

Die meisten von uns ­wissen, was Bakterien sind. ­Archaea hingegen kennt kaum jemand. Zu ­Unrecht, weil die rund 3,8 Millionen Jahre alten Organismen für die Wissenschaft immer interessanter werden. Mikro­biologin Filipa Sousa hat sich auf die Erforschung dieser Einzeller spezialisiert: "Vereinfacht gesagt unterscheiden sich Archaea von Bakterien im Aufbau ihrer Zellwand sowie ­darin, wie sie Informationen innerhalb der Zelle verarbeiten", erklärt die Forscherin. "Es gibt aber auch Verbindendes. Beide sind Prokaryoten, ­haben also keinen Zellkern, sind ähnlich groß und über den ganzen Erdball verbreitet. Sie kommen in ­Vulkanen ebenso vor wie im Meer oder im menschlichen Darm, weil sie sich an extreme Bedingungen wie Hitze, salzige Umgebung oder saure Quellen anpassen", sagt Sousa.

Video: Mikrobiologin Christa Schleper

Mikrobiologin Christa Schleper ist der Evolution auf der Spur. Sie erforscht, wie aus einfachen Bakterien komplexe Lebewesen entstehen konnten. Für ihre Arbeit hat sie auch einen hochdotierten Preis erhalten. Wir waren zu Besuch im Labor.

Genau das macht sie aus biotechnologischer Sicht so wertvoll. Sousa: "Archaea sind zum ­Beispiel in der Lage, Methangas zu produzieren. Daraus könnte Biokraftstoff entwickelt werden." Auch in Industrie und Pharmazeutik ­könnten sie eingesetzt werden. Sousa: "Alle relevanten Informationen sind im Erbgut der ­Archaea codiert. Die Aufgabe unseres Teams wird sein, Werkzeuge herzustellen, um sie entschlüsseln zu können." Dafür zieht die gebürtige Portugiesin um: Ab diesem Semester wird sie am Department für Ökogenomik und Systembiologie der Universität Wien forschen. Möglich macht das der mit 1,6 Millionen Euro dotierte Förderpreis "Vienna Research Groups for Young Investigators". Der Wiener ­Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds WWTF holt damit hoch qualifizierte Nachwuchstalente für acht Jahre zu Forschungs­arbeiten nach Wien.

Guter Standort für LIFE SCIENCES

Für die Mikrobiologin ist das Programm ein Glücksfall. "Wien ist nicht nur international als Hotspot für Biologie und Evolutionsbiologie bekannt, sondern auch eine der schönsten Städte der Welt." Neben ihrer Arbeit wird sie daher zahl­reiche Sehenswürdig­keiten besuchen und Kaffee trinken: "Zum Glück gibt es hier guten Kaffee. Das ist mir als Portugiesin sehr wichtig."

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