Drachensteigen ist ein Hobby für die ganze Familie. Unserer sieht schon ganz ok aus. Nur mit dem Fliegen klappt es nicht so recht. © Bohmann

 

Herbstliches Wiener Drachensteigen

Die herbstlichen Winde sind für DrachensteigerInnen ideal geeignet. Wenn die schönen Drachen in die Lüfte aufsteigen, ist das auch ein herrlicher Anblick. CLUB WIEN hat das Hobby selbst ausprobiert. Fazit: Auch Scheitern kann schön sein.

Wenn die Drachen fliegen, sieht alles so leicht aus. Nahezu mühelos gleiten die majestätischen Flugobjekte durch die Lüfte, die Drachensteigerinnen und -steiger stehen lächelnd darunter und steuern mit sanften Bewegungen. Wer das Hobby allerdings schon einmal ausprobiert hat, weiß, dass es nicht so leicht ist, wie man meinen könnte. Denn wer erfolgreich seinen Drachen steigen lassen will, muss einige Punkte beachten.

Das erklärt uns Ron Arztmann vom 1. Wiener Drachenbau- und Flugverein. Los geht’s schon beim Aufspüren des passenden Flugfelds. Es sollte frei von Elektroleitungen und Bäumen sein, außerdem darf auf keinen Fall ein Flughafen in der Nähe sein. Ein Drache ist natürlich Pflicht. Wir haben uns einen ausgeborgt, man kann aber schon welche ganz günstig erwerben. Richtige Profis bauen sich den Drachen selbst, Bausätze und Bauanleitungen dazu findet man zum Beispiel beim Drachenbauverein.

Der Wind, der Wind …

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Wind. Für Neulinge ist eine Geschwindigkeit zwischen zwölf und 20 km/h perfekt. Geschwindigkeiten darunter sind machbar, aber nur für Könnerinnen und Könner mit ultraleichten Drachen. Ab rund 30 km/h wird’s schon wieder schwierig und man braucht eine gewisse Technik, um den Drachen unter Kontrolle zu halten. Eine genaue Windtabelle zum Nachlesen gibt’s unter diesem Link.

Von Arztmann haben wir uns den Ablauf beim Aufstieg genau erklären lassen. Die erste Überraschung: Man sollte im Idealfall zu zweit sein. Die Drachensteigerin oder der Drachensteiger steht beim Start mit dem Rücken zum Wind. Wir wissen zwar, dass Wind weht und dass er stark genug für einen Start ist, haben aber Probleme, die Windrichtung zu bestimmen. Gut, dass es da einen kleinen Trick gibt. Wir reißen einfach ein paar Grashalme aus, werfen diese in die Luft und sehen ihnen beim Fliegen zu. So bestimmt man die Windrichtung.

 

Jetzt gilt es, die Leinenspule rund 20 Meter abzurollen, während die zweite Person mit dem Drachen in Windrichtung geht und diesen für den Start bereithält. Das Gestänge des Drachens sollte auf der windabgewandten Seite sein. Wenn man ein paar Schritte geht und die Neigung des Drachens passt, sollte der Wind den Drachen erfassen und nach oben tragen. Je größer der Drache, desto leichter klappt das.

Er fliegt nicht

Gerne würden wir jetzt berichten, was zu tun ist, wenn der Drache in der Luft ist. Zum Beispiel, dass man Kollisionen mit anderen Drachen tunlichst vermeiden sollte. „Falls man doch mit anderen Drachenleinen über Kreuz kommt, nicht an der Leine ziehen, sondern zum anderen Drachenpiloten gehen und die Leinen knapp nebeneinander halten, die Leinenüberschneidung ‚wandert‘ dann zu den Piloten und die Verdrillung kann durch ‚Entdröseln‘ wieder entwirrt werden“, sagt Arztmann dazu. 

Oder, dass man bei Turbulenzen nicht stark an der Leine ziehen sollte, sondern stattdessen lockerlassen oder sogar nachgeben, bis die Drachenspitze wieder nach oben zeigt, um dann die Leine zu straffen. Leider gibt’s auch keine Fotos von unserem erfolgreich fliegenden Drachen. Denn die traurige Wahrheit ist, dass unserer einfach nicht fliegen will. Egal in welche Richtung wir uns drehen, egal ob und wie wir anlaufen. Es sollte einfach nicht sein.

Nach anfänglicher Frustration lassen wir uns davon aber den Tag nicht vermiesen. Ein wunderbarer Herbsttag im schönen Wien ist auch dann ein Erfolg, wenn der Drache nicht steigen will. Da wurmt es uns auch gar nicht, dass sich einzelne Spaziergängerinnen und Spaziergänger über unser Scheitern köstlich amüsieren. Im Gegenteil: Wir lachen mit. 

Drachensteigen können wir trotzdem weiterempfehlen. Wir werden am Ball bleiben und die Kunst erlernen. Im Frühjahr werden wir einen passenden Kurs suchen und im Idealfall unseren Drachen gleich selbst bauen. Ein unter Profianleitung gebauter Drache erhöht die Erfolgschancen beträchtlich. Sie sind auch interessiert? Dann behalten Sie die Termine des Drachenbauvereins im Auge. Nach der Winterpause wird es dort auch wieder Workshops und weitere Angebote geben. Und am besten lernt man doch immer noch von den Profis.