Wer sein Smartphone weniger und bewusster benutzt, schont die Umwelt. © Michaela Kaupka/DIE UMWELTBERATUNG

 

Digital einschränken, nicht verzichten

"Digital Detox" bedeutet frei übersetzt "Handyfasten". So soll auch das Klima geschont werden. Dabei muss niemand völlig auf Smartphone und Co verzichten. CLUB WIEN und DIE UMWELTBERATUNG zeigen Tipps zur achtsameren Nutzung unserer Mobiltelefone.

Smartphones, Tablets und Co gehören längst zum Alltag, beruflich wie privat. Dazu kommt, dass immer mehr Menschen im Homeoffice sitzen. Untersuchungen haben gezeigt, dass wir offensichtlich nicht die Finger von den praktischen Kommunikationsgeräten lassen können. Im wahrsten Sinne des Wortes: Im Schnitt greifen wir alle zwölf Minuten zum Mobiltelefon und entsperren rund 80 Mal am Tag unser Handy - acht Stunden Schlaf berücksichtigt, Tendenz steigend. Was dabei gerne übersehen wird: Internetkonsum verursacht große Mengen Treibhausgase durch Stromverbrauch der Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen. Das passiert durch all die ständig im Netz abgefragten Informationen und Technologien wie Videostreaming.

Hier kommt "Digital Detox" ins Spiel. Der Begriff "Detox" kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie "entgiften", "entschlacken". Er wird im deutschen Sprachgebrauch vor allem im Gesundheitsbereich verwendet und mit Diäten in Zusammenhang gebracht. "Digital Detox" ist also digitale Entgiftung, frei übersetzt auch "Handyfasten". Zwischendurch abschalten und einfache Maßnahmen im Alltag können das Klima schonen. Dabei muss niemand komplett verzichten, kleine Tipps und Tricks zeigen oft große Wirkung. Der Vorteilsclub hat bei DIE UMWELTBERATUNG nachgefragt, wie man den Internetkonsum in der Freizeit so umweltfreundlich wie möglich gestalten kann.

Streamen in niedriger Auflösung

Fangen wir mit einem praktischen und anschaulichen Beispiel an: "Das Streamen von Filmen ist energieaufwendig und verursacht dadurch große Mengen an Treibhausgasen", erklärt Sabine Seidl von DIE UMWELTBERATUNG. "Je höher die Bildauflösung ist, desto mehr CO2-Austausch." Streamt man also einen Film von 90 Minuten Länge via Tablet oder Laptop, fallen bei HD-Auflösung 2.664 Gramm CO2 an. Bei einer Auflösung von 4K sind es 30 Prozent weniger, bei 720 Pixel rund 65 Prozent weniger. "Auf YouTube erscheint beim Klick auf das Einstellungsrädchen der Punkt 'Qualität' zur Auswahl - hier kann zwischen mehreren Auflösungsstufen gewählt werden", so Seidl. "Bei bezahlten Videostreaming-Diensten gibt es beim Kauf eine Auswahlmöglichkeit. Die geringere Auflösung ist meist kostengünstiger." Fünf Filme pro Woche ein Jahr lang statt in HD in einer Auflösung von 720 Pixel anzuschauen, spart also rund 450.000 Gramm CO2. Das entspricht rund 2.000 Kilometern mit dem Auto zu fahren.

Fitnessprogramm erstellen und Akku schonen

Oft neigt man dazu, das Smartphone heranzuziehen, wenn einem nichts Besseres einfällt. Dagegen hilft etwa, mit einem kleinen Fitnessprogramm zu beginnen. Ganz bewusst einplanen rauszugehen, spazieren zu gehen und Rad zu fahren. So kann man Internetpausen schaffen und gleichzeitig fit werden. Und wenn es das Wetter nicht zulässt, bietet sich ein gutes Buch auf der Couch oder in der Badewanne an. Sieht man das Gerät allerdings als Werkzeug, um etwa die zahlreichen Services der Stadt Wien nutzen zu können, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, umweltschonend vorzugehen. Zunächst kann man die Displayhelligkeit des Handys dimmen und den Energiesparmodus aktivieren. Den Akku sollte man nie ganz leer werden lassen und nicht vollständig laden. Am besten immer zwischen zehn und 90 Prozent halten, das verlängert die Lebenszeit des Akkus.

Reparieren und Suchanfragen einschränken

Mobiltelefone sollten ohnehin so viele Jahre wie möglich genutzt werden. Bei Bedarf können sie repariert werden. Ist das alte Handy nicht mehr zu retten, kann ein sogenanntes "refurbished" Handy gekauft werden. "'Refurbished' nennt man gebrauchte Geräte, die rundum durchgetestet wurden und einwandfrei funktionieren", erzählt Sabine Seidl. "Das ist finanziell wesentlich günstiger und außerdem ökologischer."

Wer partout nicht auf sein Handy verzichten kann, etwa aus beruflichen Gründen, kann ebenfalls auf Tricks zurückgreifen, um weniger Strom zu verbrauchen. Dazu empfiehlt es sich, Suchanfragen zu reduzieren. "Denn pro Suchanfrage im Internet entsteht 0,2 Gramm CO2. Bei 228 Millionen Anfragen, die pro Minute weltweit gestellt werden, sind das 45.600.000 Gramm CO2", so Sabine Seidl. "Wenn also die Welt eine Minute im Internet surft, entspricht das circa fünf Erdumrundungen mit dem Auto." Die Alternativen: Kontakte zu Ärztinnen und Ärzten fix notieren statt jedes Mal über Suchmaschinen suchen und Favoriten für oft besuchte Seiten anlegen Und das Wetter kann man auch durch einen Blick aus dem Fenster checken.

Aber Hand aufs Herz: Ohne Internet geht heute fast gar nichts mehr. Nicht zuletzt, wer im Büro oder im Homeoffice arbeitet, ist auf ein funktionierendes Netz angewiesen. Unterm Strich gilt also wie bei so vielen Dingen: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.