Dank einer waff-Förderung konnte sich Susanne Lehner weiterbilden und machte sich schlussendlich selbstständig. © PID/Markus Wache

 

"Die waff-Ausbildung war der Auslöser für eine ganze Reihe toller Veränderungen"

Der Digi-Winner, die neue Förderung von Stadt Wien, waff und AK, unterstützt Menschen, sich im Bereich der Digitalisierung weiterzubilden. Vom Angebot profitierte auch Susanne Lehner, die jetzt selbstständige IT-Projektmanagerin ist.

Der digitale Wandel verändert die Arbeitswelt in einem rasanten Tempo. Etablierte Berufsbilder verschwinden, neue Jobprofile entstehen. Dabei werden vor allem digitale Kompetenzen und IT-Kenntnisse immer wichtiger. Moderne Angestellte arbeiten heute nicht mehr "Nine to Five" im Büro. Sie sind mobil, nutzen verschiedene Endgeräte, benötigen jederzeit Zugriff auf relevante Informationen und Dokumente und stehen in engem Austausch mit ihren Kolleginnen und Kollegen. Der Trend zum vernetzten Arbeiten nimmt stetig zu. Das stellt viele Arbeitnehmerinnen und -nehmer vor neue Herausforderungen, da vor allem zusätzliche Fähigkeiten gefragt sind. Wer seine Kompetenzen im Digitalbereich verbessern möchte, kann in Wien seit Kurzem eine Förderung dafür beantragen. Die Arbeiterkammer, der waff und die Stadt Wien haben gemeinsam ein spezielles Angebot für Wienerinnen und Wiener ins Leben gerufen, den Digi-Winner. Das neue Programm, das von einer Informationskampagne unter dem Motto "Mein Job wird digitaler - Ich auch" begleitet wird, startete im Februar.

Mit dem Digi-Winner werden Wienerinnen und Wiener, die sich für die künftige Arbeitswelt mit digitalen Kompetenzen rüsten wollen, gefördert. Insgesamt können bis zu 5.000 Euro Förderung für berufliche Weiterbildung im Bereich Digitalisierung in Anspruch genommen werden. CLUB WIEN hat mit Susanne Lehner gesprochen. Sie machte im digitalen Bereich eine Weiterbildung, dank dieser sie sich branchenspezifisches Fachwissen aneignen konnte. Dadurch ergaben sich für Lehner beruflich gänzlich neue Perspektiven. Für eine sichere Zukunft in der digitalen Welt.

 

Learning by doing

Seit einem Jahr ist Susanne Lehner erfolgreiche selbstständige IT-Projektmanagerin und hat gemeinsam mit einem Freund das kleine App-Unternehmen "Unsere Hausapotheke" gegründet. Mittels der App können verschiedenste Arzneimittel gelistet, Notizen verfasst und Beipackzettel nachgelesen werden. Die Idee der digitalen Hausapotheke kam Susanne Lehner beim Notieren von Medikamenten, die sie für ihren kleinen Sohn besorgen musste. "Als ich alles aufgeschrieben hatte, was ich brauchte, habe ich mir gedacht, dass das alles mit einer App viel schneller und unkomplizierter funktionieren würde", so Lehner. Ihre neuen Kenntnisse aus der Weiterbildung haben ihr bei der Entwicklung der App sehr geholfen. Deshalb ist eine Aus- oder Weiterbildung im Bereich der Digitalisierung für Lehner essenziell, doch oft sehr teuer. Dass es Förderungen wie jene, die vom waff angeboten werden, gibt, findet sie toll und extrem wichtig.

Dabei kommt die technikaffine Jungunternehmerin aus einer ganz anderen Ecke. "Ich bin eigentlich Soziologin und habe auch meinen Master in Soziologie gemacht." Durch Zufall ist sie in der IT gelandet. "Damals war die App-Entwicklung noch sehr jung. Ich war bei einer kleinen Agentur und bin dann innerhalb kürzester Zeit Projektmanagerin geworden." Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen entwickelte sie Methoden zur App-Entwicklung, stellte neue Entwicklungswege auf und plante eigene Projekte. Was Susanne Lehner als Projektmanagerin wissen und können musste, eignete sie sich mit harter Arbeit und vielen Web-Tutorials selbst an. Ganz nach dem Motto "Learning by doing". "Zu Beginn waren wir junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Studentinnen und Studenten, die sich in der App- und Softwareentwicklung ausprobierten. Es war alles noch etwas experimentell. Schritt für Schritt wurde es professioneller. In dieser Zeit merkte ich, dass mir die agile Softwareentwicklung am besten gefällt. Dadurch kam ich dann auch zum Scrum Master", erklärt Lehner.

Berufsfeld Scrum Master

"Scrum ist ein Vorgehensmodell des Projekt- und Produktmanagements, insbesondere der agilen Softwareentwicklung. Diesen Prozess begleiten verschiedene Rollen. Eine Rolle davon ist der Scrum Master. Dieser ist der Projektmanagerin beziehungsweise dem Projektmanager am ähnlichsten. Ein Scrum Master organisiert die Abwicklung", erklärt Lehner. Der Scrum Master ist dafür verantwortlich, dass Scrum als Gesamtwerk gelingt. Dazu arbeitet man eng mit dem Entwicklungsteam zusammen, gehört aber selbst nicht dazu. Der Scrum Master führt die Scrum-Regeln ein, überprüft deren Einhaltung und kümmert sich um die Behebung von Störungen und Hindernissen. So arbeitet Lehner als Beraterin bei Projekten und für Unternehmen, macht aber auch selbstständig Projekte. Ihr Aufgabenbereich ist sehr breit gefächert und kaum ein Tag gleicht dem nächsten. Was die junge Mutter aber auch als Vorteil sieht, da sie dank ihrer Selbstständigkeit flexibler ist und ihre Zeit frei einteilen kann. Doch so war es nicht immer. Denn vor ihrer Zeit als selbstständige IT-Projektmanagerin arbeitete sie in einer Agentur. In der Karenz kam ihr die Idee, sich weiterzubilden.

Ein Klick in die Zukunft

Nach eineinhalb Karenzjahren machte sich Lehner Gedanken über ihre berufliche Zukunft. "Ich wollte die restliche Zeit nutzen, um mich weiterzubilden und mich bestmöglich auf den Wiedereinstieg vorzubereiten." Denn obwohl Lehner in ihrem Unternehmen erfolgreich als Projektmanagerin tätig war, hatte sie nichts schwarz auf weiß, das ihr Können und ihre Kompetenz belegen konnte. "Ich habe zwar gewusst, dass ich gut bin in dem, was ich mache, und dass ich es auch kann, aber ich wollte etwas Handfestes haben und gleichzeitig wollte ich mich auch in meinem Gebiet weiterbilden", erklärt Lehner. Als ihr eine Freundin von der waff-Förderung erzählte, vereinbarte sie kurz darauf einen Termin beim waff. Dort war ihr schnell klar: "Wow, das ist genau das, wonach ich gesucht habe."

Gut informiert verlässt Susanne Lehner den waff. "Als der Termin vorbei war, fühlte ich mich richtig gut aufgehoben. Ich wusste zwar davor schon, was ich ungefähr machen wollte, aber das war alles noch etwas abstrakt. Die ausgewählten Kurse waren für mich wie ein Leitfaden. Jetzt wusste ich genau, wie es weitergehen wird und was ich tun muss, um mein Ziel zu erreichen", erklärt Lehner. Kurz darauf startete sie ihre Ausbildung zum Scrum Master.

Der Schritt in die Selbstständigkeit

Als Susanne Lehner aus der Karenz zurückkehrte, war ihr bisheriger Arbeitsplatz in eine neue Agentur eingegliedert worden. "Mein Wiedereinstieg war aufgrund der Übernahme nicht so einfach. Ich habe meine neuen Vorgesetzten sowie Kolleginnen und Kollegen nicht gekannt. Meine Zertifizierung hat mir den Einstieg enorm erleichtert, weil ich sagen konnte: 'Seht, ich habe mich weitergebildet und das kann ich'", so Lehner.

Nach ein paar Monaten im Unternehmen merkte Susanne aber, dass sie ihre alte Arbeit und ihre Tätigkeiten dort nicht mehr erfüllten. Sie wollte sich mit ihren neu erworbenen Kompetenzen weiterentwickeln. "Ich habe Teilzeit gearbeitet, war die andere Hälfte bei meinem Kind zu Hause und irgendwie sah ich nicht mehr genau, wo mich das hinführen sollte. Es war mir nicht mehr genug", so die Jungunternehmerin. Kurz darauf kündigte sie und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. "Mein Leben ist heute ganz anders, als es vor eineinhalb Jahren war. Die waff-Ausbildung war in meinem Leben ein Auslöser für eine ganze Reihe toller Veränderungen. Sie hat mir zum einen den Wiedereinstieg nach der Karenz enorm erleichtert. Zum anderen hat sie mir gezeigt, dass ich es auch alleine schaffen kann. Sie war für mich eine kleine Starthilfe in ein selbstständiges Leben", so Lehner.

Als IT-Managerin und technikaffine Person sieht Lehner in der zunehmenden Digitalisierung viel Positives. "Natürlich soll und darf nicht alles digitalisiert oder von künstlicher Intelligenz geführt werden, aber es gibt bereits so viele kleine Helferleins, kleine Tools, die uns in unserem Alltag unterstützen können." Ein Beispiel dafür ist ihre eigene App "Unsere Hausapotheke".