Mit ihren Parkanlagen, Alleen mit Rosskastanien, Ahornbäumen und Linden sowie den Kleingärten, Blumenkisteln und Gstätt'n ist die Stadt Wien ein hervorragender Lebensraum für Bienen. © iStockphoto

Die summende Stadt

In Wien brummen nicht nur die Motoren, sondern auch unterschiedliche Bienenvölker. Denn dank der vielen Grünflächen haben Honigbienen in der Hauptstadt ihr Domizil gefunden.

Bienen sammeln seit einigen Jahren ihren Blütenstaub und Nektar nicht mehr nur in Wäldern und auf Feldern, sondern zunehmend auch inmitten von Städten. So auch in Wien. Mehr als die Hälfte der Millionenstadt ist Grünraum und bietet damit den Bienen ein vielfältiges Nahrungsangebot. Der natürliche Lebensraum von Honigbienen sind Felder, Wiesen oder Wälder. Durch die Ausdehnung der Städte und die Verwendung von Chemie in der Landwirtschaft wird ihr Lebensraum stark eingeschränkt. Deshalb hat sich die Stadt Wien zur Aufgabe gemacht, Bienen in der Stadt anzusiedeln. Denn kaum irgendwo gibt es für Bienen einen so vielfältigen Lebensraum und ein so breites und beständiges Nahrungsangebot wie in einer Großstadt mit all ihren Parkanlagen, Wiesen, Kleingärten und Blumenkisteln.

Über 5.200 Bienenstöcke mit rund 40.000 Bienen pro Stock sind in ganz Wien verteilt. Allein auf den Flächen der Stadt Wien stehen rund 500 Bienenstöcke und der Trend zum Urban Imkering wächst. Denn dort, wo es Bienen gibt, dort gedeiht das Leben. Die Honigbiene ist ein wichtiges und schützenswertes Tier, ohne das der ökologische Kreislauf erheblich gestört wäre. Deshalb gilt es, die summenden Tierchen zu schützen. Viele Wienerinnen und Wiener setzen auf eigene Bienenstöcke: auf Dächern, auf Balkonen oder in Kleingärten. Zudem werden in Wien Wiesen in Parkanlagen und sonstige Grünflächen naturnah belassen. Die Unterstützung der vielen Bienenfans und das Errichten von Bienenstöcken in ganz Wien zeigen ihre Wirkung: Die Stadtbienen sind in ganz Wien zu finden. Sie fühlt sich in der Großstadt wohl. Das beweisen auch die Zahlen: Im Sommer leben in der Hauptstadt über 200 Millionen Bienen. Gründe dafür sind auch die höheren Temperaturen in der Stadt und der geringe Einsatz von Pestiziden.

Auf dem Dach vom Wiener Rathaus summt es. Rund 200.000 Bienen sorgen hier für taufrischen Honig. Wir haben Imker Alfred Hauska bei der Ernte zugesehen. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Urban Imkering oder dort, wo Wiens Großstadtbienen leben

Wiens Großstadtbiene ist nicht nur auf Wiesen, in den Parks und Gärten zu finden, sie siedelt auch an sehr prominenten Orten wie auf dem Dach der Staatsoper, auf dem Zentralfriedhof oder auf dem Dach des Technologiezentrums Aspern. Seit dem Frühjahr 2017 ist noch eine weitere Adresse im Herzen Wiens dazugekommen: Vier Bienenstöcke hat Alfred Hauska, Obmann des Imkervereins Donaustadt, auf der Südseite des Rathausdaches platziert. CLUB WIEN hat mit dem Rathausimker über seine summenden Schützlinge gesprochen.

Ein summendes Völkchen auf dem Rathausdach

Die Bewohner des Rathausdaches sind zahlreich. 200.000 Bienen verteilen sich auf vier Stöcke. In jedem Stock herrscht eine Königin über ihr Volk. Sie steuert das Leben im Stock und sorgt durch die Ablage von Eiern für Nachwuchs. Bienen sind Schwarmtiere und haben ein sanftes Gemüt. In der Umgebung des Rathauses finden sie ideale Bedingungen, um Nektar beziehungsweise Nektariensäfte aufzunehmen und in Honig umzuwandeln. Vom Rathauspark bis hinüber zum Augarten blühen viele unterschiedliche Bäume: Kastanien, Linden, Götterbäume und mehr. Diese Baumblüten liefern einen ganz eigenen Saft, der von den Bienen zu einem glänzend zitronengelben Honig gemacht wird.

Alfred Hauska ist Obmann des Imkervereins Donaustadt und Rathausimkermeister. © PID/Votava

CLUB WIEN: Was können wir zum Schutz der Bienen in der Großstadt tun?
Alfred Hauska: 80 Prozent unserer Natur- und Kulturpflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen. Also auf Bienen. Dies gilt auch für Bäume, Sträucher und Blumen in der Großstadt. Daher müssen wir den noch vorhandenen Lebensraum unserer kleinen "Stadtbestäuber" schützen, und zwar durch den Erhalt der Grünflächen. Die Erhaltung von alter Bausubstanz muss ebenso gesichert werden.

Worauf ist bei der Honigernte mitten in der Stadt zu achten?
Auf dem Rathausdach fühlen sich die Bienen sehr wohl. Die Honigernte hängt allerdings nicht nur vom Gemütszustand der Bienen, sondern vor allem von der Wetterlage ab. Normalerweise werden pro Volk und Jahr circa 40 Kilogramm Honig auf dem Rathausdach geerntet. Dieser Honig ist ein reiner sogenannter Baumblütenhonig. Er wird nicht verkauft, sondern im Rahmen karitativer Veranstaltungen zur Verfügung gestellt.

Der natürliche Lebensraum von Bienen sind Wälder und Wiesen. Ist das Wiener Rathaus für die Bienenzucht überhaupt geeignet?
Eine Dacherrichtung eines Honigbienenstandes kommt dem natürlichen Vorkommen der Honigbienen entgegen. Flaches, blütenreiches Land mit einer hohen sicheren Behausung: Das ist optimal für die Bienen. Deshalb eignet sich das Rathausdach inmitten unserer blühenden Stadt als Lebensraum für Bienen sehr gut. Der Rathauspark bietet zudem ein breites Nahrungsangebot. Bienen können bei der Nahrungssuche bis zu zweieinhalb Kilometer zurücklegen. Die Rathausbienen fliegen für ihre Futtersammlung auch schon mal bis zum Augarten.

Für die gesunde und ungestörte Entwicklung eines Bienenvolkes ist die ausreichende Verfügbarkeit entsprechender Nahrungsmittel wie Wasser, Pollen, Nektar oder Honigtau unbedingt erforderlich. Unterstützen Sie die Bienenvölker, kaufen Sie Saatgut und Pflanzen, die den Bienen als Nahrung dienen. © iStockphoto

Lebt in Wien eine besondere Bienenart oder kann hier jede Biene leben?
In der Stadt leben viele besondere Bienenarten. Noch! Und alle sind besonders schützenswert, so auch unsere Honigbiene. Auf dem Rathaus lebt die Apis mellifera carnica, zu Deutsch Kärntner oder auch Krainer Biene. Nur diese Rasse wurde vom ehemaligen Bürgermeister Michael Häupl durch das Wiener Bienenzuchtgesetz erlaubt. Das ist auch gut so.

Seit mehr als 50 Millionen Jahren ist die Carnica bei uns heimisch und hat sich erfolgreich allen Veränderungen angepasst. Bis in die späten Siebzigerjahre war alles bestens. Danach wurde die Varroamilbe durch die Indische Biene von deutschen Bienenforscherinnen und -forschern nach Europa eingeschleppt. Das führte zu einem Bienensterben. Durch die Ansiedelung der Carinca-Honigbiene auf dem Rathaus wollen wir die Population vermehren.  

Wie werden die Bienen auf dem Dach des Rathauses gepflegt?
Betreut werden die Rathausbienen von Michael Drachsler und von meiner Wenigkeit. Eingriffe werden so wenige wie möglich, aber so oft wie notwendig durchgeführt. Im Fokus steht immer die Erhaltung der Völker unter Beachtung einer möglichst naturgemäßen Lebensweise der Honigbiene. Genügend Raum, ausreichend Futter und Wasser, gesunde und junge Königinnen helfen, dieses Ziel zu erreichen.

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