Gerade in den kalten Wintermonaten haben es obdachlose Menschen besonders schwer. Deshalb, wenn Sie jemanden auf der Straße liegen sehen, schauen Sie nicht weg! Helfen Sie! © iStockphoto

 

Nicht weg-, sondern hinschauen!

Am Weg nach Hause sieht man plötzlich einen obdachlosen Menschen am Straßenrand liegen. Es hat um die null Grad – viel zu kalt für eine Nacht im Freien. Doch wie kann man helfen? Mit der neuen "KälteApp" des Fonds Soziales Wien!

Temperaturen um den Gefriergrad, erste Schneeflocken und Dauerfrost – der Winter ist da und damit die härteste Jahreszeit für obdachlose Menschen. Denn während viele jetzt am liebsten zu Hause bleiben, sich in warme Wolldecken hüllen und es sich auf der Couch gemütlich machen, bleiben andere auf der Straße. Laut einer Studie der Statistik Austria gab es 2017 österreichweit 21.567 registrierte Wohnungslose. Wie in allen Großstädten gibt es auch in Wien Menschen, die keine Wohnung und keine Adresse haben. Nicht alle davon schlafen auf der Straße. Straßenobdachlosigkeit ist nur die Spitze des Eisbergs. Übergangswohnungen und Notschlafstellen verhindern, dass Betroffene Wind und Wetter ausgesetzt sind.

Für die kalten Monate bietet Wien seit zehn Jahren zudem auch das Winterpaket an: Die Stadt stockt zwischen November und Anfang Mai Notschlafplätze stark auf, damit niemand in der Kälte draußen schlafen muss. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die nachts bei bitterer Kälte in Hauseingängen, in U-Bahn-Höfen oder vor Bankautomaten schlafen. Damit diesen Menschen schnell geholfen werden kann, gibt es zusätzlich zum Kältetelefon jetzt auch die KälteApp. Mit der neuen App, die von der Stadt Wien und dem Fonds Soziales Wien (FSW) ins Leben gerufen worden ist, kann innerhalb kürzester Zeit Hilfe gerufen werden. Wie das genau funktioniert? CLUB WIEN klärt auf.

Niemand muss auf der Straße schlafen

Das bereits zehnte Winterpaket der Stadt Wien bietet allen von Obdach- und Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen eine warme Übernachtungsmöglichkeit. Dafür sorgen zwischen 30. Oktober 2019 und 4. Mai 2020 mehr als 900 zusätzliche Schlafplätze. Die Plätze im niederschwelligen Bereich werden damit auf rund 1.500 aufgestockt. Zusätzlich gibt es erstmals die KälteApp, um noch einfacher und schneller Unterstützung anzufordern.

Das Winterpaket wird vom Fonds Soziales Wien (FSW) koordiniert und gemeinsam mit Obdach Wien, Wiener Rotes Kreuz, Caritas der Erzdiözese Wien, Arbeiter-Samariter-Bund Wien, Volkshilfe Wien, Johannitern und der St. Elisabeth-Stiftung umgesetzt. Für Frauen mit Kindern gibt es spezielle Plätze, um sicher die Nächte zu verbringen.

Was ist die KälteApp und wie funktioniert sie? 

Mit der neuen KälteApp des Fonds Soziales Wien können Wienerinnen und Wiener, wenn sie obdachlose Menschen auf der Straße sehen und diese Hilfe benötigen, die Straßensozialarbeit von Obdach Wien verständigen – einfach und schnell, in nur drei Schritten:

Schritt 1: Wer braucht Hilfe?

Geben Sie an, wen Sie gesehen haben. Handelt es sich um eine Gruppe oder eine Einzelperson, um Männer, Frauen oder auch Kinder? Geben Sie auch das Datum und die genau Uhrzeit Ihrer Beobachtung an. Denn mittels dieser genauen Informationen kann das Team der Straßensozialarbeit die Meldungen priorisieren und den Aufträgen nachgehen.

Schritt 2: Wo wird die Hilfe benötigt?

Um den Standort anzugeben, wo akut Hilfe benötigt wird, klicken Sie in der App auf die Wien-Karte. Im Feld darunter können Sie zusätzlich die Adresse sowie eine nähere Beschreibung des Orts, wie zum Beispiel im Hauseingang oder vor dem Bankomat, eintippen. So können die Straßensozialarbeiterinnen und -arbeiter die Betroffene oder den Betroffenen rasch finden.

Schritt 3: Kontakt für Rückfragen

Für einen Rückruf oder Fragen können Sie optional Ihre Telefonnummer oder Ihre E-Mail-Adresse angeben. So sind Sie im gegebenen Fall für das Team erreichbar. Jetzt nur noch das Formular absenden und die Straßensozialarbeit ist informiert.

Mithilfe Ihrer Meldung kann das Team der Straßensozialarbeit den Menschen unmittelbar mit Beratung, Vermittlung oder auch Schlafsäcken weiterhelfen.

Wichtig: Die KälteApp ist keine Akuthilfe. In Notfällen ist die Rettung zu verständigen, diese kann auch über die App angerufen werden. Meldungen, die bei Obdach Wien über die KälteApp eingehen, werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für die Betreuung der App zuständig sind, aufgenommen, priorisiert und an die Straßensozialarbeiterinnen und -arbeiter übergeben. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen, möglichst rasch der Meldung nachzugehen und zu helfen.

Die KälteApp steht im Apple App Store sowie im Google Play Store zum kostenlosen Download bereit. Die Webversion sowie die direkten Links zu den Stores sind online unter www.kaelteapp.wien zu finden.

Wie kann noch geholfen werden?

"Nicht wegschauen, sondern hinschauen. Die KälteApp ist ein neues partizipatives und niederschwelliges Instrument, um anderen Menschen zu helfen. Je mehr Menschen die kostenlose App downloaden, mit offenen Augen auf Wiens Straßen unterwegs sind und der Straßensozialarbeit obdachlose Personen melden, umso besser und unmittelbarer können sich die Straßensozialarbeiterinnen und -arbeiter kümmern. Im Notfall gilt selbstverständlich: Rettung verständigen", erklärt die FSW-Geschäftsführerin Anita Bauer.

Auch abseits der kalten Jahreszeit kann man sich engagieren. So sucht das FSW-Tochterunternehmen Obdach Wien das ganze Jahr Freiwillige, die sich für wohnungslose oder geflüchtete Menschen engagieren wollen. Mehr Informationen finden Sie hier: www.obdach.wien/p/zeit-spenden