Vorher – nachher Foto von Dackel-Mix Burli. Mit 26 Kilogramm kam er ins TierQuarTier Wien. "Er war mehr breit als hoch", so seine neue Besitzerin. Nach einer Ernährungsumstellung und viel Bewegung ist der Dackelherr jetzt wieder fit und super beweglich. © TierQuarTier Wien/privat

 

Hilfe, mein Haustier ist zu dick

ExpertInnen schlagen Alarm: Unsere Haustiere sind zu fett. Durch Überfütterung kann es für unsere geliebten Haustiere schnell zu gesundheitlichen Problemen kommen, die man unbedingt ernst nehmen sollte. Ab wann ist ein Tier zu dick? Wir haben nachgefragt.

Hier ein Leckerli, dort ein Leckerli, zwischendurch noch ein Stückchen Käse, Wurst oder andere Leckereien. Den Hund oder die Katze freut es, während der Zeiger auf der Waage rapide nach oben steigt. Denn auch für Haustiere gilt: Zu viel Naschen führt zur Fettleibigkeit und ist ungesund. Vor allem die Snacks zwischendurch können bei Tieren schnell zu einem großen Problem werden. Denn bereits ein paar Kilo mehr führen zu chronischen Erkrankungen an Herz oder Gelenken. Eine ausgewogene Ernährung, artgerechte Haltung und Bewegung sind deshalb das A und O einer guten Tierpflege. Worauf sollte man als gute Haustierbesitzerin oder guter Haustierbesitzer achten? Welche Folgen kann Fettleibigkeit bei Tieren haben? Womit sollte man seine Haustiere nicht ernähren? Fragen über Fragen. Für Aufklärung sorgt Eva Persy von der Tierschutzombudsstelle Wien. Im Interview erzählt sie uns mehr zum Thema "Dicke Haustiere" und worauf man achten sollte, um seine Haustiere fit und gesund zu halten.  

Vorteilsclub der Stadt Wien: Ab wann ist ein Tier zu dick?

Eva Persy, Tierschutzombudsstelle Wien: Bei Hunden und Katzen kann man zu Hause ganz einfach selbst testen, ob der Körperumfang des Tieres gesunde Maße hat: Generell sollten die Rippen nicht zu sehen sein, aber bei sanftem Anlegen der Hand auf dem Rippenbogen sollte man diesen sofort spüren können. Auch eine fehlende Taille ist ein Anzeichen für Fettleibigkeit, und zwar unabhängig von der Rasse.

Welche Folgen drohen, wenn ein Haustier zu dick wird?

Für das Tier drohen gesundheitliche Folgen. Oft kommt es zu chronischen Erkrankungen an Herz oder Gelenken. Durch das Übergewicht wird die Lebensqualität des Tieres stark eingeschränkt. Die Behandlung von Folgeerkrankungen geht wiederum an den Geldbeutel der Halterin oder des Halters. Ein Hund von 25 Kilogramm, der aufgrund seines Übergewichts an chronischen Gelenkschmerzen und Herzschwäche leidet, kommt schnell auf Medikamentenkosten von circa 3,50 Euro täglich, also etwa 105 Euro pro Monat. Die engere veterinärmedizinische Überwachung (halbjährliche Kontrolle, jährliche Blutuntersuchung) schlägt mit weiteren Kosten zu Buche.

Auch vom Tierschutzgesetz her kann es Konsequenzen für die Halterin oder den Halter geben: Wenn jemand seinen kleinen Liebling so überfüttert, dass dieser Schmerzen empfindet und sogar Folgeschäden auftreten, dann ist das keine Tierliebe mehr, sondern Tierquälerei. Im Falle einer Anzeige drohen Strafen bis zu 7.500 Euro.

 

Der Adipositas-Fall Burli

Ein Beispiel eines echten Adipositas-Falls bei Hunden ist der 12-jährigen Dackel-Mix Burli, der bei seiner Vorbesitzerin, einer älteren Dame, die nicht mehr sehr mobil war, zu sehr verwöhnt wurde. Dackel-Mix Burli kam mit 26 Kilogramm ins TierQuarTier Wien. "Burli war mehr breit als hoch. Auf seinem Rücken hätte man mit den Speckpolstern an der Seite ohne weiteres ein Tablett abstellen können", erzählt seine jetzige Halterin erzählt. Burli hatte in seinem früheren Zuhause zu viel (falsches) Essen und zu wenig Bewegung bekommen. "Er hat den Dackelblick voll drauf und hat so sicherlich einiges vom Kaffeetisch abgestaubt", so die neue Besitzerin. Allein durch die Umstellung seiner Ernährung auf hundegerechtes Futter und der Anpassung der Futtermenge an seine Gewichtsklasse sowie durch regelmäßige Bewegung hat Burli in den ersten Monaten im TQT rund 8 Kilo abgenommen. Bei seinem neuen Frauerl verlor er mit der gesunden Ernährungsumstellung weitere Kilos, ganz ohne zu hungern und ist heute ein bewegungsfreudiger, ausgeglichener Hunde-Senior mit ungefähr 14 Kilogramm, was für seine Größe und Statur ein gutes Gewicht ist. Einziger Wermutstropfen: Burli hat durch sein starkes Übergewicht mit Langzeitschäden zu kämpfen. Aufgrund der Arthrose in seinen Gelenken muss Burli dauerhaft Schmerzmittel einnehmen.

Welche Ursachen für Übergewicht gibt es?

Meist liegt es an der Lebensweise, das heißt an falscher Ernährung und/oder mangelnder Aktivität und qualitativer Beschäftigung mit dem Hund, der im Gegenzug zu viele Snacks bekommt. Natürlich kann Übergewicht auch als Folge von Krankheiten oder nach der Einnahme bestimmter Medikamente auftreten. Umso wichtiger ist, dass man regelmäßige Checks bei der Tierärztin oder beim Tierarzt machen lässt. So können mögliche Probleme in diese Richtung frühzeitig erkannt und eventuell gleich eine Expertin oder ein Experte aufgesucht werden.

Eine Studie der Wiener Tierärztekammer hat ergeben, dass Fettleibigkeit von den Halterinnen und Haltern leider oft nicht als Krankheit wahrgenommen wird. Die Motivation, das Problem anzugehen, ist dadurch oftmals gering. Selbst wenn die Erkenntnis da ist, hat rund jede dritte Halterin beziehungsweise Halter Mitleid oder fühlt sich zerrissen, wenn das Tier auf Diät gesetzt werden soll.

Welche Lösungen gibt es für fettleibige Tiere?

Wie beim Menschen: Bewegung und bewusste Ernährung! Je nach Schweregrad des Übergewichts kann professionelle Hilfe notwendig sein, um die optimale Kalorienzufuhr und Nährstoffversorgung für den jeweiligen Vierbeiner sicherzustellen. Wenn es nur ein paar Gramm zu viel sind, reichen oft schon mehr Aktivität und ein leicht umgestellter Speiseplan.

Was kann man tun, damit das Haustier (Katze/Hund) erst gar nicht zu dick wird?

Regelmäßige Bewegung und eine auf das Tier abgestimmte Ernährung. Snacks müssen unbedingt in der Tagesration einkalkuliert werden, das heißt, wenn ich beispielsweise mit dem Hund trainiere und er als Belohnung Leckerlis bekommt, dann muss ich diese bei den Mahlzeiten anrechnen. Oftmals ist uns Menschen gar nicht bewusst, wie "schwer" gewisse Leckereien für unsere Vierbeiner wiegen. Dazu zwei Vergleiche: Wenn ein 15-Kilo-Hund eine Kaustange bekommt, ist das umgerechnet wie ein Hamburger für eine durchschnittliche erwachsene Person. Eine Scheibe Salami für eine Katze entspricht sogar einer Tüte Chips und einem kleinen Stück Käse. 

Sollte man seinen Hund zum Sport animieren?

Übergewicht führt zu einer stark erhöhten Belastung aller Gelenke des Tieres. Es ist daher nicht ratsam, den Hund zu ausdauerndem Laufen oder gar Tricks und Sportarten, die Sprünge inkludieren, zu animieren. Bevor das Idealgewicht wieder erreicht wird, sind lange Spaziergänge mit dem Hund perfekt geeignet, um das gesunde Abnehmen zu unterstützen.

Wie sieht das bei Katzen aus, vor allem Wohnungskatzen?

Die Wohnungskatze ist ein Lauerjäger, die einen Großteil des Tages auf Beute lauert. Dabei ist sie zwar angespannt/aufmerksam, bewegt sich jedoch kaum. Bei Wohnungskatzen ist daher besonders wichtig, sie zu Bewegung und Aktivität zu animieren. Dies kann zum Beispiel durch die tägliche ausgiebige Beschäftigung der Halterinnen oder Halter mit dem Tier passieren. Zudem ist eine interessante Gestaltung der Umgebung wichtig, in der es verschiedene und auch wechselnde Spiele und Explorationsmöglichkeiten für die Katze geben sollte. Auch eine Partnerkatze kann zu Aktivität animieren.

Wichtig ist: Mit steigendem Alter nimmt der Energieverbrauch ab. Die Futterration muss dementsprechend individuell angepasst werden, damit das Tier nicht übergewichtig wird.

Ist auch Ihr Haustier zu dick? Holen Sie sich weitere Infos zum Thema auf der Homepage der Tierschutzombudsstelle Wien. Mehr Infos über Adipositas beim Tieren finden Sie hier.

Der Vorteilsclub wünscht Ihnen und Ihrem Haustier alles Gute, und immer auf die Ernährung achten!