Das Os.Car Racing Team startet in die neue Saison. 2018 zeigte man unter anderem in Spielberg starke Leistungen. © Bohmann

Der Rennwagen vom Verteilerkreis

Das Os.Car Racing Team von der FH Campus Wien startet mit seinem selbst gestalteten Rennwagen in die neue Saison. Teamkapitänin Natalie Gemovic ist voller Tatendrang. Das Auto können Sie übrigens diese Woche auf dem Forschungsfest hautnah erleben.

Von null auf 100 in 4,2 Sekunden: Das Os.Car Racing Team will auch in dieser Saison der Formula Student Gas geben. Der neue Bolide CR-118 ist das mittlerweile fünfte selbst designte Auto, das die Mannschaft von der FH Campus Wien am Verteilerkreis auf die Strecke schickt. Begonnen hat alles 2012, damals mit einer Handvoll Studierenden unter Leitung von Professoren wie Heimo Sandtner und Udo Unterweger.

"Damals stammte das ganze Team aus dem Studiengang 'High Tech Manufacturing'", sagt Teamkapitänin Natalie Gemovic, die selbst im Masterprogramm des Studiengangs ist. Sie stieß 2016 zur Mannschaft. Vom Racing Team war sie auf Anhieb begeistert. "Man bekommt nicht so oft die Gelegenheit, an einem Rennwagen mitzubauen. Es ist eine Riesenchance zu lernen. Die Theorie, die man im Unterricht gelernt hat, kann man hier wirklich einbauen."

80 PS, vier Zylinder

Bei dem Rennwagen wurde so viel wie möglich selbst gemacht. Das Fahrwerk wurde selbst designt und berechnet, die meisten Teile wurden auch in Eigenregie gefertigt. Auch die Karosserie ist ein Eigenbau. Der Großteil besteht aus dem ultraleichten Material Carbon. Der Ansaugtrakt wurde auch selbst entwickelt und im 3-D-Druck-Verfahren hergestellt. "Wir machen mittlerweile sehr viel selbst, ein paar Teile muss man aber auslagern, da uns schlicht die Maschinen fehlen", sagt Gemovic.

Als Motor hat der Wagen einen Honda CBR 600 RR. Der Vier-Zylinder-Motor hat knapp über 80 PS und ist das schwerste Teil im Wagen. "Abgesehen von der Fahrerin beziehungsweise vom Fahrer", sagt Gemovic mit einem Augenzwinkern. Das ganze Auto wiegt 225 Kilogramm. Gebaut wird der CR-118 übrigens auf dem HTC-Campus, der sich auf dem Gelände der ehemaligen Philips-Fabrik am Wienerberg befindet.

Beinharter Wettbewerb

2018 umfasst das Team bereits 40 Leute aus allen möglichen Studiengängen, von "Angewandter Elektronik", "Computer Science and Digital Communications", "Technical Management" über "Green Mobility" bis zu "Embedded Systems Engineering" und "Physiotherapie". Aktuell startet man gerade in die neue Saison. "Jede Saison hat mehrere Phasen: die Konzeptphase, die Konstruktionsphase, die Testphase und schlussendlich dann die Wettbewerbe", sagt Gemovic. Schon die Qualifikation für die Rennen hat es in sich. Mit Quizbewerben wird das Feld ausgesiebt, von 300 Teams, die starten wollen, sind bei Rennen nur rund 50 dabei. 2018 war das Os.Car Racing Team unter anderem in Hockenheim, Spielberg und Autodromo di Varano am Start.

Bei den Rennen gibt es zwei Gruppen an Bewerben: statische und dynamische. Statische Wettbewerbe sind zum Beispiel die Präsentation des Business-Plans oder des Cost-Reports, beides gerade für die Studierenden wichtige Lernerfahrungen. "Bei diesem Projekt bauen wir nicht nur den Wagen. Wir erstellen das gesamte Konzept von der Finanzierung über die Sponsoren bis hin zum Marketing auf Social Media", sagt Gemovic. Das Design und die Ingenieursentwürfe werden auch bewertet.

Top-Ergebnis in Spielberg

Bei den dynamischen Wettbewerben ist dann der Wagen im Einsatz. Es gibt die "Acceleration", sprich Beschleunigung, ein 75-Meter-Sprintrennen. Kurvig wird's bei der liegenden Acht, die alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer schnellstmöglich absolvieren müssen. Neben dem Autocross ist dann die "Endurance", sprich Ausdauer, die Königsdisziplin. Dabei muss der Bolide 22 Kilometer absolvieren.

"In Spielberg lief die Endurance super für uns", sagt Gemovic. In Hockenheim fiel das Team wie viele andere den tückischen Bodenwellen zum Opfer. Die Performance bei den Rennen war durchwegs sehr gut und die Vorfreude auf die neue Saison ist groß.

Natalie Gemovic hat als Teamkapitänin viele wichtige Aufgaben, von der Meeting-Organisation bis zum Handling der Sponsoren. Eine bedeutende Aufgabe ist aber die Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitermotivation. "Das Projekt ist sehr zeitintensiv. Wir sind alle gefordert und es wirkt sich unweigerlich auf unsere Freizeit aus. Das kann mit Freundinnen und Freunden sowie Partnerinnen und Partnern schon einmal schwierig werden. Ich sorge dafür, dass trotzdem alle an einem Strang ziehen. Generell ist der Teamspirit bei uns hervorragend", sagt Gemovic.

Os.Car Racing Team auf dem Forschungsfest

Falls Sie den FH-Rennwagen gerne einmal aus der Nähe bewundern würden, gibt es dazu bald die perfekte Gelegenheit: Von 14. bis 16. September ist das Racing Team beim Forschungsfest zu Gast. Dort kann man nicht nur das Auto bewundern, man kann Druckteile anfassen und mit den Teammitgliedern über den Boliden und die neue Saison fachsimpeln. Kinder können Rennwagenvorlagen ausmalen.