Die an den Sammelstellen abgegebenen Christbäume dienen als Energielieferanten für Strom und Wärme. © Bohmann/Andrew Rinkhy

 

Der letzte Weg der Christbäume

Zu Weihnachten sind Christbäume der strahlende Mittelpunkt der guten Stube. Doch auch danach wissen sie zu glänzen: als Energielieferanten. Von der Sammelstelle über die Müllverbrennungsanlage gelangen sie als Strom und Fernwärme wieder in den Haushalt.

Auch heuer hat Philipp einen Christbaum zu Weihnachten gekauft und ihn gemeinsam mit seiner Freundin aufgeputzt. Rund zwei Wochen später, traditionell um den Dreikönigstag herum, wird der kleine Nadelbaum wieder entsorgt. "Auf Lametta habe ich dieses Jahr bewusst verzichtet. Das ist für die Umwelt besser", erzählt er. "Kein Lametta! Wäre netter." ist auch das Motto für die Christbaumsammlung der MA 48, Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark. "Verunreinigungen durch Haken, Lametta oder Glaskugeln bei den Sammelstellen sollten vermieden werden", erklärt Ulrike Volk von der MA 48. "Außerdem kann Christbaumschmuck zum Großteil ja wiederverwendet werden."

 

534 Christbaumsammelstellen in ganz Wien

17 Fahrzeuge sind bis 13. Jänner drei Mal täglich unterwegs, um Christbäume an den 534 Sammelstellen aufzunehmen. Durchgeführt wird das von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Straßenreinigung. Den Service gibt es bereits seit 1990. Allein letztes Jahr wurden mehr als 173.000 Christbäume zu den Sammelstellen gebracht. Das entspricht einem Gewicht von über 757 Tonnen. Zu finden sind die jeweiligen Standorte im Online-Stadtplan der Stadt Wien oder über die 48er-App. Zusätzlich können die Christbäume auch ganzjährig auf den Wiener Mistplätzen abgegeben werden.

Strom für über 1.000 Haushalte

Philipps Bäumchen wird gemeinsam mit anderen Nadelhölzern bei der Christbaumsammelstelle in der Leopold-Rister-Gasse im fünften Bezirk in ein Müllfahrzeug geladen. Von dort geht es ab in die Müllverbrennungsanlage Pfaffenau in Simmering. Dort werden alle Wiener Christbäume thermisch verwertet. "Die bei der Verbrennung entstandene Energie wird für Strom und Wärme genutzt", erkärt Lisa Grohs von Wien Energie. "Umgerechnet können damit einen Monat lang etwa 1.060 Haushalte mit Strom und rund 2.470 Haushalte mit Fernwärme versorgt werden."

Gewogen, geleert, gemischt

Bis es so weit ist, haben die Christbäume noch einiges vor sich. Sobald das Mistauto einfährt, das auch Philipps Bäumchen transportiert, wird es gewogen. Verlässt es die Müllverbrennungsanlage später wieder, kommt es im entleerten Zustand erneut auf die Waage. So kann festgestellt werden, mit wie viel Müll der Wagen ursprünglich beladen war. Im Schnitt sind das 4.000 bis 5.000 Kilogramm.

Dabei besteht die Ladung ausschließlich aus Christbäumen. Diese werden vom Sammelfahrzeug in den Müllbunker geleert. Während des gesamten Jahres bringen bis zu 100 Fahrzeuge der MA 48 zweimal täglich Restmüll in die Pfaffenau.

Bei mindestens 850 Grad verbrannt

Nachdem die Müllautos entleert wurden, werden die unterschiedlichen Abfälle im Müllbunker mit einem Greifer vermischt, um einen gleichbleibenden Heizwert und damit einen gleichmäßigen Energieoutput zu gewährleisten. Zu guter Letzt werden die Christbäume gemeinsam mit dem beigemengten Hausmüll bei mindestens 850 Grad verbrannt. Allein aus den Christbäumen können so in Summe 1.900 Megawattstunden Energie herausgeholt werden.

Zweites Leben für Licht und Wärme

Nicht alle Christbäume landen allerdings in der Müllverbrennungsanlage Pfaffenau in Simmering. Einige wenige sind den Pinzgauer Ziegen von der Deponie Rautenweg im 22. Bezirk vorbehalten. Diese haben nämlich Nadeln und Rinden der Nadelgewächse im wahrsten Sinne des Wortes zum Fressen gern. Philipps Bäumchen sorgt aber wie das Gros der Wiener Christbäume in seinem zweiten Leben für Licht und Wärme in den Wiener Haushalten.

HINWEIS: Alle Christbaumsammelstellen sind rund um die Uhr bis 13. Jänner geöffnet.