Zwischen Korbmaranthen und Gummibäumen: Das Palmenhaus ist das Revier von Walter Scherzer. © Bohmann

Der gehörlose Gärtner in Kagran

Walter Scherzer ist gehörlos und seit 25 Jahren bei den Wiener Stadtgärten angestellt. Seine Spezialität ist die Pflege des Palmenhauses. Außerdem leitet er Führungen für gehörlose Menschen und bringt diesen so die Vielfalt des Schulgartens Kagran näher.

Das wichtigste Werkzeug jeder Gärtnerin und jedes Gärtners ist die Liebe zu den Pflanzen. Walter Scherzer hat die auch nach 25 Jahren bei den Wiener Stadtgärten nicht verloren. Dass er gehörlos ist, hat auf die Qualität seiner Arbeit im Schulgarten Kagran überhaupt keinen Einfluss.

Traumberuf gefunden

Früh am Morgen ist Walter oft im Glashaus anzutreffen. Beim Vermehren der Pflanzen zeigt er sein Fingerspitzengefühl. In Sekundenschnelle holt er Ableger von Topfpflanzen aus den alten Töpfen und gibt ihnen in neuen, jungfräulichen Töpfen ein neues Zuhause. In Erde eingebettet, können die Pflanzen wachsen. "An meinem Beruf liebe ich, dass man die Früchte der Arbeit sehen kann. Ich liebe es, die Pflanzen beim Wachsen zu beobachten", erzählt Walter in der Gebärdensprache. Den Beruf hat er gewählt, um aus seiner Leidenschaft für Pflanzen eine Lebensaufgabe zu machen.

Die Teamarbeit funktioniert

Nicht nur bei den Pflanzen kommt Walter gut an, auch die Kolleginnen und Kollegen schätzen den unaufgeregten und humorvollen Gärtner. Die Kommunikation stellt das Team zwar manchmal vor Herausforderungen, sie funktioniert aber dennoch prächtig. "Wir bemühen uns alle sehr und mittlerweile klappt alles reibungslos. Wir verständigen uns mit Hand und Fuß", sagt Gabriele Holczmann, eine von Walters Kolleginnen im Schulgarten. Dabei hilft natürlich, dass Walter auch von Lippen lesen kann. "Wenn man langsam spricht, dann versteht er 90 Prozent. Er kann das wirklich sehr gut." Wenn Walter mal ein Wort nicht kennt, dann hilft ein Trick aus der Volksschule. "Wir nutzen gelegentlich die ABC-Sprache, die wohl jede und jeder aus der Schule kennt. Das ist nicht so elegant wie die Gebärdensprache, aber es funktioniert."

Führungen für Gehörlose

Der Schulgarten Kagran ist nicht nur Übungsgelände für Schülerinnen und Schüler der Berufsschule für Gartenbau und Floristik. Er ist auch Heimat zahlreicher Themengärten, die interessierten Menschen die Pflanzenwelt in all deren Facetten näherbringt. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken. Und dank Walter können das auch gehörlose Menschen. Er bietet die Betriebsführungen durch den Schulgarten Kagran in Gebärdensprache an. Mit viel Liebe zum Detail erklärt er dann, wie die Pflanzen gehegt und gepflegt werden und welche Exemplare es im Schulgarten zu sehen gibt. 

Die Führungen finden unregelmäßig und nach Bedarf statt. Wer daran interessiert ist, kann sich beim Gartentelefon der Wiener Stadtgärten unter 01 4000-8042 melden.

Walters Lieblingspflanze ist die Banane. Sieht gut aus und schmeckt auch noch lecker. © Bohmann

Lieblingspflanze Banane

Unter all den Themengärten hat Walter einen klaren Favoriten: das Palmenhaus. "Das Palmenhaus ist mein Revier", sagt Walter. Hier kümmert er sich um alles. Er sorgt dafür, dass die Pflanzen gewässert werden, schneidet, topft um und erntet. Hier befinden sich die tropischen Pflanzen des Schulgartens. "Auch damit müssen sich die Schülerinnen und Schüler auskennen", sagt Walter. Das Gewächshaus ist von einem leichten Dunst durchzogen. Grund dafür ist die Nebelanlage, mit der man die Luftfeuchtigkeit hoch hält.

Walter zeigt Geweihfarne, echte Vanille, Orchideen und auch die berühmten Gummibäume. Der Baum mit den kräftigen grünen Blättern ist in Büros und Wohnzimmern gleichermaßen beliebt. Das liegt an seiner unkomplizierten Pflege, wie Walter erklärt. Seine Lieblingspflanze ist aber die Banane. "Ich liebe die Banane, weil sie eine interessante und wunderschöne Blüte hat, die sich dann in die essbaren Früchte ausbildet", sagt Walter. In der Tat findet er auf dem Bananenbaum auch eine reife Frucht, die er prompt pflückt und zur Verkostung umherreicht.

Tropisch ist es heute auch vor dem Palmenhaus. Walter stört das nicht. Als Gärtner muss man schon hitzeresistent sein und auch bei hohen Temperaturen anpacken können. Er schnappt sich eine Schubkarre und schiebt sie zu den Kolleginnen und Kollegen, die schon den morgigen Arbeitstag besprechen.

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