Ventilatoren eignen sich gut als Alternative zu Klimaanlagen und -geräten, verbrauchen weniger Energie und kühlen nicht die Luft, sondern den Körper. Katzen bevorzugen in der Regel Geräte, die nicht in Betrieb sind. © Bohmann/Christian Kisler

 

Cool ohne Klimaanlage

Wird es draußen über Gebühr heiß, schwören viele auf Klimaanlagen. Sie sorgen dafür, dass es in Büros und Wohnungen angenehm kühl ist, sind aber mitverantwortlich für den voranschreitenden Klimawandel. CLUB WIEN hat sich Alternativen angeschaut.

Die Temperaturen steigen auf 30 Grad und mehr, Büro und Wohnung heizen sich auf, Abkühlung tut Not. Nicht immer ist der Sprung in den nächsten Swimmingpool, Badeteich oder die Donau möglich. Oft sitzt man im Büro oder muss aus diversen Gründen die eigenen vier Wände hüten. Und diese heizen sich schnell auf. Ein beliebtes Mittel gegen den Hitzestau: Klimaanlagen. Während sie in Supermärkten und vielen anderen Geschäften sowie zunehmend auch in den Öffis nicht ungewöhnlich sind, finden sie sich in den letzten Jahren vermehrt auch in Privatwohnungen.

Dabei ist Vorsicht geboten. Einerseits können über diese Geräte Keime verteilt werden. Anderseits verbrauchen sie viel Strom, erwärmen die Umgebungsluft der Gebäude, in denen sie zum Einsatz kommen, und gelten als mitverantwortlich für den voranschreitenden Klimawandel. Außerdem muss vor der Installation und Inbetriebnahme einer Klimaanlage die jeweilige Vermieterin oder der jeweilige Vermieter um Erlaubnis gefragt werden. Alternativen sind also ein Gebot der Stunde - vor allem solche, die ohne großen Aufwand auch selbst angewandt werden können. Wir haben DIE UMWELTBERATUNG um einfach im Alltag umsetzbare Tipps gebeten und die Probe aufs Exempel gemacht.

Nachtluft schafft Abkühlung

Eine leichte Übung zu Beginn: Lüften. Dabei gilt: Fenster aufmachen, wenn es draußen kühl ist, Fenster schließen, wenn es draußen heiß ist. "Das Lüften während der kühlen Nachtstunden ist eine umweltfreundliche Art, die Räume kühler zu halten", erklärt Sabine Seidl von DIE UMWELTBERATUNG. "Der Innenraum kühlt am besten ab, wenn in der Nacht die Fenster weit geöffnet bleiben. Sobald es in der Früh draußen wärmer ist als drinnen, sollten die Fenster wieder geschlossen werden, um die Hitze draußen zu halten." Eine abgekühlte Wohnung nach dem Aufstehen erleichtert tatsächlich den Start in den Tag.

 

Lediglich ein Wäscheständer und nasse Hand- oder Geschirrtücher werden benötigt, um sich die Verdunstungskälte zunutze zu machen. "Werden nasse Tücher oder Wäsche im Raum aufgehängt, verdunstet das Wasser", so Seidl. "Bei der Verdunstung wird der Umgebung Wärme entzogen, der Raum kühlt dadurch etwas ab. Diese Methode funktioniert am besten an trockenen Tagen mit niedriger Luftfeuchtigkeit." Und in der Tat wird das Zimmer ein wenig kühler - angenehm!

Wenige elektrische Geräte aufdrehen

Damit es in Innenräumen nicht erst heiß wird, sollten tunlichst auch Wärmequellen vermieden werden. "Elektrische Geräte erzeugen Wärme, deswegen sollten in der heißen Zeit möglichst wenig Geräte eingeschaltet sein", sagt Sabine Seidl. "Darunter fallen alte Lampen und Fernsehapparate, Herde oder zu kalt eingestellte Kühl- und Gefriergeräte. Energieeffiziente Geräte verbrauchen hingegen weniger Strom und geben weniger Wärme ab, zum Beispiel LED-Lampen, LED-TV- oder moderne Kühlgeräte."

Doch auch am eigenen Körper kann angefangen werden, Hitze zu reduzieren. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine davon: trinken, trinken, trinken. Denn trinkt man ausreichend Wasser, kann der Körper durch Schwitzen die Temperatur sehr gut regulieren. Je nach Alter, Gewicht und Größe sollte man sich mindestens zwei Liter Wasser gönnen. "Nicht geeignet sind koffeinhaltige und alkoholische Getränke, auch zu viel Zucker vermindert die Körperregulierung", so Seidl. "Zu kalte Getränke sollten auch vermieden werden, sie bewirken den gegenteiligen Effekt: Der Kreislauf wird angeregt, um die kalte Flüssigkeit zu erwärmen, wodurch das Hitzegefühl steigt." Zu Getränken gehören auch Speisen. Diese sollten möglichst leicht ausfallen, denn kalorienarme Kost mit hohem Wassergehalt hilft dem Körper bei der Temperaturreglung. Dazu zählen frisches Obst und Gemüse, fettarmes Joghurt, klare Suppen und Salate.

Luftige, helle Bekleidung

Was Kleidung anbelangt, so fährt man bei hohen Temperaturen mit eng anliegenden, dunklen Teilen weniger gut. Besser ist luftige, helle Bekleidung aus Baumwollstoffen oder anderen Naturfasern. Sie lässt unseren Körper besser atmen, als wenn wir Kunststoffkleidung tragen. Haben wir uns schon zurechtgemacht, können wir uns auch in der Freizeit runterkühlen und schattige, kühle Orte aufsuchen: Museen, Wälder, große Parks und Gewässer. Und: Nach einem erfrischenden Bad oder einer lauwarmen Dusche fühlt man sich am heißesten Tag wieder wie neugeboren.

Mit Wasser kann man sich prinzipiell auf vielerlei Art und Weise erfrischen. Nicht nur in Form eines Getränks oder einer Dusche sorgt das kostbare Nass bei Hitze für Erleichterung, weiß Sabine Seidl: "Kalte Fußbäder oder das Eintauchen der Armbeugen in kaltes Wasser tragen zur Entlastung des Kreislaufs bei und verbessern das persönliche Wohlbefinden. Schläfen und Nacken können durch das Benetzen mit kaltem Wasser oder das Auflegen nasser Tücher gekühlt werden." So kann man auch bei großer Hitze entspannt ein Buch lesen.

Verdunkeln und begrünen

Ebenfalls einfach handzuhaben und effizient: Verdunkeln. Also Jalousien oder Rollos runterlassen, so kann das einstrahlende Sonnenlicht nicht den jeweiligen Raum erhitzen. "Außen liegende Verschattung erzielt eine bessere Wirkung als Innenjalousien", so Seidl. "Bewegliche Rollläden, Markisen und Fensterläden oder fixe Bauelemente halten die Hitze draußen. Die Sonnenstrahlen werden von den Glasflächen abgeschirmt und die Wärme gelangt nicht ins Gebäude." Diese Varianten sind zwar kostspieliger als Jalousien oder Rollos, werden aber von der Stadt Wien gefördert. Mehr dazu finden Sie hier.

Auch gefördert werden übrigens Fassaden-, Dach- und Innenhofbegrünungen. Alle Möglichkeiten dazu hat DIE UMWELTBERATUNG hier zusammengefasst. Aus gutem Grund, wie Sabine Seidl weiß: "Pflanzen tragen wesentlich zur Reduzierung der sommerlichen Überwärmung bei. An der richtigen Stelle gepflanzte Bäume oder Sträucher beschatten die Glasflächen im Sommer. Begrünte Fassaden oder Dachflächen wirken durch das Verdunstungsprinzip kühlend auf die Oberflächen."

Ventilator statt Klimaanlage

Wenn die Hitze bereits im Raum steht und auf Klimaanlagen und -geräte verzichtet werden soll, sind Ventilatoren eine energiesparende Alternative. "Sie kühlen nicht die Luft, sondern durch den Verdunstungseffekt den Körper und verbrauchen nur einen Bruchteil der Energie, die ein Klimagerät verschlingt", erklärt Sabine Seidl. Das kann man im Selbstversuch nur bestätigen. So wird der Sommer richtig cool.