Raus aus dem Ständer und ab auf den Drahtesel: Citybikes sind kostengünstig, umweltfreundlich und herrlich unkompliziert. © Bohmann

 

Das Comeback der Wiener Citybikes

Dank der Wiener Linien können auch Menschen ohne eigenes Rad wieder in die Pedale treten. Die Citybikes sind wieder da! Seit Ende August sind alle 121 Stationen wieder nutzbar. CLUB WIEN hat die klimafreundlichen Citybikes getestet.

Viele Citybike-Fans sind Anfang des Sommers kurz erschrocken. Das erfolgreiche Leihradsystem wurde teilweise gesperrt. Der Ausfall war aber nur von kurzer Dauer. Die Wiener Linien haben alle 121 Citybike-Stationen übernommen und schon jetzt sind alle wieder voll im Einsatz und uneingeschränkt nutzbar.

Die Citybikes sind ein internationales Erfolgsmodell, das von Städten wie Paris und Sevilla übernommen wurde. In Wien gibt’s das Rad-Sharing-Modell seit 2003, bis heute verzeichnet man eine halbe Million registrierte Nutzerinnen und Nutzer, denen man so zehn Millionen Fahrten ermöglicht hat.

Einfach online registrieren

Jede dieser zehn Millionen Fahrten begann mit einer Anmeldung. Wir haben zwei Optionen: Entweder registriert man sich direkt bei einer Citybike-Station oder man macht es online auf der Citybike-Homepage. Wir entscheiden uns für die digitale Variante und werden nicht enttäuscht. Das Prozedere ist minimal, wir geben unsere persönlichen Daten ein, suchen einen Benutzernamen und ein Passwort aus und wählen eine Karte aus. Hier gibt’s drei Varianten. Entweder man Bankomatkarte, Kreditkarte oder man beantragt eine Citybike-Karte. In dem Fall müssen wir die Kontoverbindung hinterlegen. Wir entscheiden uns für die Bankomatkarte, da die Citybike-Karte per Post geschickt wird und wir heute schon Lust auf Drahtesel-Action haben. Die Registrierung wird vor Ort abgeschlossen.

Das Citybike ist nicht nur umweltfreundlich und gesund. Es ist auch sehr preiswert. Die erste Stunde ist überhaupt gratis, die zweite kostet einen Euro, die dritte zwei, jede weitere Stunde kostet dann vier Euro.

 

Auf den Drahtesel

Bleibt nur noch eines: radeln! Dank der App WienMobil kann man direkt auf dem Smartphone checken, in welcher Station es verfügbare Räder gibt. In unserem Fall wäre das die Station Traisengasse. Tatsächlich sind noch einige Citybikes verfügbar. Das Entlehnen ist ebenso einfach wie das Registrieren. Zuerst vollenden wir die Registrierung. Wir schieben die Karte in den Kartenleser, der sich direkt unter dem Bildschirm des Terminals der Station befindet, und folgen einfach den Anweisungen, geben Passwort und Benutzernamen ein und das war es auch schon. Jetzt werden die verfügbaren Bikes angezeigt. Wir schauen uns das nächste Bike kurz an, überprüfen die Luft im Reifen und leihen es dann aus. An der Bikebox müssen wir nur noch den grünen Knopf drücken und das Rad wird mit einem lauten Klack freigegeben.

Über Geschmack kann man bekanntlich streiten. Wir finden die Citybikes nicht nur optisch ansprechend, sondern auch praktisch. Vor allem der Korb hat es uns angetan. Dadurch ist es nämlich ein Leichtes, das Citybike für Besorgungen zu nutzen. So könnten wir zum Beispiel zum Handelskai fahren, das Bike dort in die Box stellen und in der Millennium City shoppen.

Die Citybikes sind aber auch eine Top-Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Würde es uns eiligst in die Stadt ziehen, könnten wir mit dem Rad bis zur Vorgartenstraße fahren, dieses dort abstellen und mit der U1 in wenigen Minuten zum Stephansplatz düsen. Da wir, trotz mangelhafter Ausdauer, für die kurze Strecke keine Stunde brauchen, wäre das sogar völlig kostenlos.

Ab zur Donauinsel

Uns steht der Sinn aber eher nach einem kleinen Radausflug. Wir fahren also auf die nahe gelegene Donauinsel, eines der vielen Radparadiese in Wien. Zwischen Halbprofis in Radlerhose und Familien auf Moutainbikes machen auch unsere Leihräder gute Figur. Schwungvoll fahren wir über die Brigittenauer Brücke und dann Richtung Floridsdorfer Wasserpark. Und wir sind nicht die Einzigen. Unterwegs sehen wir mehrere Citybike-Kolleginnen und -Kollegen. Mit den Leihrädern lässt sich das feine Spätsommerwetter stressfrei genießen. Als wir dann nach knapp zwei Stunden genug haben, radeln wir einfach retour und geben das Bike wieder ab.

Die Rückgabe ist, sofern das geht, noch leichter als das Entlehnen. Wir schieben das Citybike einfach in die Box, warten, bis das grüne Licht aufleuchtet - und voilà, das Rad ist ordentlich versperrt, unsere Fahrt ist erfasst. Wir waren insgesamt fast zwei Stunden unterwegs, also wird einfach ein Euro vom Konto abgebucht. Ein feiner Preis für einen tollen Radfahrnachmittag in Wien und sowohl billiger als auch simpler als die Anschaffung eines eigenen Fahrrads.

Fazit: Gesund ist es, umweltfreundlich ist es und auch billiger als Auto und Öffis. Die Leihräder der Wiener Linien muss man einfach mögen. Und das Beste kommt erst noch: Ab 2022 werden die Wiener Linien das bestehende Netz auch über der Donau und in den Außenbezirken ausbauen.