Am Schafberg kann man sich im Rahmen von CITY NATURE der Wiesenpflege widmen und dabei Wissenswertes über Flora und Fauna erfahren - mit Blick über Wien. © J. Mikocki

 

Zwei Städte für mehr natürliche Vielfalt

Mit mehr Umweltbildung das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt stärken und die Bevölkerung aktiv einbinden. Das ist das Ziel von CITY NATURE. Das Besondere daran: Bei dem Projekt machen Wien und Bratislava gemeinsame Sache.

Das naturbelassene, wilde Eck im Garten, auf der Terrasse oder am Balkon als Wohnstätte für Insekten, Vögel sowie andere Bewohner der urbanen Wildnis. Ein insektenfreundliches Balkonkisterl als Blühfläche, eine Nisthilfe für Wildbienen. Ein Dachboden, der so gestaltet ist, dass er auch Fledermäusen ein Zuhause bietet. Kleingewässer wie etwa ein Teich im Garten für Libellen und Co. Oder aber Beleuchtung, die nicht schädlich für Insekten ist. Die Wellenlänge von warm-weißen LED-Lampen ist nämlich für die meisten der kleinen Tierchen weniger sichtbar und verbraucht darüber hinaus weniger Strom.

Man sieht: Jede und jeder Einzelne kann mit relativ wenig Aufwand dafür sorgen, dass die Natur und ihre Vielfalt auch mitten in der Großstadt erhalten bleiben kann. Das zu fördern, hat sich das Projekt CITY NATURE zur Aufgabe gemacht. Die oben genannten Beispiele gehören zu 15 vorgeschlagenen Möglichkeiten, wie sich Stadtbewohnerinnen und -bewohner persönlich einbringen können. "Das Hauptziel von City Nature ist eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Artenschutz und Lebensraumschutz", erklärt Projektkoordinator Manfred Pendl, vom daran beteiligten Stadt Wien - Umweltschutz. "Dazu werden zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen angeboten. Die Einbindung von Freiwilligen und Interessierten in Exkursionen, Wiesenpflege und Beobachtung nimmt eine zentrale Rolle ein. Ganz nach dem Motto: 'Man schützt nur das, was man auch kennt!'"

Ähnliche Flora und Fauna

In Angriff genommen wird das Vorhaben gemeinsam mit der Forstverwaltung Bratislava und Daphne, dem slowakischen Institut für angewandte Ökologie. Durchgeführt wird das Projekt im Rahmen des Interreg SK-AT-Kooperationsprogramms, das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert wird. Laufen wird CITY NATURE bis Dezember 2021. Dass man Bratislava als Partnerstadt gewählt hat, liegt daran, dass Flora und Fauna, aber auch die urbane Dynamik der beiden Städte sehr ähnlich sind. Die Nähe der beiden Metropolen zueinander war ein weiterer, nicht unwesentlicher Aspekt. Außerdem gab es mit UrbanNature bereits zuvor eine Interreg-Kooperation zwischen Bratislava und dem Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien (MA 49). Das funktionierte so gut, dass man zwischen den beiden Städten ein weiteres überregionales Projekt im Umweltbereich anging.

 

Selbstverständlich werden im Rahmen von CITY NATURE gemeinsame städteübergreifende Ansätze verfolgt. "In beiden Städten werden Mehlschwalben, Fledermäuse, Tagfalter, Heuschrecken und Pflanzen einem Monitoring unterzogen. Und in beiden Städten versucht man, durch Wiesenpflegemaßnahmen die Biodiversität, also die natürliche Vielfalt, zu erhöhen", so Pendl. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten konnten sich Interessierte bei einem der Termine etwa der Pflege der Wildpflanzen auf den Steinhofgründen widmen und gleichzeitig im Mähen mit der Sense geschult werden. Außerdem werden Exkursionen geboten, bei denen Laien Schmetterlinge, Heuschrecken und diverse Pflanzen auf der Schafbergwiese oder den Eiserne-Hand-Wiesen kennenlernen können. Alle Termine dazu finden Sie hier.

Wanderausstellung an sechs Standorten

Freilich gibt es auch Teile des Projekts, die nur in der österreichischen beziehungsweise nur in der slowakischen Hauptstadt stattfinden. "Nur in Wien wird es eine Wanderausstellung mit dem Thema 'Stadtentwicklung und Naturschutz' an sechs Standorten geben. In Bratislava wiederum hat der Bau eines Umweltbildungszentrums, des 'Infocentrum Kamzík', höchste Priorität. Es ist auch ein Wissenstransfer mit Umweltbildungseinrichtungen in Wien geplant, etwa dem Nationalparkhaus Lobau oder der Waldschule Ottakring."

Sich als Wienerin oder Wiener bei CITY NATURE einzubringen, ist laut Manfred Pendl ein Leichtes: "Am besten an den Terminen teilnehmen, die Ausstellung im Herbst verfolgen, die Homepage regelmäßig nach Neuigkeiten durchforsten und aktives ökologisches, insektenfreundliches Verhalten umsetzen. Das beginnt bei der eigenen ökologischen Pflege im Garten, dem Initiieren von Insekteninseln und reicht bis zum täglichen Einkauf von nachhaltigen, ökologischen Produkten aus reich strukturierten Landschaften."

Natur- und Artenschutz näherbringen

In welchem Ausmaß CITY NATURE von Erfolg gekrönt sein wird, lässt sich hingegen weniger einfach beantworten: "Das Umdenken in der Bevölkerung ist schwer messbar. Wir hoffen natürlich, dass wir über die zahlreichen Aktivitäten vielen Menschen Natur- und Artenschutz etwas näherbringen können. So gesehen kann das Ziel nicht hoch genug gesteckt sein. Wenn sich nachweislich künftig mehr Menschen bei Naturexkursionen oder Wiesenpflege-Aktivitäten anmelden, hat CITY NATURE Wirkung gezeigt."