Die Wanderausstellung im Rahmen des Biodiversitätsprojekts CITY NATURE ist zuerst auf dem Rathausplatz zu sehen. Ab Jänner 2021 widmet sie sich an fünf weiteren Orten in Wien dem Zusammenspiel von Stadtplanung und Artenschutz. © MA 22/Christian Houdek

 

Stadtplanung für Bienen und Fledermäuse

Eine neue Wanderausstellung der Wiener Umweltschutzabteilung widmet sich dem Zusammenwirken von Stadtplanung und Artenschutz. Dafür verantwortlich ist das interregionale Biodiversitätsprojekt CITY NATURE. CLUB WIEN stellt die Schau vor.

Dass die Natur und ihre Vielfalt auch mitten in einer Großstadt wie Wien erhalten bleiben kann, dafür kann jede und jeder Einzelne mit relativ wenig Aufwand sorgen. Das kann ein naturbelassenes, wildes Eck im Garten, auf der Terrasse oder am Balkon sein oder aber ein insektenfreundliches Balkonkisterl als Blühfläche, eine Nisthilfe für Wildbienen, ein Dachboden, der so gestaltet ist, dass er auch Fledermäusen ein Zuhause bietet. Wege zum Naturschutz gibt es viele. Sie alle zu fördern, hat sich das Projekt CITY NATURE zur Aufgabe gemacht. Dabei werden online 15 Möglichkeiten vorgeschlagen, wie sich Stadtbewohnerinnen und -bewohner persönlich einbringen können. Und das interregional, also im Zusammenspiel mit einer Stadt, die sich nicht in Österreich befindet: Bratislava.

"Das Hauptziel von CITY NATURE ist eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Artenschutz und Lebensraumschutz", erklärt Barbara Reinwein von der daran beteiligten Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22). Für gewöhnlich werden dazu Exkursionen, gemeinsame Wiesenpflege sowie Beobachtungen von Wildtieren und Insekten als zentrales Element angeboten. "Ganz nach dem Motto: 'Man schützt nur das, was man auch kennt!'" Diese finden derzeit sowohl jahreszeiten- also auch coronabedingt nicht statt.

Stadtplanung und Artenschutz in der Stadt

Dafür geht bald eine neue Wanderausstellung auf Tour. Zurzeit ist sie noch, je nach Witterung, bis etwa Mitte November auf dem Wiener Rathausplatz gleich beim Universitätsring zu sehen. Ab dem Frühjahr 2021 wird sie durch Wien unterwegs sein und ist an fünf weiteren Orten mit verschiedenen Stadtentwicklungsprojekten zu besuchen. Damit sind wir auch schon beim Thema der Freiluftschau. Neben der Vorstellung von CITY NATURE widmet sie sich dem Zusammenwirken von Stadtplanung und Artenschutz in der Stadt. Auch hier wird die Verbindung zwischen Wien und Bratislava betont, etwa das Band der Donau-Auen und die Vorzüge einer grenzüberschreitenden gemeinsamen Region. Dabei wird auf eines aufmerksam gemacht: Stadtplanung und Natur- sowie Artenschutz wirken zusammen. Und ein weiterer Umstand wird herausgestrichen: Wien ist zwar eine stetig wachsende Stadt, zum Ziel gesetzt wurde aber, dass mindestens die Hälfte des Stadtgebiets grün bleiben soll.

"Wien verbinden die meisten mit Kultur, wunderschöner alter Architektur und Musik. Doch auch die hohe Artenvielfalt zeichnet unsere Stadt aus, immerhin sind hier über 800 verschiedene geschützte Tier- und Pflanzenarten heimisch", sagt Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der MA 22. "Damit das auch so bleibt, ist es wichtig, die unterschiedlichsten Lebensräume zu erhalten und neue zu schaffen." Die Ausstellung zeigt, wie der begrenzte Raum in der Stadt für Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen lebenswert gestaltet werden kann. So zeigt sich, dass das im Grätzl ebenso zu bewältigen ist wie in der Stadt oder der ganzen Region. Die sich daraus entwickelnde Stadtplanung geschieht selbstverständlich unter Einhaltung des Wiener Naturschutzgesetzes und aller anderen Bestimmungen. Beteiligt sind sämtliche betroffenen Fachdienststellen der Stadt.

Sprechende Überschriften

In Bild, Text und Videos werden in der CITY-NATURE-Ausstellung Möglichkeiten erläutert, wie Natur und betroffene Arten in Einklang einer sich ausdehnenden Stadt geschützt werden können. Die Themenkomplexe tragen Überschriften wie "Verkehrsplanung für Zauneidechsen", "Stadtwachstum für Natternköpfe", "Straßenbeleuchtung für Nachtfalter", "Siedlungsentwicklung für Weißbrustigel" und "Wohnbau für Fledermäuse". So wird Neugierde geschürt, wie sich jede und jeder Einzelne dem Naturschutz und der Artenpflege widmen kann. Gleichzeitig sprechen die Titel für sich und lotsen die Besucherinnen und Besucher gezielt zur entsprechenden Thementafel. Wer sich nicht bis Mitte November die Ausstellung anschauen kann und nicht bis Jänner warten will, kann sie auch online besuchen. Auch hier gibt es alle Infos, freilich ohne das Ambiente einer Freiluftschau.