Entlang der Donau wird im Rahmen verschiedener EU-Programme grenzüberschreitend und länderübergreifend geforscht. © BOKU

 

Länderübergreifendes Forschen an der Donau

DREAM SK-AT, SEDDON oder SEDECO: Sie alle sind von der EU geförderte, grenzüberschreitende Kooperationsprogramme mit Beteiligung der Stadt Wien. Im Fokus stehen dabei gemeinsames Forschen an der Donau und die Errichtung eines Wasserbaulabors in Wien.

Wien ist weit über seine Stadtgrenzen hinaus äußerst umtriebig. Über die Abteilung für Europäische Angelegenheiten (MA 27) ist die Stadt an verschiedenen grenzüberschreitenden Programmen innerhalb der EU beteiligt. Sie sind unter der Dachmarke INTERREG A zusammengefasst und auch unter CBC Wien zu finden, kurz für "cross border cooperation", auf Deutsch "länderübergreifende Zusammenarbeit". Eines dieser Projekte befasst sich eingehend mit Wasser, genau genommen mit Flüssen wie der Donau und der Thaya. DREAM (Danube River Research and Management, Deutsch: Donau-Flussforschung und -management) ist dabei ein Vorzeigeprojekt der EU-Donauraumstrategie.

Unter seinem Schirm soll unter anderem die Infrastruktur für eine Reihe von Forschungsthemen bereitgestellt werden. So sollen nachhaltige Kooperationen mit Forschungseinrichtungen in Ungarn, der Slowakei und Tschechien verwirklicht werden. Dazu gehören etwa Sedimentforschung gemeinsam mit Ungarn oder Wissenstransfer mit der Slowakei und Tschechien. Flussforschung und Gewässermanagement entlang der Donau in der Slowakei und in Österreich wird im Rahmen von DREAM SK-AT betrieben, einem der DREAM untergeordneten Projekte.

Modellversuche im Originalmaßstab

Dessen Kernstück ist ein geplantes Wasserbaulabor der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) am Brigittenauer Sporn, das von verschiedenen Projekten genutzt werden soll. Es ermöglicht erstmals Modellversuche im Originalmaßstab, also eins zu eins. Das ist nicht unwichtig, denn je größer der Modellmaßstab ist, desto wirklichkeitsnähere Ergebnisse sind zu erwarten. Schließlich sind viele Zusammenhänge zwischen dem Transport von Wasser und Feststoffen, der Beschaffenheit von Flüssen, der Ökologie und den Auswirkungen von flussbaulichen Maßnahmen nach wie vor unklar.

 

Besonders ist das Wiener Wasserlabor auch deshalb, da zwischen dem Stauraum Freudenau und dem Donaukanal eine Wasserspiegeldifferenz von etwa drei Metern besteht. Und diese ermöglicht, einen Durchfluss von zehn Kubikmetern Wasser pro Sekunde zu erzielen - eine gewaltige Menge. Somit wird Wasser aus der Donau entnommen und in den Donaukanal abgegeben. Ein derartig großer Durchfluss ohne Pumpen in einem Modellgerinne ist weltweit einzigartig. Prozesse in Flüssen sollen so besser untersucht werden können. Genauere Vorhersagen über Hochwasser-Gefahren, Verbesserungen bei der Schifffahrt, bei Wasserkraftwerken, beim Hochwasserschutz und beim Umweltschutz, aber auch bei der Energiewirtschaft sind dadurch möglich.

Gegenseitiger Wissensaustausch

Parallel dazu betreibt in der Slowakei das VÚVH, das 1951 gegründete Institut für Wasserforschung, ebenfalls ein Wasserbaulabor. Dieses und das ÚKE SAV, das slowakische Labor für angewandte Geoinformatik und Fernerkundung, werden modernisiert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Gepflegt wird im Rahmen von DREAM SK-AT auch ein enger Austausch von Studentinnen und Studenten, Doktorandinnen und Doktoranden sowie Lehrenden zwischen BOKU, VÚVH und ÚKE SAV. Forschungseinrichtungen auf beiden Seiten sollen für gemeinsame Lehr- und Forschungsaktivitäten genutzt werden können. Das soll auch über die Laufzeit des Projekts hinaus, von April 2014 bis Dezember 2020, passieren. Fertiggestellt und in Betrieb genommen werden soll das Wiener Wasserbaulabor Ende 2020. Es wird dann 100 Meter lang und 25 Meter breit sein. Kofinanziert wird es gleich von vier parallel laufenden EU-Projekten: eines im nationalen EU-Förderprogramm und drei davon in den drei grenzüberschreitenden EU-Programmen mit der Slowakei, Ungarn und Tschechien: RRMC, DREAM SK-AT, SEDDON II und SEDECO.

Flüsse kennen keine Grenzen

Der Hauptfokus von SEDECO liegt dabei auf Flussmanagement im tschechisch-österreichischen Donaueinzugsgebiet. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter beschäftigen sich mit Möglichkeiten, sowohl Dürre als auch Hochwasser entlang der Thaya zu verringern. Dieser zum Donausystem gehörende Fluss bildet die Grenze zwischen den beiden Nachbarländern und wird von beiden genutzt: zur Erholung, zur Energieproduktion, zur Fischerei. Das kann freilich negative Folgen nach sich ziehen, etwa die Bildung von unerwünschten Kanälen oder die Abtrennung von Überflutungsflächen. Sedimente werden dabei nicht mehr so transportiert, wie sie sollten, und so kann etwa die Hochwassergefahr steigen. Im Rahmen von SEDECO wird nun eine Strategie entwickelt, um diese Risiken zu unterbinden. Auch hier spielt das Wasserbaulabor als Forschungsanstalt eine tragende Rolle.

SEDDON II wiederum legt sein Hauptaugenmerk auf Sedimentmanagement im österreichisch-ungarischen Donauabschnitt. Im Rahmen des Projekts wird ein gemeinsames österreichisch-ungarisches System zur Beobachtung und Bearbeitung angewandt. Neue Messstationen werden im ungarischen Abschnitt der Donau errichtet. Schließlich beachten Flüsse und alles, was sich in ihnen tummelt - vom Fisch bis hin zum Gesteinsmaterial -, keine Grenzen. Nicht zuletzt deshalb ist gerade in Grenzregionen die Zusammenarbeit der jeweiligen Nachbarländer unabdingbar.

Wissen für ExpertInnen aus aller Welt

Im Vorgängerprojekt SEDDON wurden Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet, die jetzt Stück für Stück in die Tat umgesetzt werden. Dazu gehören verbesserte Lebensräume für Fische genauso wie neue Maßnahmen im Bereich der Schifffahrt. Eine Möglichkeit sind niedrigere Buhnen, also rechtwinkelig vom Ufer zur Flussmitte hin errichtete Dämme. Sie sorgen bei seichtem Gewässer für höhere Wassertiefen und mehr Sicherheit. Letzten Endes wird auch hier auf das Wasserbaulabor am Brigittenauer Sporn zurückgegriffen werden. Auf die neu gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse können dann Expertinnen und Experten aus aller Welt und den verschiedensten Bereichen zurückgreifen: Navigation, Hochwasserrisikomanagement, Ökologie, Wasserkraft oder Trinkwasserversorgung. Schließlich wird sie eine innovative Forschungsstätte von internationaler Bedeutung sein, wenn sie fertiggestellt ist. Mitten in Wien.