Im länderübergreifenden Zentrum wird gemeinsam in Sachen Mechanobiologie in der Regenerativen Medizin geforscht. Zu sehen ist die Gewebefärbung einer Titanschraube in einem Kieferknochen. © Karl Donath Labor

 

Grenzüberschreitende Wege zur Selbstheilung des Körpers

In der österreichisch-tschechischen Grenzregion machen mehrere Forschungsinstitute gemeinsame Sache. Im Kompetenzzentrum MechanoBiologie beschäftigt man sich mit Regenerativer Medizin und damit, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu nützen.

Wien liegt im Herzen Europas, da drängen sich Arbeitsgemeinschaften, die über die Grenzen Österreichs hinausgehen, förmlich auf. Dabei berät und unterstützt die Stadt Wien über die Abteilung für Europäische Angelegenheiten (MA 27) bei der Umsetzung von länderübergreifenden Projekten. Die Finanzierung erfolgt dann aus den grenzüberschreitenden EU-Förderprogrammen zwischen Österreich und seinen Nachbarländern: Ungarn, Tschechien und die Slowakei. Gefördert werden die unterschiedlichsten Themen. Dazu gehört auch das weite Feld der Medizin.

So ist das Kompetenzzentrum MechanoBiologie in der österreichisch-tschechischen Grenzregion ins Leben gerufen worden. Es ist ein Zusammenschluss aus sechs Forschungsinstituten, jeweils drei in Österreich und Tschechien. Ziel ist, gemeinsame Forschungstätigkeit zu verbessern und zu intensivieren. Die Institute in diesem Bereich arbeiteten zwar sowohl in Österreich als auch in Tschechien schon bisher auf höchstem Niveau, deren jeweilige Anzahl ist aber nach wie vor sehr gering. Ein grenzüberschreitender Zusammenschluss ermöglicht nun die Lösung komplexer Probleme in diesem speziellen Bereich der Medizin.

Ersatz für teure Langzeittherapien

Woran wird aber im Kompetenzzentrum MechanoBiologie geforscht und gearbeitet? Dem Namen getreu widmet man sich hier der Mechanobiologie in der Regenerativen Medizin. Dieses relativ neue Feld der Biomedizin befasst sich mit der Behandlung verschiedener Erkrankungen durch die Wiederherstellung funktionsgestörter Zellen, Gewebe und Organe. Es geht also um die Unterstützung der Selbstheilungskräfte des Körpers.

Dabei wird der Frage nachgegangen, wie mechanische Krafteinwirkung auf Gewebe, etwa Druck oder Zugkraft, in ein biochemisches Signal innerhalb der Zellen umgewandelt wird. Das führt zu weiteren Fragen: Ist der Erfolg von Geweberegeneration, etwa Knochenheilung nach Unfällen, davon abhängig, wann und wie stark der Knochen wieder belastet werden beziehungsweise wie stark wieder Kraft auf den Knochen ausgeübt werden kann? Wenn ja, kann dieses Wissen dazu verwendet werden, um neue Therapien zu entwickeln und bestehende Therapien zu verbessern? Durch Regenerative Medizin sollen schließlich teure Langzeittherapien mit Medikamenten oder mehrfache chirurgische Eingriffe ersetzt werden.

 

Alternde Gesellschaft

Tatsächlich handelt es sich dabei um ein aktuelles Problem aus der Praxis - schließlich leben wir in einer alternden Gesellschaft. Das stellt Forscherinnen und Forscher, Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten vor neue Herausforderungen. Denn gewünscht ist zunehmend eine vollständige Heilung von verletztem Gewebe: nach Unfällen, chirurgischen Eingriffen oder aufgrund von Krankheiten. Bisher gab es weder auf österreichischer noch auf tschechischer Seite ein Institut mit entsprechendem Forschungsschwerpunkt. Auch deshalb wurde das Kompetenzzentrum für MechanoBiologie aus der Taufe gehoben.

Im Alltag sieht das so aus, dass in regelmäßigen Abständen Meetings abgehalten werden, um aktuelle Forschungsergebnisse zu diskutieren. Außerdem können die Wissenschafterinnen und Wissenschafter nun wesentlich einfacher auf Materialien und Methoden der jeweiligen Institute zurückgreifen. Zusätzlich statten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den jeweils anderen Partnerinstitutionen des Kompetenzzentrums immer wieder Besuche ab.

Erfolgsgeschichte Kompetenzzentrum MechanoBiologie

In Wien sind die Ludwig Boltzmann Gesellschaft sowie die TU Wien beteiligt, Hauptakteurin auf österreichischer Seite ist die Donau-Universität Krems. In unserem Nachbarland bringen sich die Südböhmische Universität, das Institut für Theoretische und Angewandte Mechanik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften sowie das St. Annas Universitätsspital ein. Zustande kommen konnte das Kompetenzzentrum MechanoBiologie über die Regionalförderung von INTERREG V-A Österreich-Tschechische Republik, einem Programm der EU. Zu finden sind dieses und weitere für Wien relevante Projekte unter CBC.Wien, kurz für "cross border cooperation", auf Deutsch "grenzüberschreitende Zusammenarbeit".

Das Kompetenzzentrum MechanoBiologie ist schon jetzt eine Erfolgsgeschichte. Die an den Instituten durchgeführte Forschungsarbeit konnte maßgeblich von der grenzüberschreitenden Kooperation profitieren. Erste wissenschaftliche Erkenntnisse konnten bereits in mehreren gemeinsamen Studien veröffentlicht werden. Das wäre ohne die Regionalförderung des INTERREG-Programms unmöglich gewesen. Weitere Publikationen sind in Planung. Darüber hinaus sind schon Vorbereitungen für Kollaborationsverträge im Gange. Die Zeichen stehen also gut, dass eine Zusammenarbeit nach Beendigung der Regionalförderung 2020 weitergeführt wird.