Carambol ist die klassische Wiener Billard-Variante. © iStockphoto

Carambol: Billard auf Wienerisch

Billard hat eine lange Tradition in Wien. Allerdings nicht das heute sehr beliebte Poolbillard, sondern Carambol. Die Tische ohne Löcher sind so wienerisch wie das Kaffeehaus. Wir haben die Wiener Billardlegende Heinrich Weingartner besucht.

Löcher in den Tischen gibt's hier nicht. Im Café Weingartner spielt man ausschließlich Carambol, die Billardvariante ohne sogenannte Taschen. Heinrich Weingartner ist fünfzehnfacher Staatsmeister und führt auch ein beliebtes Fachgeschäft, ein Billardmuseum und eine Billardschule. Kurzum: Er ist eine echte Wiener Billardikone. Auch in der Schule gibt's nur Carambol zu lernen. Das Spiel ist die klassischste aller Billardvarianten und einst spielte man an der Donau quasi nur dieses Spiel. In den Kaffeehäusern kamen Dutzende bis sogar Hunderte zusammen, um dabei zu sein.

Jahrelange Übung erforderlich

Heute ist meist Poolbillard bekannter und beliebter. Der Grund dafür ist schnell erklärt: "Poolbillard ist für mich ein uramerikanisches Spiel. Es liefert mit dem Lochen schnelle Erfolge, während man beim Carambol Geduld und sehr viel Training braucht, um halbwegs gut zu spielen." Carambol erfordert Präzision. Es gibt keine Löcher und nur drei Bälle: ein roter, ein weißer und ein gelber. Eine Kontrahentin oder ein Kontrahent hat den weißen als Spielball, eine oder einer den gelben. Ziel ist, mit einem Stoß die beiden anderen Bälle zu treffen. Schafft man das, nennt sich das Carambolage und es gibt einen Punkt dafür. Im Allgemeinen spielt man auf eine ausgemachte Punktzahl, zum Beispiel 100. Wenn man so will, ist dieses Billardspiel auf das Wesentlichste und Schwerste reduziert: die Genauigkeit.

Durchhaltevermögen ist gefragt

Heinrich Weingartner übertreibt nicht: Wer Carambol halbwegs meistern will, braucht Jahre. Schon beim Anstoß ist es uns unmöglich, beide Kugeln anzuspielen. Es zu schaffen, nach einer Carambolage so zu stellen, dass man noch eine spielen kann, grenzt an Kunst. Heinrich Weingartner, mittlerweile 75 Jahre alt, schafft es, Serien mit mehreren Carambolagen, manchmal Dutzenden, aufzubauen. Für uns Laien sind sogar drei nacheinander absolut utopisch. Machtlos müssen wir feststellen, dass wir keinerlei Kontrolle über die Kugeln haben. "Frustration am Anfang ist ganz normal", erzählt uns Weingartner mit dem endlosen Verständnis des erfahrenen Lehrers. Für ihn ist das auch das Schöne am Spiel: Man kann nicht einfach mal hingehen und drauflosspielen. Man muss sich jeden Erfolg hart verdienen.

Ein Wiener Original

Über das Carambolspiel weiß Weingartner alles. Er hat mehrere Bücher zum Thema Billard verfasst und war auch Präsident des Österreichischen Billardverbands. Mit dem Wiener Billard ist er seit sechs Jahrzehnten untrennbar verbunden. Carambol ist und bleibt das wienerischste aller Billardspiele. Kaum ein Kaffeehaus gab es früher ohne einen Tisch. Seinerzeit war der Billardtisch ebenso typisch für das klassische Wiener Kaffeehaus wie Menschen, die stundenlang an einer Melange nuckelten, das Sacherwürsterl oder die frechen Kellner.

Keine Frage, Billard ist aus den meisten Kaffeehäusern verschwunden. Stattdessen wird vermehrt Pool in Pubs oder in kommerziellen und modernen Billardlokalen gespielt, wo es nur selten Caramboltische gibt. Doch um ein Aussterben dieser Wiener Tradition muss man sich noch keine Sorgen machen. Solange Menschen wie Heinrich Weingartner und Lokale wie das Café Weingartner Liebhaberinnen und Liebhabern ein Zuhause geben, so lange wird es Carambolagen auch in Wien geben.

Carambol ist die wohl wienerischste aller Billard-Varianten. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

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