Bei wien dings, der Bücherei der Dinge, kann man Bongotrommeln, ein Mikroskop oder ein Skateboard sowie ein Buch entlehnen. © Bohmann

 

Kamera, Akkuschrauber und Skateboard in der Bücherei

Bongotrommeln, Kameras, Akkuschrauber oder Skateboards in der Bücherei: Das ist ungewöhnlich - zumal sie dort nicht vergessen wurden, sondern ausgeborgt werden können. Im 15. Bezirk hat unter dem Namen wien dings die erste Bücherei der Dinge eröffnet.

Bücher, DVDs und CDs sind in einer von den Büchereien Wien geführten Bibliothek kein ungewöhnlicher Anblick, im Gegenteil. Was in der Bücherei Schwendermarkt im 15. Wiener Gemeindebezirk über das gewohnte Mediensortiment hinaus geboten wird, sorgt aber für Überraschung. In einem herkömmlichen Spind sind Gegenstände untergebracht, die man hier nicht vermuten würde. Dazu zählen etwa Tennisschläger, ein Playstation-Controller, eine Sofortbildkamera oder ein Akkuschrauber. Bongotrommeln, ein Mikroskop-Set, ein 20-Meter-Maßband oder ein Chiplesegerät für Haustiere gesucht? Auch diesbezüglich wird man hier fündig.

 

Gegenstände aus Magistratsabteilungen

Hier in Rudolfsheim-Fünfhaus befindet sich mit wien dings Wiens erste Bücherei der Dinge, international "Library of Things" genannt. "Die Library of Things gibt es vor allem im angloamerikanischen und skandinavischen Raum bereits in unterschiedlichen Varianten", erklärt Christian Schneider, Leiter der Bücherei Schwendermarkt. "Also haben wir uns mit wien dings eine Wiener Variante überlegt." Das Besondere daran: Sämtliche Gegenstände stammen aus verschiedenen Magistratsabteilungen der Stadt Wien. Die zur Verfügung gestellten Dinge sollten dabei das jeweilige Ressort widerspiegeln. Die Wiener Volkshochschulen haben etwa eine VR-Brille, die Bauabteilungen einen Akkuschrauber, die Büchereien selbst elektronische Lesestifte, Smartphone-Stative oder Bluetooth-Lautsprecher beigesteuert.

Die MA 48 wiederum lud das wien dings-Team zu einem Besuch des 48er-Tandlers ein, so Schneider: "Da wurden wir von einer Mitarbeiterin durch den Markt geführt und durften uns Dinge aussuchen. Wir haben deshalb eine breite Auswahl an Sportgeräten wie Tennisschläger, aber auch Musikinstrumente wie Bongotrommeln." Diese waren auch der erste Gegenstand, der aus der Bibliothek ausgeliehen wurde: "Da kam ein Herr zufällig in die Bücherei, hat sie gesehen und gesagt: So etwas wollte ich immer schon einmal haben. Er hat sie dann mitgenommen und ist hocherfreut, Bongotrommeln spielend hinausgegangen." Zurückgebracht hat er sie selbstverständlich fristgerecht. Allgemein klappt die Rückgabe der geliehenen Gegenstände bis jetzt tadellos, auch bei elektronischen Geräten wie Playstation-Controllern.

Ressourcen, Geld und Platz

Dabei wird auch der Nachhaltigkeit Genüge getan. Geschraubt wird etwa nicht jeden Tag, da tut es auch ein geliehener Akkuschrauber. Ein Skateboard will erst ausprobiert werden, bevor eines gekauft wird - oder eben nicht. Ansonsten liegt ein Fehlkauf oft ungenutzt in einer Ecke herum und setzt Staub an. "Es ist eine Ressourcen-, Geld- und Platzfrage", so Schneider. "All das spart man, wenn man es sich ausborgt. Beispiel Sofortbildkamera: Sie wird bei Hochzeiten, Kindergeburtstagen und sonstigen Feierlichkeiten benutzt. Dann wird fotografiert und man kann nette Fotoalben daraus machen. Aber wie oft hat man eine Hochzeit?"

Genau diese Sofortbildkamera hat ein Kunde erspäht, der sie sich für das Geburtstagsfest seines Neffen ausborgen will. Der Spind wird aufgesperrt, die Kamera wird übergeben und kann danach wie jedes Buch, jede DVD, jede CD ausgeliehen werden. Benötigt wird dafür eine Büchereikarte, ausleihen kann man sich das jeweilige Stück wie gehabt für zwei Wochen. Zwei Unterschiede gibt es allerdings: Die Frist kann nicht verlängert werden. Und der entliehene Gegenstand muss in der Filiale am Schwendermarkt zurückgegeben werden.

Viele Kinder und Jugendliche

Im Frühjahr wurde die Bibliothek der Dinge in Rudolfsheim-Fünfhaus eröffnet, seitdem wurde das Angebot etwa hundert Mal in Anspruch genommen und wird stets erweitert. Am meisten ausgeliehen wurden bis dato die VR-Brille, das Skateboard und die elektronischen Lesestifte. "Wir haben sehr viele Kinder und Jugendliche hier im Bezirk, die sich viel bei uns in der Bücherei aufhalten", erklärt Christian Schneider. Nach den Gegenständen von wien dings kann auch im Onlinekatalog der Büchereien Wien gesucht werden. Wer Geld, Platz und Ressourcen sparen will, sollte hier auf jeden Fall vorbeischauen. Und wer immer schon einmal Bongotrommeln spielen, auf einem Skateboard fahren oder mit eine Mikroskop den Dingen auf den Grund gehen wollte, ebenfalls.