Die erste Regel des Briefmarkensammlers: Niemals mit den Fingern berühren. Die Säure auf der Haut schadet den Marken. © Bohmann/Andrew Rinkhy

 

Der Sammeltreff im Ottakringer Gemeindebau

Tauschen, sammeln, komplettieren: BriefmarkensammlerInnen sind Menschen mit einer Liebe zum Detail. Der "Erste Arbeiter Briefmarken Sammlerverein" ist der beste Beweis. CLUB WIEN besuchte die Zentrale im Schuhmeierhof.

Mit jedem neuen Heft steigt die Spannung. Walter Kaufmann ist Zentralobmann des "Ersten Arbeiter Briefmarken Sammlervereins" und Leiter der Sektion Mariahilf. In dieser Funktion koordiniert er Sammelaktivitäten von über 1.200 Mitgliedern des Vereins, die sich auf Zweigstellen in ganz Österreich verteilen. "Wir informieren unsere Mitglieder, kümmern uns um Tauschgeschäfte und vermitteln auch Accessoires wie Alben und Pinzetten."

SammlerInnen mit Hingabe

In der Zentrale in der Ottakringer Koppstraße, im Gemeindebau Schuhmeierhof, treffen Kaufmann und Co einander regelmäßig. Kleine blaue Heftchen liegen zu Hunderten im Raum verteilt. Sie alle wurden von Mitgliedern eingeschickt. In jedem sieht man die Briefmarken, die von der jeweiligen Inhaberin oder dem Inhaber verkauft werden. "Wir sind die Anlaufstelle für diese Tauschaktivitäten. Die Leute kommen zu uns, schauen sich die Hefte durch und kaufen, was sie brauchen." Dabei geht es in erster Linie um die Leidenschaft, nicht den monetären Wert. "Viele Briefmarken kosten nur ein paar Cent. Wenn es aber genau die ist, die du schon ewig suchst, fühlt sich das an wie ein Lottogewinn."

 

Sammeln als Familientradition

Kaufmann hat als Philatelist, der Fachausdruck für Briefmarkensammlerinnen und -sammler, einen ganz typischen Werdegang. Vom Vater mit dem Fieber angesteckt, verlor er in der Jugend das Interesse und kam dann erst später wieder zu dem Thema zurück. Seitdem ist er mit Inbrunst bei der Sache und pflegt mehrere gut sortierte Sammlungen. Vor allem das Thema Raumfahrt hat es ihm angetan. "Ich habe eine sogenannte Motivsammlung aus der Raumfahrt. Da gibt es auch ganz spezielle Stücke, zum Beispiel Briefmarken vom ersten Kosmonautenbesuch in Wien."

Wie schaut es da bei den eigenen Erben aus? "Ich habe zwei Enkelkinder, der eine ist ganz interessiert. Aber ob er das nicht vielleicht nur aus Liebe zum Opi macht, weiß ich nicht. Das wird die Zeit zeigen", schmunzelt Kaufmann. Generell wünscht er sich für die Zukunft mehr Nachwuchs. "Der Verein hat Jugendgruppen und macht immer wieder Aktivitäten. Aber gerade im Teenageralter ist es oft schwer, die jungen Menschen bei der Marke zu halten."

Der Gemeindebau passt perfekt

Kaufmann ist wie viele Kolleginnen und Kollegen auch Geschichtsliebhaber. "In Österreich gibt es seit den 1850ern Marken. Und anhand dieser kann man die gesamte Geschichte des Landes nachvollziehen und verfolgen. Über die beiden Weltkriege und die Inflationszeit bis zu den Nachkriegsjahren und der Moderne. Das ist schon sehr spannend."

Auch der Verein selbst hat eine große Tradition. "Uns gibt es seit 1927. Ich bin auch schon seit über 20 Jahren hier", sagt Kaufmann. Der Standort im Gemeindebau ist da ideal. Schließlich symbolisieren Bauten wie der Schuhmeierhof Gemeinschaft, Zusammenhalt und Miteinander im Grätzel. Auch beim Verein werden diese Werte großgeschrieben. "Wir betreiben schon so lange dieses Hobby, da sind natürlich viele Freundschaften entstanden. Uns geht es schon auch um das Gemeinsame, alleine sammeln könnten wir auch zu Hause."