Die Samen der Brennnessel sind ein absolutes Superfood und vollgepackt mit Protein, Fettsäuren, Vitaminen und vielem mehr. © Bohmann

 

Das heimliche Superfood vom Ackerrand

Der Begriff bezieht sich meistens auf sündteure und importierte Früchte, Beeren, Gräser und Co. Superfood wächst aber auch vor unseren Haustüren: Die Samen der Brennnessel zum Beispiel.

Sie kommen von weit her und kosten meist eine Lawine: exotische Superfoods. Beeren, Samen, Extrakte. Die Vitaminbomben sind zwar fraglos gesund, allerdings wundert man sich, ob es notwendig ist, Superfood um die halbe Welt zu fliegen. Für den ökologischen Fußabdruck kann das nicht gut sein. Und bei all dem Marketing, das hinter Gojibeere und Co steckt, vergessen viele Menschen auf das Gute, das direkt vor ihrer Nase wächst. Beispiel gefällig? Die Brennnessel. Vor allem die Samen platzen förmlich vor lauter Nährstoffen.

Die Samen sind nämlich nicht nur proteinreich. Sie enthalten viele wertvolle Fettsäuren sowie die Vitamine A, B und C. Außerdem sind sie reich an Kalium, Eisen, Kalzium sowie Carotinoiden. Sie gelten als sehr belebend und sind ein beliebtes Haus- und Heilmittel bei allerlei Wehwehchen. Auch nicht zu verachten: Die Brennnesselsamen sind seit Jahrhunderten auch als Aphrodisiakum bekannt.

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Gefährliches Superfood

Da bleibt nur noch eines: ab zur Ernte. Brennnesseln findet man glücklicherweise ziemlich leicht. Zum Beispiel an so gut wie jedem Ackerrand. Wir machen uns auf an den Floridsdorfer Stadtrand und werden auch schon beim ersten Acker fündig. Doch wie wir aus Kindheitstagen wissen, trägt die Brennnessel ihren Namen nicht zu Unrecht. Unvorsichtige Sammlerinnen und Sammler werden unweigerlich mit einem leicht schmerzhaften Erlebnis konfrontiert.

Die sogenannten Brennhaare sind ein natürlicher Schutz gegen Fressfeinde und da wir der Nessel nach den Samen trachten, zählen wir jetzt wohl auch dazu. Allerdings sind wir im Gegensatz zu Reh und Co in der Lage, Handschuhe zu tragen, was die Sache doch extrem erleichtert. Am Ackerrand gibt es auch nicht viel zu tun. Wir suchen ein paar Brennnesseln, die noch reichlich Samen tragen, und nehmen sie einfach mit. Anmerkung: Wir sind heuer schon ein bisschen spät dran. Der ideale Erntezeitpunkt ist der Spätsommer. Fündig werden wir trotzdem noch. Mit einem wunderschönen Brennnesselstrauß machen wir uns auf den Heimweg. Vielleicht eine Idee für den Valentinstag? Kreativ wäre sie ja.

Der Samen Ernte

Das Sammeln ist schon einmal ein Kinderspiel. Das Ernten der Samen auch. Zu Hause angekommen, legen wir die Brennnesseln einfach auf ein paar Servietten oder Papiere. Und das war es auch fürs Erste. Denn die Nesseln müssen jetzt ein paar Tage trocknen. In unserem Fall lassen wir sie drei Tage liegen.

Nach drei Tagen sehen wir, dass unsere Brennnesseln trocken genug sind. Die Feuchtigkeit ist vollends verschwunden und die Blätter fühlen sich zwischen den Fingern wie Backpapier an. Handschuhe braucht man jetzt wohl keine mehr, wir sind aber stadtbekannte Angsthasen und ziehen trotzdem welche an.

Die Samen werden einfach von den Samenständen gerieben. Sprich, wir nehmen die Stränge mit den Samen zwischen die Finger und reiben, bis alle abgefallen sind. Die herunterfallenden Samen fangen wir in Servietten ein. Das machen wir bei allen Brennnesseln, bis wir auch alle geerntet haben. In Summe kommen wir auf vier bis fünf Esslöffel. Hätten wir mehr Nesseln mitgebracht, könnten wir aber auch noch viel mehr zusammenbringen.

Und wie isst man die Samen also? Da gibt es keine Regeln. Man kann sie auf einem Butterbrot verspeisen, das ist auch unser Favorit, oder zum Müsli oder zum Brei geben. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. In jedem Fall sind die Samen ein wunderbares Nahrungsergänzungsmittel und eine echte Nährstoffbombe. So einfach kann gesunde Ernährung sein!