Brigitte Lutz, Data-Governance-Koordinatorin der Stadt Wien, arbeitet hautnah an Digitalisierung-Strategien der Stadt Wien mit. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Blockchain als Chance für mehr Transparenz

Die Blockchain erlangte als Basis für Kryptowährungen Berühmtheit. Aber auch die Stadt Wien hat das Potenzial der Technologie erkannt. Brigitte Lutz, Data-Governance-Koordinatorin der Stadt Wien, spricht über Chancen und Pilotprojekte.

Blockchain ist ein Begriff, den viele benutzen, oft aber nur wenige verstehen. Tatsache ist, die Technologie kennt man am besten als Grundgerüst der digitalen Währung Bitcoin. Die Blockchain kann aber noch mehr. Ihre große Stärke ist, Daten vertrauenswürdiger und manipulationssicherer zu machen. Zwei Eigenschaften, die gut in die Digitalisierungsphilosophie der Stadt Wien passen: Vertrauen und Transparenz. Beim Einsatz der Blockchain in der öffentlichen Verwaltung leistet Wien Pionierarbeit.

Brigitte Lutz, Data-Governance-Koordinatorin der Stadt Wien, hilft, die Blockchain für die Stadtverwaltung zu nutzen. Wie genau das funktioniert, erzählt Lutz im Interview.

CLUB WIEN: Wie würden Sie jemandem Blockchain erklären, der noch nie davon gehört hat?

Blockchain ist ein gemeinsames, dupliziertes und synchrones Transaktionsbuch, mit Lese- und Schreibrechten. Die Transaktionen werden durch ein technisches Konsensprotokoll verifiziert. Die Einträge sind unveränderbar.

Vereinfacht gesagt, ist Blockchain eine Technologie, bei der Transaktionen auf den am Netzwerk beteiligten dezentralen Rechnern gespeichert und zu einem kryptografischen Block zusammengefasst werden, der an einen Vorgängerblock angehängt wird. Diese Kette von Blöcken ist von jedem Block aus für alle transparent nachvollziehbar und verifizierbar. Das bedeutet, dass Transaktionen direkt zwischen Personen abgewickelt werden können - ohne zentrale Instanz und ohne vermittelnde Institutionen. Diese Technologie ist auch programmierbar und automatisierbar.

Nutzt die Stadt Wien Blockchain? Können Sie uns etwas über konkrete Projekte berichten?

Wir haben uns dazu entschlossen, die Technologie für eigene Prozesse zu nutzen, die Entwicklung proaktiv mitzugestalten und ein Vorantreiben zu unterstützen. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass wir die Potenziale der Blockchain-Technologie nur nach dem Prinzip "Learning by doing" austesten können. Deshalb haben wir bislang zwei Pilotprojekte durchgeführt, die wir auch erfolgreich umsetzen konnten. Ziel bei den Pilotprojekten war jedenfalls auch, die Expertise innerhalb der Stadtverwaltung und in unserer IKT-Abteilung MA 01 - Wien Digital aufzubauen. Eines ist uns ganz wichtig: Die Wiener Prinzipien "Vertrauen und Transparenz" werden durch diese Initiativen gestärkt.

Das erste Pilotprojekt war die Notarisierung und das Änderungsprotokoll der Open Government Data der Stadt Wien. Im Dezember 2017 wurde eine im europäischen Raum einzigartige Lösung publiziert, die Open Government Data mithilfe der Blockchain absichert. Beinahe 4.000 Open-Data-Ressourcen notarisiert die Stadt Wien bereits laufend und veröffentlicht eindeutige Identifikatoren auf öffentlichen Blockchains. Die Lösung soll auf alle Open Government Data auf data.gv.at erweitert werden und wird österreichweit genutzt werden.

Dieser Pilot wird in den nächsten Wochen auf alle Open Government Data auf dem österreichischen Datenportal data.gv.at ausgeweitet. Weiters wollen wir als Erkenntnis dieses Piloten in Kooperation mit anderen Partnern ein Zeitstempel- und Notarisierungsservice für vielfältige Anwendungen umsetzen. Wir können dadurch beispielsweise die Notarisierung von Daten und Dokumenten der Stadt vornehmen oder Machine Learning unterstützen.

Worum geht es bei dem anderen Projekt?

Das zweite Blockchain-Projekt "Digitale Essensmarke" hatte zum Ziel, die Prozessautomatisierung und -optimierung bei den Essensmarken für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter voranzutreiben. Die Stadt Wien bietet ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter bestimmten Rahmenbedingungen einen Essenszuschuss in Form von Essensmarken an, der von einem Teil auch genutzt wird. Diese Essensmarken in Papierform können bei Vertragslokalen eingelöst werden.

Mit diesem Incentive geht ein hoher logistischer und organisatorischer Aufwand einher. Durch die Digitalisierung der Essensmarke wird die Administration für die Stadt Wien, das Einlösen und die Absicherung gegen Manipulation in den Vertragslokalen und vor allem die Abrechnung, deutlich effizienter und einfacher. Wir haben ausprobiert, den gesamten Prozess von der Ausgabe bis zur Verrechnung mit der Blockchain-Technologie zu optimieren. Dies ist gelungen und dieser Proof of Concept könnte Basis für ein Umsetzungsprojekt im nächsten Jahr sein.

Ein weiteres Thema, mit dem wir uns beschäftigen, ist Self Sovereign Identity, wo es darum geht, die eigenen digitalen Daten oder Profile selbst verwalten und kontrollieren zu können. Weitere Anwendungsgebiete der Blockchain-Technologie könnten für uns das Verbinden von Endgeräten mit der Blockchain oder mit Logistikketten sein.

Welche Chancen beziehungsweise Risiken sehen Sie beim Einsatz von Blockchain-Technologien in der Stadtverwaltung?

Im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Transformation steht Blockchain für Dezentralisierung und Vertrauen, deshalb sieht die Stadt Wien in der Anwendung der Blockchain-Technologie Chancen. Blockchain bietet technologische Möglichkeiten, um mehr Transparenz, Effizienz und Vertrauen in Verwaltungsprozessen herzustellen.

Risiken sind derzeit noch teilweise ungeklärte technische, organisatorische und rechtliche Fragen, wo durchaus auch noch die Forschung gefragt ist.

Deshalb wollen wir durch die DigitalCity.Wien-Blockchain-Initiative gemeinsam mit der Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung den Blockchain-Standort Wien stärken. Dies findet durch gut besuchte Community-Treffen und Workshops statt, die wir organisieren, dadurch Know-how bündeln und Synergien schaffen. Die Blockchain Communities und das Forschungsinstitut für Kryptoökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien sind wichtige Partner der Stadt Wien, um die Blockchain-Technologie richtig einzusetzen.