Der Bildungscampus Berresgasse vereint Kindergarten, Volksschule und Neue Mittelschule unter einem Dach und begleitet Kinder von klein auf. © Bohmann/Andrew Rinkhy

 

Alles unter einem Dach im "Campus plus"

Im "Campus plus" sind Kindergarten, Volksschule und Neue Mittelschule unter einem Dach vereint. Im Herbst hat der Bildungscampus Berresgasse seine Tore geöffnet. CLUB WIEN hat ihn besucht und erfahren, was es mit diesem Schulmodell auf sich hat.

Von null bis 14 Jahren in ein und demselben Schulgebäude den Bildungsweg zurücklegen? Im "Campus plus" ist das möglich. Damit wird das bisherige Campusmodell nun weiterentwickelt und erweitert. Der jüngst eröffnete Bildungscampus Berresgasse in der Donaustadt, der zweite nach dem Bildungscampus Friedrich Fexer, der dem weiterentwickelten Konzept folgt, beinhaltet Volksschule, Kindergarten und Neue Mittelschule (NMS). Und damit sind wir in der so wichtigen und prägenden Lebensspanne: Vom Kleinkind bis hin zu 14-Jährigen verbringen alle unter einem Dach ihre Zeit. Das werden, sobald die Schule voll ausgelastet ist, 1.200 Kinder sein. Untergebracht sind sie in einem Kindergarten mit zwölf Gruppen, einer Ganztagsschule für Volks- und Neue Mittelschule mit insgesamt 29 Klassen, zwei Förderklassen und zwei Sonderpädagogik-Klassen für Kinder mit Behinderungen.

 

Die Kinder halten sich dabei nicht ausschließlich in ihren Klassenzimmern auf, sondern können sich frei bewegen. Selbstständig eine andere Gruppe zu besuchen oder multifunktionale Bereiche zu nutzen, ist ausdrücklich gewünscht. "Im Vordergrund steht die Selbstverantwortung, dass man für sein Tun und Handeln Verantwortung übernimmt", erklärt Thomas Fitzko, Direktor der NMS im Bildungscampus Berresgasse. "Die Kinder werden natürlich beaufsichtigt, auch wenn sie sich in den Lerngruppen frei bewegen können. Meistens gibt es eine Input-Phase, während der das jeweilige Projekt vorgestellt wird. Dann können sie sich in kleine Gruppen zurückziehen, in denen gearbeitet wird. Es läuft nach dem Motto: Hilf mir, es selbst zu tun." Dank des Doppellehrerinnen- und -lehrersystems in ausgewählten Fächern gelingt der Spagat, sowohl jedes Kind mitzunehmen, aber auch Kinder, die sich zu langweilen drohen, ausreichend zu fordern.

Wissen leichter weitergeben

Ein weiterer Vorteil, wenn alles unter einem Dach ist: Da ein Kind theoretisch vom Kindergarten bis zum Verlassen der NMS in einem einzigen Gebäude bleiben kann, geht beim Übergang von einer zur nächsten Bildungsstufe kein Wissen verloren. "Wenn man ein Kind mit besonderen Bedürfnissen hat, die schon im Kindergarten bekannt sind, kann man Informationen dazu leichter an die jeweilige Lehrerin, den jeweiligen Lehrer weitergeben", so Fitzko. "Die Bildungskarriere des jeweiligen Kindes ist für Pädagoginnen und Pädagogen viel transparenter. Man kann zum Beispiel Rücksprache halten: Wie war das im Kindergarten? Oder: Pass auf, in der Volksschule war es so und so. Man weiß mehr über die Kinder." Auch für die Kinder ist so die Umgewöhnung von Kindergarten auf Volksschule und von Volksschule auf NMS einfacher.

Miteinander und Füreinander sind das Um und Auf im Bildungscampus Berresgasse. Das gilt für die Pädagoginnen und Pädagogen der einzelnen Bildungseinrichtungen wie für die Kinder: "Die Kleinen können von den Großen lernen und die Großen lernen, Verantwortung zu übernehmen, weil die Kleineren zu den Größeren aufschauen. Da wir eine NMS mit Schwerpunkt Informatik sind, kann man das vertiefen und etwa gemeinsam Robotik-Projekte machen, bei denen die Kleinen schon mitspielen können."

Übergreifende Zusammenarbeit

Das wird durch gruppen- und klassenübergreifende Zusammenarbeit gefördert. "Die Turnlehrerinnen und -lehrer der NMS machen auch gerne etwas mit den Kindergartenkindern: Sie spielen gemeinsam oder machen gemeinsam Übungen. Wir haben ein großes Musikzimmer im Haus, in dem gemeinsam gesungen und musiziert werden kann", so Fitzko.

Der Übergang von Unterricht zu Freizeit verläuft fließend. Ist ein Kind für die offene Ganztagsschule angemeldet, wird nach Ende des Unterrichts mit einer Lehrperson in die hauseigene Kantine essen gegangen. "Die Lehrerinnen und Lehrer verbringen dann die Zeit mit den Kindern beim Mittagessen und organisieren danach die Freizeitstunde. Diese wird individuell aufs Kind abgestimmt", erläutert Fitzko. "Man kann sich sportlich betätigen, in Bücher vertiefen, zusätzliche Informatikstunden machen oder sich einfach ausruhen. Da die Schülerinnen und Schüler viel mehr Zeit im Haus verbringen, bauen die Lehrerinnen und Lehrer eine viel bessere Beziehung zu ihnen auf."

Füreinander, miteinander lernen

Durch das "Campus plus"-Modell bieten sich auch Langzeitprojekte an, die man vom Kindergarten über die Volksschule bis zum Ende der NMS laufen lassen kann. Eine Möglichkeit, die sich in keinem anderen Schulsystem bietet. Dass alle unter einem Dach lernen und Zeit verbringen, hat auch einen anderen Effekt, weiß Thomas Fitzko: "Wenn in einem Haus verschiedene Schulstufen und verschiedene Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten, kommen viel bessere Leistungen zustande. Das geht nicht nur von den Pädagoginnen und Pädagogen aus, sondern auch von den NMS-Schülerinnen und -Schülern. Diese sollen auch Volksschulkinder zu Projekten einladen, bei denen sie als Mentorinnen und Mentoren daneben sitzen. Das fassen wir unter 'Füreinander, miteinander lernen' zusammen."