NMS-Direktor Thomas Fitzko (links) zeigt das Gelände des Bildungscampus Berresgasse. Den Kindern stehen 10.000 Quadratmeter an Freifläche zur Verfügung. © Bohmann/Andrew Rinkhy © Bohmann/Andrew Rinkhy

 

Wenn Architektur Lernen zum Erlebnis macht

Beim Campus-plus-Konzept spielt die Architektur eine entscheidende Rolle. So unterstützt die Bauweise das Zusammenwachsen von Kindergarten und Schule auch beim jüngst eröffneten Bildungscampus Berresgasse. CLUB WIEN hat sich das Haus zeigen lassen.

Ein helles, einladendes Gebäude mit viel Holz, lichtdurchflutete Räumlichkeiten und großzügig angelegte Freiflächen: Das ist der Bildungscampus Berresgasse in der Donaustadt. Vergleicht man ihn mit den Kindergärten und Schulen der eigenen Kindheit, kommt man zu einem zwingenden Schluss. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich nicht nur in der Erziehungs- und Unterrichtsarbeit einiges getan. Auch die Art und Weise, wie Bildungseinrichtungen gestaltet werden, hat sich geändert. "Man hat gemerkt, dass es nicht reicht, einfach einen rechteckigen Raum zu bauen und dort ein paar Bänke, ein paar Sessel und eine Tafel hineinzustellen", erzählt Thomas Fitzko, Direktor der Neuen Mittelschule (NMS) des Bildungscampus, ein "Campus plus", beim Rundgang. "Die Kinder sind heute anspruchsvoller geworden. Sie sind stolz, in so ein wunderbares Gebäude hineinzugehen. Man merkt, sie fühlen sich wohl."

 

Das Wohlgefühl stellt sich bereits beim Betreten des Gebäudes ein. Hier sind nicht nur Essbereich und Administration mit der Leitung von Kindergarten, Volksschule und NMS untergebracht. Auch die Sonderpädagogik-Klassen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen und einige der zwölf Kindergartengruppen befinden sich hier. Sie ziehen sich bis in den ersten Stock, wo zudem der Bereich für die Volksschule beginnt. Diese nimmt zusätzlich das ganze zweite Stockwerk ein. Im dritten Geschoß schließlich gelangt man zu den Klassenzimmern für die Schülerinnen und Schüler der NMS. "Wenn man durchs Haus wandert, sieht man, dass alles offen gehalten ist", so Fitzko. "Gerade an der Nahtstelle zwischen Kindergarten und Volksschule hat man ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die Kleinsten viel Kontakt mit den Größeren haben und sehr früh reinschnuppern können. Der Umstieg von Kindergarten auf Volksschule wird so erleichtert."

Freiluftklassen bei Schönwetter

Das Gebäude ist so gestaltet, dass zwar jede Bildungseinrichtung ihr eigenes Stockwerk hat. Die einzelnen Ebenen sind aber offen gehalten und so angelegt, dass ungeachtet von Alter und Bildungseinrichtung vieles gemeinsam gemacht werden kann. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, sich in den für die jeweilige Bildungsstufe vorgesehenen Bereich zurückzuziehen. Diese Bereiche sind direkt oder über Sichtkontakt miteinander verbunden, einige verfügen über einen eigenen Zugang ins Freie. Das erlaubt bei Schönwetter auch Außenunterricht in Freiluftklassen. Das Raumangebot ist prinzipiell so gestaltet, dass kleine und große Gruppenarbeiten abgehalten werden können.

Durch die Nutzung der Multifunktionsflächen soll das Ambiente eines klassischen Klassenzimmers bewusst verlassen werden können. "Es geht dabei nicht nur um die Gemeinschaft der Kinder in der jeweiligen Klasse, sondern darum, dass man auch klassenübergreifend arbeiten kann", erklärt Fitzko. "Man soll wegkommen von dem Standpunkt: 'Du gehst in die 3A und musst auch in der 3A bleiben.' Wenn man es vom Stundenplan her so gestaltet, dass die Kinder die gleichen Gegenstände haben, kann man auch Klassen miteinander vermischen."

10.000 Quadratmeter Freifläche

Im Inneren des Gebäudes gibt es einen eigenen Therapiebereich für Kinder mit Behinderungen, eine Turnhalle, einen Gymnastiksaal, ein großes Musikzimmer und eine Bibliothek. Sie können allesamt gemeinsam genutzt werden. Das Außenangebot erstreckt sich auf 10.000 Quadratmeter Freifläche. Es besticht durch einen Kleinkinderspielplatz, Rückzugsgärten, einen Therapiegarten und ein Wasserspiel für heiße Tage. Hier können Kindergartenkinder und Kinder der verschiedenen Schultypen ebenso aufeinandertreffen wie im Speiseraum.

In Zukunft soll der Bildungscampus Berresgasse eine sogenannte Stadtteilfunktion übernehmen. Dann sollen auch externe Bildungspartnerinnen und -partner verstärkt in die Freizeitgestaltung im Rahmen der Nachmittagsbetreuung eingebunden werden. Angesprochen werden sollen vor allem die Musikschulen der Stadt Wien, Breitensport-Anbieterinnen und -Anbieter sowie Jugendzentren.