Die Mitmachausstellung des ZOOM Kindermuseums "Du und ich, dort und da" nimmt sich spielerisch dem Thema Flüchtling an. © buerowinkler
Für die Mitmachausstellung "Du und ich, dort und da" arbeiten Handwerker an der Station, in der es um das Recht auf "Freizeit und Erholung" geht. Sie stellen einen würfeligen Raum her, in dem später ein Film tanzender Kinder gezeigt wird, der anregen soll, es ihnen gleichzutun. © Bohmann/Ulrich Sperl © Bohmann/Ulrich Sperl
Beim Arbeiten im ZOOM Atelier bekommen die Kinder kleine Schürzen. © Bohmann/Ulrich Sperl © Bohmann/Ulrich Sperl
Außerdem stehen im Kleinkinderbereich Spielobjekte zur Verfügung, die die Kreativität anregen sollen. © Bohmann/Ulrich Sperl © Bohmann/Ulrich Sperl
Wie entsteht ein bewegtes Bild? Das lernen die Kinder in den Workshops im ZOOM Trickfilmstudio. © ZOOM Kindermuseum/Rainer Berson © ZOOM Kindermuseum/Rainer Berson

Und es hat ZOOM gemacht!

Das ZOOM Kindermuseum wurde 1994 gegründet. Seither lockt es im MuseumsQuartier Kinder aller Altersstufen an. Neben einer Mitmachausstellung sind auch ein Kleinkinderbereich und Workshops im Angebot.

Die Kreissäge kreischt, die Schleifmaschine rauscht, Leim dampft in den Töpfen, in der Luft hängt der typische Geruch muffiger Pappkartons, die zusammengestapelt hohe Türme, begehbare Würfel oder Sitzbänke bilden. Lange Holzlatten werden in Form geschnitten und zu noch undefinierbaren Gerüsten zusammengenagelt. Auf den Böden wurden schützend Bahnen aus Packpapier verlegt. Ein Radio dudelt einen Song von Rainhard Fendrich. Betriebsamkeit herrscht. Denn hinter all diesen Gerätschaften, Werkzeugen und Objekten stehen sechs Tischler und ein Schlosser sowie der Produktionsleiter Virgil Guggenberger und Aufbauleiter Roland Zeller, die das Geschehen beaufsichtigen und vorantreiben. Und das ist auch gut so: Denn bis zur Eröffnung der nächsten Mitmachausstellung des ZOOM Kindermuseums für Sechs- bis Zwölfjährige muss noch Einiges geschaffen werden. Die neue Ausstellung "Du und ich, dort und da" widmet sich auf rund 600 Quadratmetern dem Thema Flucht, Ankunft und Zusammenleben.

Museumsdirektorin Elisabeth Menasse-Wiesbauer hatte die Idee zur aktuellen Ausstellung "In der Ausstellung lernt man sechs geflüchtete Kinder und Jugendliche kennen. Man erfährt, worin sie sich unterscheiden und was man vielleicht mit ihnen gemeinsam hat. Denn wenn wir mehr voneinander wissen, ist es leichter, gut miteinander auszukommen.." © Bohmann/Ulrich Sperl

Die Idee dahinter

Die Idee zur Ausstellung ist bereits 2015 am Höhepunkt der Flüchtlingswelle entstanden, als auch in Österreich sehr viele Menschen Schutz suchten. Seither sitzen in fast jeder Schulklasse Kinder mit Fluchthintergrund, und oft ist die Kommunikation mit ihnen anfänglich schwierig. "Mit dieser Ausstellung möchte das ZOOM dazu beitragen, den Austausch zwischen den Kindern anzuregen und die Neugier an den Schicksalen und Kulturen anderer Menschen zu entfachen", erklärt Elisabeth Menasse-Wiesbauer, Direktorin des ZOOM Kindermuseums, die gemeinsam mit Claudia Haas und Thomas Marschall die Ausstellung konzipiert und kuratiert hat.

In diesem Bereich entsteht die Station zum Thema "Recht auf Gleichberechtigung". Hochzeitskleider verschiedenster Kulturen werden die Kinder zum Verkleiden einladen. © Bohmann/Ulrich Sperl

Musik, Tanz, Text, Sprache

Im Zentrum der Ausstellung stehen die persönlichen Schicksale von sechs geflüchteten Kindern und Jugendlichen, drei Buben und drei Mädchen zwischen sechs und 20 Jahren. Es geht um Faizal und Nesrin aus Afghanistan und Arif, Azmi, Lina und Zahra aus Syrien. Jedem dieser sechs Kinder und Jugendlichen widmet sich eine Station. Mithilfe von Musik, Tanz, Filmen, Texten, Tonaufnahmen, symbolischen Bildern und vielem mehr wird dargestellt und erlebbar gemacht, mit welchen Ängsten, Hoffnungen und Träumen im Gepäck die sechs Kinder und Jugendlichen bei uns angekommen sind, was sie interessiert und beschäftigt, wie sie ihre Zeit verbringen, was sie denken und fühlen. "An jeder Spielstation wird außerdem ein Menschenrecht thematisiert, das auf die Situation des jeweiligen Kindes verweist", sagt Menasse-Wiesbauer. Ausgehend von der Geschichte Nesrins, eines Mädchens, das in Afghanistan zwangsverheiratet werden sollte und daher flüchtete, wird eine Station mit Hochzeitskleidern verschiedenster Kulturen ausgestattet. Die Besucherinnen und Besucher können sich verkleiden, Nationalitäten vermischen und vielleicht Trachtenoutfit mit indischem Hochzeitssari kombinieren. Das "Recht auf Gleichbehandling von Männern und Frauen" steht hier im Vordergrund.

Sechs Menschenrechte

Das "Recht auf Bildung", das "Recht auf Freizeit & Erholung", das "Recht auf Arbeit" und das "Recht auf Asyl" sind weitere Menschenrechte, auf die in der Ausstellung eingegangen wird: beispielsweise anhand des Schicksals von Arif, der in seinem Heimatland nicht mehr zur Schule gehen konnte, weil der Schulweg zu gefährlich geworden war.

Das "Recht auf angemessene Ernährung", wird schließlich in einem eigenen Raum, dem Café Mischmasch, thematisiert. Hier können die Kinder Kekse backen und dabei verschiedene heimische und exotische Gewürze verwenden. Dabei lernen sie die Geschichte von Azmi kennen. Azmi flüchtete, weil ihn sonst in Syrien das Militär eingezogen hätte. Er flüchtete gemeinsam mit seinem kleinen Bruder, den er über weite Strecken auf dem Rücken trug. Auf der Flucht litten sie schreckliche Hungerqualen. Inzwischen sind die beiden gut bei uns angekommen und Azmi macht eine Kochlehre.

Ablauf des Ausstellungsbesuches

Am Beginn sitzen die rund 60 Besucherinnen und Besucher im Begrüßungsraum der Ausstellung und erhalten eine kurze Einführung sowohl in das Thema als auch in den Ablauf der Ausstellung. Danach können sie sich frei durch die Ausstellungshalle bewegen, in ihrem eigenen Tempo die Spielstationen erkunden und vielfältige Erfahrungen sammeln. Wenn es Fragen gibt oder die Kinder Anregungen brauchen, helfen die Vermittlerinnen und Vermittler aus dem ZOOM Ausstellungsteam weiter. "Im ZOOM Kindermuseum herrscht Teamgeist. Engagement wird gelebt. Ich denke, das überträgt sich auch auf die Kinder." Ein besonderer Punkt ist Menasse-Wiesbauer noch wichtig zu erwähnen: "In die Ausstellungsgestaltung wurden auch Arbeiten von syrischen Künstlerinnen und Künstler einbezogen. "

Produktionsleiter Virgil Guggenberger und Aufbauleiter Roland Zeller besprechen den Aufbau der Ausstellung "Du und ich, da und dort". © Bohmann/Ulrich Sperl

Aufbau der Schau

"Rund zweieinhalb Wochen haben wir Zeit, um die Ausstellung aufzubauen. Da ist Kreativität gefragt. Nicht alles, was am Reißbrett möglich schien, ist dann tatsächlich umsetzbar. Manchmal müssen wir einfach ausprobieren, ob etwas funktioniert oder nicht", erklärt Guggenberger, während er auf die an die Wand gehefteten Pläne zeigt. Er ist seit rund zehn Jahren Produktionsleiter im ZOOM Kindermuseum und sorgt dafür, dass die Ideen für die im Jahrestakt wechselnden Mitmachausstellungen vom Papier in die Realität umgesetzt werden. "Die Pappkarton-Kreationen haben wir beispielsweise mit 75 Litern Leim verbunden. Dass das so viel werden würde, hätten wir vorab nie gedacht", ergänzt Kollege Zeller.

Danach vertiefen sich die Herren wieder in ein technisches Gespräch. Es geht darum zu entscheiden, ob die Kartonberge an den Ecken Schutzleisten brauchen. "Beobachten wir das, wenn die Ausstellung läuft. Wenn die Kanten wirklich im Laufe der Zeit stark in Mitleidenschaft gezogen werden, können wir immer noch nachrüsten", schlägt Zeller vor. 

Franziska Abgottspon leitet die Bereiche ZOOM Atelier und ZOOM Ozean. © Bohmann/Ulrich Sperl

Kreativwerkstatt ZOOM Atelier

Anbieten, beobachten, erkennen und reagieren ist auch an einem anderen Ort im ZOOM Kindermuseum von Bedeutung: In der Kreativwerkstatt, dem ZOOM Atelier. Franziska Abgottspon, die Bereichsleiterin, entwickelt zusammen mit ihrem zehnköpfigen Team die Programme. Gemeinsam wird entschieden, welchem Thema man sich als nächstes zuwendet, überlegt, welche Materialien, Werkstoffe oder Aufbauten es dafür braucht. 

Derzeit finden im Atelier die Abschlussarbeiten für das nächste Angebot "Voll schräg" statt. Im Atelier wird momentan eine große schräge Fläche aus Spannplatten aufgebaut, auf der drei- bis zwölfjährige Kinder und ihre erwachsenen Begleiterinnen und Begleiter mit Plastilin, Holzstücken und -leisten verschiedenster Länge Kugelbahnen bauen können. Feinmotorik wird trainiert, Kreativität geweckt, das Material erforscht. Die Kinder eignen sich ganz nebenbei Wissen über Schwerkraft und Statik an. 

"Anfangs werden die Kinder als Werkzeug nur ihre Finger nutzen. Merken wir jedoch, dass es womöglich Tonwerkzeug braucht, werden wir auch das zur Verfügung stellen. Die Kinder begeben sich genauso wie wir auf eine Reise. Wir wollen zu Beginn noch nicht alles festlegen und starten einen Erfahrungsprozess. Es ist unglaublich spannend zu beobachten, wie die Kinder auf unsere Angebote reagieren. Meist kommen sie auf die besten Ideen und wir adaptieren das Programm dann dementsprechend, um die Geschichten, die sie erfinden, und die Umsetzung zu unterstützen. Im Atelier wird prozessorientiert gearbeitet. Nicht ein perfektes Ergebnis ist die Hauptsache, sondern der Prozess, die Dynamik beim Werken", sagt Abgottspon. "Wenn eine Kugelbahn zu instabil ist und umfällt, macht es nichts. Die nächste wird halten. Das ist der Lernprozess. Wir trauen das den Kindern zu."

Der Indoor-Spielplatz ZOOM Ozean ermöglicht es nicht nur den Kindern, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Auch die Begleitpersonen und natürlich Abgottspon können zur Kapitänin oder zum Kapitän werden. © Bohmann/Ulrich Sperl

Kleinkinderbereich ZOOM Ozean

Ein anderes Highlight im Kindermuseum ist der sogenannte ZOOM Ozean. Er ist ein Erlebnis- und Spielbereich mit einer Unterwasserwelt, dem Ozeandampfer Famosa, einer Wellenrutsche und dem Forschungs-U-Boot. Abgottspon hat ZOOM Ozean mit ihrer Kollegin Elisabeth Limmer konzipiert und mit dem holländischen Designer Dick Heijdra umgesetzt, sodass er 2001 eröffnet werden konnte.

Abgottspon erklärt den Aufbau des Kleinkinderbereichs: "Der untere Bereich richtet sich hauptsächlich an die jüngeren, bis ca. drei Jahre alten Kinder. Hier gibt es Höhlen und bunte Objekte, die in ihrer Form und Materialität sowohl Fantasie als auch Feinmotorik anregen. Sie stellen auch nicht immer wirklich etwas Konkretes dar. Ein bunter Ball mit Glöckchen etwa kann auf verschiedenste Weise benutzt werden. Er kann Tier oder Pflanze oder einfach Ball sein, die Kinder finden selber heraus, wie man mit ihm spielt. Über eine Rampe gelangt man auf den Ozeandampfer. Hier können die Kinder in verschiedene Rollen schlüpfen, sie können am Steuerrad Kapitänin oder Kapitän sein, als Matrosinnen und Matrosen die Schiffsfracht verladen oder als Angler und Anglerinnen Fische und andere wundersame Unterwasserwesen fangen und mit dem Dampfer dann am Festland anlegen. Hier gelangt man über die Wellenrutsche wieder in einen Unterwasserbereich. Im U-Boot wird geforscht und gespielt und es können die Geschichten weitergesponnen werden." 

Tipp: Für Familien mit größeren Geschwisterkindern oder mit kleinen Babys gibt es eigene Termine. Die im Übrigen für alle Angebote des ZOOM Kindermuseums gebucht werden sollten.  

Christian Ganzer zeigt, wie man am Schnitttisch Bilder verändern, aufnehmen und in Bewegung bringen kann. Er stand übrigens lange dem ZOOM Trickfilmstudio vor. Jetzt ist er Bereichsleiter der Ausstellung und hat seine alte Funktion an Kollegin Barbara Kaiser übergeben. © Bohmann/Ulrich Sperl

Filme machen im ZOOM Trickfilmstudio

Für Kinder und Jugendliche von acht bis 14 Jahren ist das ZOOM Trickfilmstudio ein Hit. In speziellen Trickfilm- und Soundworkshops können sie in eine multimediale Welt eintauchen und sie verstehen lernen. "Was ist ein Storyboard, wie funktioniert eine Bluebox, wozu braucht man Digitalkameras, Computer, Beamer und Mikrofone beim Gestalten der Trickfilme? Auf all das wird in 90 Minuten eingegangen", sagt Christian Ganzer vom ZOOM Kindermuseum. "In diesem Fall ist nicht nur der Prozess entscheidend, sondern auch das Erfolgserlebnis am Ende mit dem fertigen Film".

Diesen können sich die Kinder und Jugendlichen dann zu Hause über den Link ansehen und herunterladen.

"Wir bemühen uns, Angebote für die Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen zu haben. Ich denke, das gelingt uns ganz gut. Darauf bin ich stolz", sagt Elisabeth Menasse-Wiesbauer abschließend. "Wie gesagt: Teamarbeit und Engagement! "

© Stadt Wien/Bohmann Verlag

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