Bei der Plastilinherstellung sind die Kinder mit allen Sinnen bei der Sache. © Bohmann

Kinder lernen mit allen Sinnen

Im städtischen Kindergarten in der Michtnergasse fördert man gezielt die Sinneswahrnehmungen der Kinder. So können sie nicht nur ihre Umwelt besser verstehen, sondern setzen auch einen wichtigen Grundstein für ihren weiteren Bildungsweg.

Das Glitzer-Plastilin ist im Kindergarten sehr beliebt. Wenn gemeinsam mit der Knetmasse herumgewerkt wird, macht das jede Menge Spaß. Es ist aber auch pädagogisch äußerst wertvoll. Das Kneten, Riechen und Formen fördert die Art und Weise, wie Kinder ihre Umwelt wahrnehmen. Im Kindergarten Michtnergasse legt man Wert auf diese Art der Bildungsförderung. Wir haben mit Kindergartenpädagogin Ingrid Stich darüber gesprochen.

CLUB WIEN: Welche Rolle spielt die Sinneswahrnehmung in diesem Kindergarten?

Ingrid Stich: Wir fördern die Kinder ganzheitlich. Das heißt, wir sprechen alle Sinne an und fördern somit ganz viele Kompetenzen. Wir lassen dies täglich in unsere Arbeit einfließen. Heute haben wir zum Beispiel Plastilin hergestellt.

Was machen Sie mit dem Plastilin genau?

Wir stellen unser Plastilin traditionell selbst her. Wir verwenden dafür ausschließlich Zutaten, die den Kindern aus dem Alltag schon vertraut sind, zum Beispiel Mehl, Salz, Zitronensäure, Wasser oder Öl. Durch Dazugeben von biologisch ätherischen Ölen, Lebensmittelfarben oder auch Glitzer werden besondere Effekte erzielt. Die Kinder können beim Herstellen der Knetmasse riechen, fühlen und schauen. Wir stellen aus vielen Zutaten ein Ganzes her, gehen sofort mitten in die Materie, brauchen weder Schere noch Kleber. Die Kinder können experimentieren, kreativ sein und Neues erforschen. Das Kneten spielt da auch eine große Rolle. Die Kinder können so austesten, wie viel Kraft sie einsetzen, und sie stärken damit gleichzeitig ihre Feinmotorik.

Gibt es noch weitere Hilfsmittel, die Sie zur Sinnesförderung einsetzen?

Natürlich. Sinnesförderung findet auch über Körperwahrnehmung statt, die vor allem in der Bewegung erlebt wird. Je besser Kinder darin geübt sind, desto besser nehmen sie ihre Umwelt wahr. Manchmal geht es aber auch darum, Hemmungen fallen zu lassen. Der Umgang mit weichen, knetbaren, auch matschigen Materialien eröffnet den Kindern ungewohnte Erfahrungen, macht sie offener für Neues und damit passiert Bildung.

Wird auch Musik eingesetzt?

Ja. Wir singen, tanzen und musizieren mit den Kindern. Beim Singen erleben wir uns als Gemeinschaft. Das macht den Kindern sehr viel Spaß und sie fordern das auch immer wieder.

Wie profitieren die Kinder davon?

Die Kinder sollen sich spüren und erleben, wie sie zum Beispiel nur mit Tasten und Riechen unterschiedliche Dinge erkennen können, obwohl sie sie gerade nicht sehen. Dabei sensibilisiert das Kind seine Wahrnehmung für die Umwelt und macht wichtige Lernerfahrungen. Das ist ein wesentlicher Grundstein für die gesamte weitere Bildung. Die Kinder erfahren hier unterschiedliche Dinge und setzen daraus ihr Wissen über die Welt zusammen. Wenn wir zum Beispiel das Plastilin hernehmen fördern wir auch gleich die Sprachkompetenz. Wir beschreiben, was wir tun, benennen Gefühle oder, wenn wir zum Beispiel Salz in das Plastilin mischen, bezeichnen wir es als feinkörnig oder grobkörnig. Dadurch erweitert sich der Wortschatz. Wir lassen auch englische Sprache einfließen. Am Ende der Kindergartenzeit soll aus all diesen vielen Erlebnissen und Erfahrungen eine gute Basis für den weiteren Bildungsweg entstanden sein. Meine Aufgabe ist, die Kinder dabei zu begleiten und sie in allen einzelnen Bereichen zu fördern.

Wie man sieht, nehmen die Kinder das sehr gut an.

Ja, die Kinder sind mit Begeisterung dabei und lieben es, gemeinsam etwas herzustellen. Sie bringen auch viele eigene Ideen ein und sind kreativ. Die Kinder lernen durch das Spiel und darum ist uns wichtig, dass sie in die Materie eintauchen und Bausteine für ihr Leben sammeln.

Wie ist der allgemeine Tagesablauf im Kindergarten?

Wir beginnen um 6.30 und schließen um 17.30 Uhr. Die erste Phase des Tages dient dem Ankommen und Orientieren. Die Kinder wählen Spiele, Spielpartnerinnen und Spielpartner und finden ihre Freundinnen und Freunde. Als Nächstes gibt es ein Gabelfrühstück zur Stärkung. In Kinderkonferenzen planen wir gemeinsam mit den Kindern unsere Vorhaben. Wir beziehen alle mit ein. Danach können die Kinder aus verschiedenen Aktivitäten wählen, was sie gerne machen möchten, und sich in unterschiedlichen Gruppen aufhalten. Nach dem Mittagessen gibt es eine Ruhephase und am Nachmittag lassen wir den Tag gemeinsam ausklingen. Wichtig ist: Bei jeder Aktivität ist Interesse, Neugier und Freude dabei und damit passieren Lernen und Bildung ganz von selbst.

Wie lange sind Sie schon Pädagogin?

Mittlerweile seit 25 Jahren. Ich habe immer mit Kindern gearbeitet, auch in unterschiedlichen Altersgruppen, hauptsächlich aber mit Kindern von drei bis sechs Jahren. An diesem Standort bin ich von Beginn an, seit der Kindergarten 2007 eröffnet worden ist.

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