Das quartier21 befindet sich hinter der barocken Fassade des Fischer-von-Erlach-Traktes und ist Teil des MuseumsQuartiers. © Peter Korrak

Quartier für Gegenwartskultur

Das quartier21 bietet Platz für Kulturinitiativen, internationalen Austausch und neue Kunstsparten. inwien.at hat eine Reise durch das bunte Kulturangebot im historischen Barocktrakt des MuseumsQuartiers unternommen.

Bunt, vernetzt und kritisch, so ist die Kultur des 21. Jahrhunderts. Und so ist das quartier21, kurz Q21, das auf über 7.000 Quadratmetern innerhalb des MuseumsQuartiers rund 50 Initiativen, Vereinen, Agenturen und Redaktionen aus dem Kulturbereich Platz bietet. Dabei trifft alt auf neu, denn die zeitgenössischen Kultureinrichtungen sind im 1725 erbauten barocken Fischer-von-Erlach-Trakt untergebracht. Hinter der ockerfarbenen Fassade wird zeitgenössische Kultur präsentiert und geschaffen. Denn das Q21 bietet den kleinen und mittelgroßen autonomen Kulturinitiativen nicht nur Ausstellungsraum, sondern auch Platz zum Arbeiten. Ihnen wird etwa ein ermäßigter Mietzins geboten.

Bei einem Spaziergang durch das Q21 besuchen wir das Büro des Kurzfilmfestivals VIS Vienna Shorts, einer international erfolgreichen Kulturinitiative, sprechen mit einem Medienkünstler aus dem Artist-in-Residence-Programm, erkunden die Ausstellung im frei_raum und spazieren die Electric Avenue entlang. Besucherinnen und Besucher können sich auf die Spuren unserer Reise begeben oder ihr eigenes Q21 entdecken. Nach Anmeldung unter Q21toursatmqw.at werden Führungen durch die Büros und Schauräume sowie Gespräche mit den Künstlerinnen und Künstlern des Q21 geboten. 

Benjamin Gruber und Daniel Ebner stehen für das Team hinter dem Vienna Independent Shorts Festival, das über die Jahre immer größer und erfolgreicher geworden ist. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Platz zum Wachsen

Die Vienna Shorts, die bisher als Vienna Independent Shorts bekannt waren, keimten als zartes Pflänzchen in einem 20 Quadratmeter großen Büroraum des Q21. Der Name ist kürzer geworden, das Festival ist gewachsen. Aktuell ist die Planungszentrale des internationalen Festivals für Kurzfilm, Animation und Musikvideo auf nunmehr 100 Quadratmetern direkt über dem Haupteingang des MuseumsQuartiers untergebracht. Seit diesem Jahr ist es das erste Oscar® Qualifying Festival Österreichs. Für Geschäftsführer Benjamin Gruber und den Künstlerischen Leiter Daniel Ebner ist das Ehre und Herausforderung zugleich: "Seit dem ersten Festival 2004 werden jedes Jahr sehr viele Kurzfilme aus der ganzen Welt bei uns eingereicht, zuletzt im Schnitt 3.500. Alleine ihre Sichtung dauert etwa ein halbes Jahr. Und wir denken, dass es heuer deutlich mehr werden." In den verwinkelten Büroräumen und gemütlichen Nischen wird schon gesichtet, geplant und organisiert. Es müssen 300 Kurzfilme ausgewählt, zu einem stimmigen Programm zusammengefasst, internationale Gäste geladen, Sponsoren kontaktiert und eine passende Location gesucht werden, bis es dann endlich im Frühling heißt: Film ab!

Als besonders schön und intensiv erleben Gruber und Ebner die Zeit, wenn die internationalen Gäste des Vienna Independent Shorts Kurzfilmfestival ankommen und sie ihre Stadt vorstellen können: "Wien hat kulturell viel zu bieten. Das macht einen Teil des Erfolgs von VIS aus. Genauso wie der Standort Q21, der es uns ermöglicht, internationale Künstlerinnen und Künstler im Rahmen des Programms Artist-in-Residence einzuladen."

Der Medienkünstler aus Montenegro, Siniša Radulović, ist Artist in Residence im Q21. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Das Artist-in-Residence des Q21 ist ein internationales Künstlerstudioprogramm, das in Zusammenarbeit mit privaten Sponsorinnen und Sponsoren finanziert wird. Internationale Künstlerinnen und Künstler werden auf Anfrage der ansässigen Kulturinitiativen eingeladen. Sie können rund zwei Monate in einem von neun Studios leben und arbeiten. Etwa im Studio West Balkan, in dem der Künstler Siniša Radulović aus Montenegro residiert. Radulović ist auf Einladung des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres im MuseumsQuartier. Im hellen und großzügigen Wohnbereich befinden sich nur ein Bett, ein Stuhl und ein Schreibtisch. Nichts zu sehen von Leinwänden, Pinseln oder Farbklecksen. Radulović ist Medienkünstler und arbeitet fast ausschließlich an seinem Laptop, neben dem einige dicht beschriftete Notizzettel liegen. Darauf sind Ideen zu seinem Video-Projekt, das die historischen Verbindungen zwischen seiner Heimat und Österreich aufzeigt. Mit seiner Videokunst schafft Radulović ein fiktives hybrides Land, das er in der Gegenwart ansiedelt und gleichzeitig Gesellschaftskritik betreibt. "Montenegro ist ein kleines Land, das nicht Teil der Europäischen Union ist. Wir sehen Europa, können aber nicht daran teilhaben. Es ist, wie wenn ich aus diesem Fenster schaue. Die belebte Straße scheint so nahe zu sein und doch sitze ich im zweiten Stock und könnte nicht hinaus." Am Studio des Q21 schätzt er die Abgeschiedenheit bei zentraler Lage: "Das MuseumsQuartier ist im Herzen Wiens. Gleichzeitig ist es ein Ort der Kultur, an dem man sich sehr gut vernetzen kann." Etwa mit anderen Artist in Residence wie dem bulgarischen Künstler Dimitar Solakov, der an der Ausstellung im frei_raum Q21 beteiligt ist.

Kurator Walter Seidl vor dem Billboard des Künstlers Halil Altındere. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Kunst braucht Freiraum

*What is left? ist der Titel der Gruppenausstellung im frei_raum Q21, die sich mit gesellschaftlichem Ungleichgewicht und aktuellen Krisen auseinandersetzt. Der ehemalige Artist in Residence Dimitar Solakov thematisiert etwa das Verfälschen historischer Bauwerke in Bulgarien. Jan De Cock setzt sich mit der häufig prekären Situation von Künstlerinnen und Künstlern auseinander. Der türkische Künstler Halil Altındere kritisiert mit dem Billboard "Köfte Airlines" die abwehrende Haltung gegenüber Flüchtlingen.

Nationalflaggen von Staaten, die es nicht mehr gibt. Künstler Nasan Tur verweist auf die Veränderung von Landkarten und den Wechsel politischer Identitäten. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Kurator Walter Seidl erklärt das Konzept der Gruppenausstellung: "Der Titel 'What is left' hat eine doppelte Bedeutung. Er fragt danach, was nach den vielen Krisen übrig geblieben ist und gleichzeitig nach einer Antwort einer linken Bewegung auf diese Krisen.“ Die Ausstellung der neun internationalen Künstlerinnen und Künstler wird noch bis 20. November im frei_raum Q21 bei freiem Eintritt zu sehen sein. Auch der Name des Ausstellungsraumes gegenüber vom Leopold Museum ist ein Wortspiel. "Nicht umsonst ist der Eintritt in den frei_raum Q21 barrierefrei und kostenlos", schmunzelt Seidl. 

Jede Farbe des Electric-Avenue-Leitsystems führt zu einer Kulturinstitution mit einem passenden Schwerpunkt. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Die Wege der Kunst

Die Electric Avenue im rechten Flügel des Fischer-von-Erlach-Trakts zieht sich über etwa 60 Meter. Auf ihrem dunklen Boden glitzert ein Leitsystem, das an die verpixelte Grafik der ersten Computer erinnert. Die bunten und geschwungenen Linien führen zu verschiedenen Künstlerbüros, Ausstellungsflächen, Archiven, Shops und dem Veranstaltungsraum "Raum D/Q21", die auf etwa 576 Quadratmeter in verglasten Räumen Platz finden. Jede Farbe entspricht einem Themengebiet, mit dem sich die Kulturschaffenden identifizieren. Weiß steht für Musik, Schwarz für Netculture und Rot für Kunst. Der rote Strang führt etwa zur Jan Arnold Gallery. Was Designer Kevin Klein dort ausstellt, ist keine Mode: "Das sind Objekte und keine Gebrauchsgegenstände. Um das zu verdeutlichen, bin ich dazu übergegangen, die Kleidungsstücke mit Stecknadeln zu fixieren, anstatt sie zusammenzunähen." Die Sakkos, T-Shirts und Hemden sind übersät mit bunten Schriftzügen. Durch das bunte Zusammenwürfeln von Logos global agierender Marken und ihr Anbringen auf gebrauchter Kleidung wird ihre Wirkung reflektiert. "Mir geht es um Selbstermächtigung der einzelnen Individuen gegenüber der Macht von Geld und Märkten", so Kevin Klein.

Designer Kevin Klein macht mehr als Mode. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Ab 6. Oktober wird die Wiener Künstlerin Nora Schindler ihre Werke in der "Jan Arnold Gallery" präsentieren. Die Galerie sorgt für Abwechslung auf der Electric Avenue mit Angeboten von konzeptionellen Gruppenausstellungen bis hin zu internationalen Einzelpositionen. Weiters lockt das EIKON-Schaufenster der gleichnamigen Zeitschrift mit öffentlich und frei zugänglicher Foto- und Medienkunst. Gamerinnen und Gamer können sich im SUBOTRON mit der Bedeutung von Kunst in digitalen Spielen auseinandersetzen. Die Spielarten des Animationsfilms werden auf der Präsentationsfläche der Asifa Austria behandelt. Der SchauRAUM Angewandte eröffnet Besucherinnen und Besuchern einen Blick auf die Medienkunst der Lehrenden sowie Absolventinnen und Absolventen der Universität für angewandte Kunst Wien. Die Ausstellungen und Veranstaltungen in den kreativen Schaffensräumen rund um die Electric Avenue wechseln monatlich. 

In den Passagen des Q21 gibt es einiges zu entdecken. © Pilo Pichler

Mikromuseen in Passagen

Das Q21 ist ein kleinteiliges und durchlässiges Kulturuniversum. Das zeigt sich vor allem an den sechs MuseumsQuartier-Passagen. Die Eingänge in das MuseumsQuartier und Durchgänge zwischen den Höfen sind Künsten gewidmet, die in klassischen Museen noch zu wenig Beachtung finden. Die KABINETT comic passage, die LITERATURpassage, die Meteoritenpassage, die STREET ART PASSAGE, die Typopassage Wien und die TONSPUR_passage laden als Mikromuseen zum Entdecken ein. Wir verlassen die bunte Welt des Q21 durch die Meteoritenpassage und empfehlen einen Besuch in den Kulturkosmos des 21. Jahrhunderts. 

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