Orgelbaulehre
Martin Parzer (rechts) tritt in die Fußstapfen seines ehemaligen Berufsschullehrers Ulrich Riediger. Im Hintergrund: Eine Kappellenorgel des österreichischen Meisters Philipp Eppl von 1957, die einst im Gymnasiums Boerhaavegasse stand. An dem Instrument wurde ein Jahr gearbeitet. © Bohmann/Bubu Dujmic
Orgelbaulehre
Mit dem Reduktionszirkel kann der Klang der einzelnen Pfeife angepasst werden. Diese Arbeit wird stets mit Handschuhen verrichtet, damit die Pfeifen aus einer Zinn-Bleilegierung nicht matt werden. © Bohmann/Bubu Dujmic
Orgelbaulehre
Julian und Martin stellen Pfeifenbretter her. © Bohmann/Bubu Dujmic
Orgelbaulehre
Veronika, die bereits eine Ausbildung als Kindergärtnerin hinter sich hat, und Saskia beim Polieren eines Holzteiles. © Bohmann/Bubu Dujmic
Orgelbaulehre
Das Tischmodell spielt 33 Töne. © Bohmann/Bubu Dujmic
Orgelbaulehre
Lehrer Parzer räumt das Intonierwerkzeug in die entsprechende Lade. © Bohmann/Bubu Dujmic
Orgelbaulehre
Einzelne Teile des barocken Blasebalgs wurden seinerzeit mit Notenblättern aus der Gotik verbunden. © Bohmann/Bubu Dujmic

Meisterlich im Orgelbau

Orgelbau ist einer von rund 200 Lehrberufen, die in Österreich angeboten werden. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Diese erfolgt in der Berufsschule für Holz, Klang, Farbe und Lack und umfasst auch Werkstättenarbeit.

Es riecht intensiv nach Holz, Leim und Antikwachs. Die 20-jährige Veronika Kocher poliert mit einem Lappen die Oberfläche eines Bretts. Ihre Kollegin Saskia Wimmer, 24, geht ihr dabei mit einem Föhn zur Hand. Durch die Wärme kann das Wachs besser ins Holz eindringen, wird dadurch widerstandsfähiger und sieht glänzend aus. Auch Julian Höfle, 18, und Martin Behringer, 22, sind kräftig bei der Arbeit. Mit Bohrer und Säge bewaffnet, stellen sie so genannte Pfeifenbretter aus Holz her, die bei Restaurierungen alter Orgeln zum Transport der einzelnen Pfeifen benötigt werden.

Hängeschränke
In Hängeschränken sind Holzbearbeitungswerkzeuge untergebracht. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Berufsschule für Holz, Klang, Farbe und Lack

An den Wänden des Werkstättenraums sind Hängeschränke befestigt. Sie beinhalten Werkzeuge wie Hobel, Hammer, etliche Stemmeisen und Zangen. In anderen Schränken finden sich Geräte zum Stimmen oder zum Messen. Die Tafel, klassisch grün wie in einer "normalen" Schule, ist mit verschiedenen physikalischen Rechnungen beschrieben. Mehrere alte Orgelteile stehen rund um eine Handvoll Hobelbänke. Obwohl hier offensichtlich intensiv gewerkt wird, ist es sauber und ordentlich. Abgesehen vom Brummen des Bohrers und dem Rauschen des Föhns ist es im Raum leise. Gesprochen wird kaum. Die vier jungen Auszubildenden wissen genau, was zu tun ist. Sind sie doch bereits im letzten Jahr ihrer dreieinhalbjährigen Orgelbau-Lehre. 31 Wochen dieser Zeit verbringen die Lehrlinge in der Berufsschule für Holz, Klang, Farbe und Lack, HKFL, in der Hütteldorfer Straße in Rudolfsheim-Fünfhaus. Unweit von der Wiener Stadthalle gelegen, ist diese eine von drei Berufsschulen im 2. Zentral-Berufsschulgebäude.

"Wien als Musikwelthauptstadt leistet sich eine eigene Schule für Instrumentenbau. Neben Orgelbau können auch noch Klavierbau, Holz- oder Blechblasinstrumentenerzeugung, Harmonikamacherei sowie Streich- und Saiteninstrumentenerzeugung erlernt werden. Unsere Schülerinnen und Schüler kommen aus ganz Österreich zu uns, um ergänzend zu ihrer betrieblichen Ausbildung ihre Kenntnisse und Fertigkeiten zu intensivieren", sagt Fachlehrer und Orgelbaumeister Ulrich Riediger. Er lehrt seit 29 Jahren am Standort.

Handwerkliches Geschick und theoretisches Wissen

Neben den handwerklichen Fähigkeiten, die in der Werkstatt trainiert werden, gibt es eine Reihe von theoretischen Fächern. In "Technologie" werden die Eigenschaften verschiedener Materialien, von Holz über Leime und Lacke, vermittelt. In "Werkzeugkunde" geht es um Unfallverhütung und den richtigen Einsatz beziehungsweise Umgang mit der Gerätschaft. Darüber hinaus wird "Angewandte Mathematik" und "Angewandte Physik" gelehrt. "Da sind etwa Materialbedarfs- oder Statikberechnungen Thema. Eine zwölf Meter hohe Orgel mit 30 Tonnen muss ja standhalten können. Und ich muss für die Kostenberechnung vorab wissen, wie viel Holz ich benötige", sagt Riediger. Im Fach "Akustik" werden die physikalischen Grundlagen zur Klangerzeugung erklärt. "Computergestütztes Fachzeichnen" beinhaltet das Erstellen von Bauplänen mit CAD-Programmen. In "Musiklehre" wie auch "Instrumentenkunde" soll ein gewisser genereller Überblick in die Welt der Instrumente, Musiktheorie und des Orgelbaus im Speziellen verschafft werden. Zudem gibt es natürlich auch einige kaufmännische Fächer zur Vermittlung von Buchführung und Co. Riediger: "Die Schülerinnen und Schüler können bei uns tief eintauchen in die Kunst des Instrumentenbaus. Wir Lehrkräfte nehmen unsere Aufgabe ernst."

 

 

Tischorgel
Martin und Julian (von links) probieren den an der Schule gebauten Nachbau einer gotischen Tischorgel aus. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Modell einer historischen Tischorgel

Mittlerweile haben Julian und Martin ihre Arbeit mit den Pfeifenbrettern zu Ende gebracht. Julian ist übrigens, wie die meisten Orgelbau-Schülerinnen und -Schüler, mehr oder weniger zufällig zu dieser Lehre gekommen. "Dort, wo ich herkomme, aus einem Ort bei Dornbirn in Vorarlberg, gibt es in der Nähe eine Orgelbaufirma. Da habe ich dann einfach ein Schnupperpraktikum gemacht. Und weil es mir gefiel, habe ich mich schließlich für den Beruf entscheiden", sagt er. Bei Martin war das ein wenig anders. "Die Verbindung zwischen Technik und Musik fasziniert mich schon lange. Orgelspiel habe ich in der Schule gelernt. Das Instrument hat mich irgendwie immer angezogen", erzählt er und widmet sich konzentriert dem Bau eines Schnittmodells einer kleinen Tischorgel. Dieses zeigt das sonst versteckte Innenleben einer Orgel, veranschaulicht die Entstehung eines Tones beziehungsweise den Weg des Luftstromes von Balg über die Ventile zu den Pfeifen. "Hergestellt haben dieses Modell einer historischen Tischorgel 36 Schülerinnen und Schüler des jeweils zweiten und dritten Lehrjahres", sagt Riediger. "Es besteht aus exakt 1.265 Einzelteilen, wiegt elf Kilogramm, hat zwei dreifaltige Keilbälge und einen Umfang von 33 Tönen. Es ist eine gute Arbeit geworden, die natürlich ab und an wieder etwas restauriert gehört. Restauration ist ja ein großer Bereich im Orgelbau."

 

 

Intonierlade
Saskia (links) und Veronika trainieren das Stimmen an der Intonierlade. © Bohmann/Bubu Dujmic

Bis der Ton entspricht

Auch Veronika und Saskia haben ihren Teil, der später an dem Tischorgel-Modell montiert wird, fertig poliert und wenden sich dem gemeinsamen Orgelstimmen zu. Trainiert wird das an der sogenannten Intonierlade, einer gehäuselosen Orgel, die in einem Nebenraum untergebracht ist. Das Stimmen ist eine Arbeit, die stets zu zweit erledigt werden muss. Denn auf der einen Seite muss die Taste gedrückt werden und auf der anderen Seite wird die Pfeife gestimmt, bis der Ton entspricht.

Orgelbaulehrer Martin Parzer beobachtet seine Schützlinge dabei genau. Er ist seit Jänner 2017 als Lehrer an der Schule. Wie auch schon Riediger wurde Parzer von seinem ehemaligen Meister zum Unterrichten überredet. "Konzentration, Geduld, handwerkliches Geschick, Liebe zum Instrument, Hingabe, ein gewisses Gefühl für Klänge gepaart mit dem Talent, Wissen weitergeben zu können, bringen nicht viele mit. Bei Martin Parzer habe ich aber vollkommenes Vertrauen", sagt Riediger. "Es ist eine spannende Arbeit. Vor allem, weil jede und jeder der Auszubildenden komplett unterschiedliche Zugänge zum Instrument hat. Da gibt es Personen, die schon eine andere Lehre hinter sich haben, Maturantinnen und Maturanten, Pflichtschulabgängerinnen und -abgänger oder fertige Akademikerinnen und Akademiker. Sie sind ganz jung oder schon rund um die 30 Jahre alt", ergänzt Parzer. Riediger dagegen ist als 17-Jähriger bei einer Fahrradtour durch Österreich auf die Orgel gestoßen. "In einer Kirche war das. In welcher, das weiß ich nicht mehr. Da habe ich eine ganz große Orgel bestaunt. Mächtig, prächtig, stimmgewaltig. Da war es um mich geschehen. So wurde aus dem Bub, der keine Ahnung hatte, was er mit seinem Leben anfangen sollte, ein zielstrebiger Orgelbaulehrling", erzählt er.

Ein ganzes Jahr lang

Der Weg von der Idee zur Orgel ist mitunter länger. Je nach Größe des angestrebten Instruments. Bei einer Orgel wie jener, die als größte in der Werkstatt aufgestellt ist, können schon drei bis vier Personen ein Jahr lang arbeiten. Da gilt es noch vor dem ersten handwerklichen Handgriff zuerst die Idee auszuformulieren, Kalkulationen und Bedarfsrechnungen durchzuführen oder Pläne zu erstellen. Erst danach geht es ans eigentliche Material. Das Besondere dabei ist, dass der Orgelbau Teile vieler verschiedener Berufe umfasst. Eine Tatsache, die viele unterschiedliche Spezialisierungen ermöglicht. Fertigkeiten aus der Tischlerei, der Metallverarbeitung, der Architektur, der Elektronik, der Drechslerei, Buchbinderei, Mechanik, der Elektronik oder der Akustik sind Teile des Berufsbilds. "Man muss von allem ein bisschen können. Das macht es spannend", sagt Riediger, der jeder und jedem seiner Schülerinnen und Schüler empfiehlt, nach der Ausbildung einige Jahre auf "Wanderschaft zu gehen". Riediger: "Erfahrungen sammeln ist das A und O."

 

 

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