Brigitte Vogt, Genderexpertin von der wienXtra-kinderinfo, gibt Eltern Tipps zur gendersensiblen Erziehung. © Bohmann/Katrin Bruder

Typisch Mädchen, typisch Bub?

Was ist eine geschlechtersensible Erziehung und wozu braucht man die? inwien.at hat mit Brigitte Vogt, Genderexpertin von der wienXtra-kinderinfo gesprochen.

Brigitte Vogt: Mädchen ist nicht gleich Mädchen. Bub ist nicht gleich Bub. Sondern: Jedes Kind hat eigene Charakterzüge, Talente, Bedürfnisse und Vorlieben. Eltern sollten nicht das Geschlecht sehen, sondern das individuelle Kind. Sie sollten die Bedürfnisse des Kindes erkennen und richtig einordnen. Klischeehafte Vorstellungen, wie ein Mädchen, wie ein Bub zu sein hat, was sie oder er zu tun hat, schränken ihre beziehungsweise seine Handlungsspielräume ein. Je unvoreingenommener es Eltern gelingt, sich auf ihre Kinder einzulassen, umso besser. Denn Erwartungen und Vorstellungen, wie Kinder sein sollten, haben zumeist schlechten Einfluss auf ihre Entwicklung und den Selbstwert der Kinder. Kinder können sich in weiterer Folge nicht frei entfalten.

inwien.at: Gibt es typisch Mädchen, typisch Bub?

In vielen Köpfen gibt es nach wie vor dieses Bild: Mädchen sitzen ruhig an einem Tisch und basteln oder malen. Sie sind brav, sozial, sie können besser lesen und schreiben. Sie interessieren sich nicht für Technik. Das schlägt sich auch in dem Mädchen zugedachten Spielzeug nieder. Beispielsweise sind Bausteinsets rosa oder lila gehalten und enthalten auch weniger Teile, die die Kinder zusammenbauen müssen. Den Buben hingegen wird zugeschrieben, dass sie wilder und handlungsorientiert sind und sich mehr trauen. Sie haben mutmaßlich mehr Durchsetzungsvermögen, lieben Wettbewerbe, sind besser in Mathematik, interessieren sich für Technik und Fußball. Hier liegt es an den Eltern herauszufinden: Was will mein Kind, unabhängig von seinem Geschlecht? Was sind seine Interessen und Fähigkeiten? Was kann ich ihm anbieten, auszuprobieren? 

Haben Sie Tipps für Eltern, wie eine gendersensible Erziehung gelingen kann?

Ich empfehle Eltern, zunächst einmal darüber nachzudenken, welche Rollenbilder sie selbst im Kopf haben. Welche Erwartungen haben sie an ihr Mädchen, an ihren Buben? Weiters sollten sie die eigene Lebenssituation überdenken und sich etwa fragen: Wer bleibt mit dem Kind zu Hause? Wer erledigt die Hausarbeit? Wie fix sind diese Rollen verteilt? Welche Vorbilder gibt es für das Kind? Wie ist mein Freundinnen- und Freundeskreis? Gibt es hier andere Familienformen, werden dort Geschlechterrollen anders gelebt? Bei der geschlechtersensiblen Erziehung dürfen auch Mädchen wild sein, sich schmutzig machen, auf einen Baum klettern, technische Spiele spielen. Buben dürfen Gefühle zeigen, mit Puppen spielen, sich als Prinzessin verkleiden, lange Haare haben und sich nicht schmutzig machen wollen.

Eltern können Kinderlieder, Kniereiter oder Abzählreime geschlechtssensibel formulieren, je nachdem, ob sie sie einem Buben oder einem Mädchen vorspielen oder vorsingen. Die zehn kleinen Zappelmänner zappeln auf und nieder. Die Zappelmänner können ganz einfach durch Zappelfrauen ersetzt werden. Oder: Steigt ein Bübchen auf den Baum, steigt so hoch, man sieht es kaum, kann auch ein Mädchen sein. Oder: Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder. Den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter. Es kann auch ein Vater sein. Auch Bilderbücher und Filme, die keine klassische Rollenverteilung oder Familienformen zum Thema haben, sind eine gute Möglichkeit, andere Erfahrungen zu etablieren.

Wie bringen Sie in der wienXtra-kinderinfo den Eltern die geschlechtersensible Erziehung näher?

Wir haben immer wieder Anfragen zu diesem Thema. Oft kommen sie von Eltern, die bereits auf das Thema sensibilisiert sind. Sie wollen sich etwa über Kinderbetreuungseinrichtungen mit Schwerpunkt geschlechtersensible Pädagogik informieren oder sie fragen nach Buchtipps. Andere Eltern werden durch unseren Infotisch, den wir mehrmals im Jahr zum Thema geschlechtersensible Erziehung aufbauen, aufmerksam. Sie fragen dann interessiert oder auch kritisch nach: Warum empfehlt ihr dieses Buch? Selbstverständlich achte ich auch in meiner Beratung auf gendergerechte Sprache und genderneutrale Angebote. Wenn beispielsweise eine Mutter kommt und Freizeittipps für ihren Vierjährigen möchte, schlage ich auch tanzen vor und nicht nur Fußball spielen.

Das Team der wienXtra-kinderinfo berät zu geschlechtersensiblen Kinderbüchern, Reime, Liedern und Fingerspielen. © Bohmann/Katrin Bruder

Buchtipps

Anne-Kathrin Wieland-Beln: Matze vor, tanz ein Tor!, Atlantis Verlag, 2014
ISBN-13: 978-3715206752

Matze spielt gern mit seinem Freund Emil. Aber noch lieber tanzt Matze Ballett.
 "Ballett ist was für Mädchen!", finden die anderen Buben. Sie trainieren für ein wichtiges Fußballspiel. Am großen Tag steht Matze am Spielrand und schaut zu. Dann wird der beste Stürmer verletzt vom Platz getragen und ausgerechnet Matze, der Angst vor dem Ball hat, soll einspringen. Matze tänzelt über den Platz und mit seinen Ballettkünsten trickst er die Spieler der Gegenmannschaft aus. 



Mary Hoffman, Ros Asquith: Du gehörst dazu: Das große Buch der Familien, Fischer-Sauerländer, 2013
ISBN: 978-3-7373-6405-8 (vom Verlag empfohlen ab 4 Jahren)

Eine typische Familie in Kinderbüchern schaute früher so aus: Vater, Mutter, Kinder, dazu Hund oder Katze, leben gemeinsam in einem Haus mit Garten. Heute gibt es vielfältige Formen von Familie. Manche Kinder leben nur mit ihrer Mama oder nur mit ihrem Papa zusammen. Manche Familien leben in großen Häusern oder in winzigen Wohnungen. Manche fahren in den Ferien weit weg in ferne Länder, andere machen Urlaub zu Hause. Ein farbenfroher, multikultureller Überblick über den Facettenreichtum unserer Gesellschaft.

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