Kindergartenleiterin Ilse Appel (re.) und Kindergartenpädagogin Susanne Langer lesen den Kindern Bücher vor, die unterschiedliche Rollenbilder zeigen. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Mehr Spiel-Raum für alle Kinder

In den städtischen Kindergärten ist „Gendersensible Pädagogik“ Teil der Bildungsarbeit, so beispielsweise auch im städtischen Kindergarten in der Dadlergasse 16.

"Gendersensible Pädagogik beschreibt vor allem die Haltung der Pädagoginnen und Pädagogen gegenüber den Kindern", erklärt Ilse Appel, Leiterin des Kindergartens. Das Ziel ist: mehr Spielraum für alle. Die Kinder können alles tun, denken und werden, was ihnen individuell entspricht, unbeeinflusst von einschränkenden Geschlechtsstereotypen.

In den sechs Gruppen des Kindergartens in der Dadlergasse arbeitet ein Team aus 20 Pädagoginnen und zwei Pädagogen. "Wir arbeiten sehr gut zusammen. Alle haben eine sehr offene und wertschätzende Haltung den Kindern gegenüber. Wir sehen uns als Begleiterinnen und Begleiter der Kinder im Bildungsprozess. Wir fördern neutrales Denken und Handeln, bei dem kein Geschlecht bevorzugt wird", sagt die Leiterin. Ilse Appel ist wichtig, dass im Team viel reflektiert wird. Deshalb gibt es auch einen pädagogischen Tag zum Thema "Gendersensible Pädagogik". Appel: "Beim letzten Mal wurde beispielsweise diskutiert, wie man im Garten gleiche Möglichkeiten für alle Kinder schaffen könnte. Sobald wir im Garten sind, nehmen die Buben sofort alle Fahrzeuge in Beschlag. Deshalb haben wir uns überlegt, dass die Mädchen ein Mal pro Woche eine Viertelstunde früher hinausgehen. Mädchen hingegen besetzen sofort die Schaukeln. Sie bekommen nun hin und wieder die Aufgabe 'Such dir einen Freund, mit dem du zur Schaukel gehst'. Wenn man sich manches bewusst macht, kann man es beeinflussen."

Buben und Mädchen spielen im Kindergarten oft gemeinsam. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Um gendersensibel arbeiten zu können, braucht es im Kindergarten mehrere Faktoren. Dazu gehören die Haltung des Personals, das Raum- und Gruppenkonzept, das verwendete Material, die geschlechtergerechte Sprache und die Zusammenarbeit mit den Eltern. Im Kindergarten Dadlergasse leben die Pädagoginnen und Pädagogen den Kindern unterschiedliche Rollenbilder vor. Appel erklärt: "Viele unserer Kinder kommen aus Familien mit sehr traditionellen Geschlechterrollen. Manche Buben sind es nicht gewöhnt, hauswirtschaftliche Tätigkeiten, wie Besteck-Wegräumen oder Tisch-Abwischen, zu verrichten. Hier im Kindergarten werden sie sanft in die neue Situation begleitet. Was zu Hause die Mama macht, verrichtet hier ein Pädagoge. Das erleben die Kinder als ganz selbstverständlich und sie machen es einfach nach."

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Raumgestaltung. Im Kindergarten gibt es ein offenes Raumkonzept. Statt in einer klassischen Puppen- oder Bauecke befinden sich die Spielsachen wie Bausteine, Holzeisenbahn oder Puppen in neutralen Rollcontainern. Der Gruppenraum ist so gestaltet, dass alles an jedem Ort gespielt werden kann. Die Buben sitzen daher nicht nur in der Bauecke und die Mädchen bei den Puppen, sondern die Kinder sind immer durchmischt und spielen gemeinsam.

Mit der großen Ritterburg spielen alle Kinder gern. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Im Kindergarten Dadlergasse wird auch viel Wert auf die Auswahl der Materialien gelegt. "Wir verwenden hochwertiges, vielseitiges und geschlechtsneutrales Material. Das wechseln wir immer wieder aus, um den Kindern neue Impulse zu bieten.  Bei Büchern oder Spielen achtet die Kindergartenleiterin auf die Dekonstruktion von Rollenstereotypen.  Zum Beispiel gibt es ein Memory mit Berufen, in dem auch Polizistinnen, Feuerwehrfrauen und Krankenpfleger vorkommen, oder Bücher mit Burgfrauen, Tänzern und Hausmännern.

Am Standort sind die Kinder zwar einer Gruppe zugeteilt, können sich aber frei zwischen den einzelnen Gruppenräumen und dem Essensraum bewegen. In jedem Gruppenraum befindet sich neben der Tür eine Magnettafel. Auf dieser sind alle Räumlichkeiten des Kindergartens abgebildet, daneben hat jedes Kind einen Sticker mit einem Foto von sich. Wenn ein Kind den Raum verlässt,  pinnt es seinen Sticker an den Ort , zu dem es geht: beispielsweise in eine andere Gruppe, zum Bällchenbad, zum  Konstruktionsbereich, in den Essensraum oder in den Garten. Selbstständigkeit wird dadurch gefördert.

Auch ein Picknick veranstalten Mädchen und Buben gerne gemeinsam. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die geschlechtergerechte Sprache. Appel: "Wir setzen Sprache sehr bewusst ein. Ich spreche etwa von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und beziehe in der Kommunikation mit den Eltern immer beide mit ein."

Manche Eltern präsentieren vor allem ihre Mädchen sehr klischeetypisch. Sie tragen etwa hübsche Kleider oder kunstvolle Frisuren. Appel erklärt: "Wir vermeiden es, im Kindergarten die Kinder auf Äußerlichkeiten anzusprechen. Ich sage bei der Begrüßung nicht 'Du hast heute aber ein schönes Kleid an', sondern frage 'Wie geht es dir, hast du gut geschlafen?'"

Auch den Eltern wird der gendersensible Schwerpunkt vermittelt. Dazu gibt es eigene Elternabende, bei denen das Konzept erklärt wird. Appel meint: "Die Eltern sind sehr interessiert." Um die Väter noch stärker in den Kindergartenalltag einzubinden, nimmt der Kindergarten Dadlergasse am "Papa macht mit"-Projekt des Männergesundheitszentrums teil. Die Väter werden zu Väterabenden in den Kindergarten eingeladen, wo sie gemeinsam mit ihren Kindern etwas gestalten. In der Adventzeit stand etwa das Keksebacken auf dem Programm, nun werden Fahrradständer aus alten Paletten gebaut. Appel meint: "Der Zuspruch ist überwältigend. Es haben sich viel mehr Väter angemeldet, als ich erwartet habe. Und sie haben viele eigene Ideen eingebracht."

"In unserer Arbeit ist es uns wichtig, die Kinder bei ihrem selbstständigen Handeln zu begleiten und ihre Selbstkompetenz zu stärken", sagt Kindergartenpädagogin Susanne Langer. Grundsätzlich  beobachtet Langer Unterschiede in den Geschlechtern. "Wenn man das Rollenklischee bedienen will, kann man sagen, die Buben brauchen viel Raum, sie bewegen sich mehr, sind grobmotorischer, fangen erst später mit differenzierten Spielen an. Sie messen sich an ihrer Stärke und machen Wettbewerbe. Mädchen hingegen brauchen weniger Raum, sie sind feinmotorisch oft geschickter und messen sich eher am Aussehen, am Hübsch-Sein. Hier im Kindergarten versuchen wir daher den Kindern Alternativen zu stereotypen Rollenbildern zu bieten."

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