Englischlehrer Thomas Youngs bespricht mit einer Schülerin ihren Text für ein Plaktat. © Bohmann/Andrew Rhinky

Englisch von Anfang an

Die Ottakringer Volksschule Herbststraße 86 setzt auf Mehrsprachigkeit. Seit 20 Jahren wird hier der Schulversuch Vienna Bilingual Schooling angeboten. inwien.at war bei einer Unterrichtseinheit mit dabei.

Mittwochfrüh steht Englisch auf dem Lehrplan und die Kinder bereiten einen Elternabend vor. Zuerst stimmen die Kinder der 4C "Blowin' in the Wind" von Bob Dylan an. Nach dem Üben des Liedes arbeiten die Kinder weiter an ihren Plakaten. Im Rahmen des Sachkundeunterrichts haben sie eine Zeitreise durch Europa erstellt. Jedes Kind hat sich eine Erfindung ausgesucht, die wichtig für unsere Welt ist. Nun kleben sie Bilder und Fotos auf die Plakate und schreiben die Info-Texte auf Englisch dazu. Die Kinder haben in diesem Sprachenmodell insgesamt neun Stunden Englischunterricht pro Woche, eine Stunde davon ist Sachunterricht. Lehrer Thomas Youngs meint: "In den vier Jahren hier an der Schule machen die Kinder enorme Fortschritte. Am Ende der Volksschulzeit haben sie in beiden Sprachen ein sehr hohes Niveau."

Der Direktorin Gabriele Prokop ist es wichtig, dass die Kinder von Anfang an gute Lernerfahrungen machen. Denn: Schule soll Spaß machen. © Bohmann/Andrew Rhinky

Mehrsprachigkeit als Erfolgsfaktor

In der Volksschule Herbststraße starten jedes Jahr ein bis zwei bilinguale Klassen Deutsch/Englisch. Direktorin Gabriele Prokop erzählt: "Wir haben sehr viele Anmeldungen für die bilingualen Klassen. Kriterien für die Aufnahme sind die Schulreife, die sprachliche Eignung und die sozioemotionale Entwicklung. Die Kinder müssen zeigen, dass sie Englisch reden beziehungsweise verstehen. Wichtig ist, daran Spaß zu haben. Dazu gibt es spielerische Übungen mit unseren Englischlehrerinnen und Englischlehrern. Wichtig ist auch der bilinguale Kontext in der Familie. Die Kinder müssen Lerninhalte auch zu Hause besprechen können. Selbstsicherheit im Umgang mit den Sprachen hilft beim Lernen, denn die bilingualen Klassen sind für die Kinder eine große Herausforderung. Deshalb schauen wir uns die Kinder sehr genau an, denn es ist wichtig, dass sie von Anfang an positive Lernerfahrungen machen. Schule soll auch Spaß machen."

Lernen ohne Stress

Gloria, Destiny und Valerie arbeiten gemeinsam an ihren Plakaten. Sie haben alle drei ein Musikinstrument als Thema gewählt. Die Kinder reden abwechselnd Englisch, dann wieder Deutsch. Valerie erzählt: "Ich habe schon im Kindergarten Englisch gelernt und meine Eltern können gut Englisch, weil sie länger im Ausland gelebt haben. Ich spreche beide Sprachen gern. Die Schule macht mir viel Spaß und ich habe hier viele gute Freundinnen und Freunde." Lehrer Thomas Youngs erklärt: "Die Alphabetisierung der Kinder erfolgt nach Muttersprache getrennt. Kinder, die Englisch als Muttersprache haben, lernen zuerst Englisch lesen und schreiben. Deutsch lernen sie erst in der zweiten Klasse. Das ist wichtig, weil es phonetische Unterschiede zwischen den Sprachen gibt." Youngs stammt ursprünglich aus Nordengland. Der Liebe wegen hat es ihn nach Wien verschlagen. Seit rund zehn Jahren unterrichtet er Englisch in Volksschulen.

Lehrerin Sylvia Berger: "Der bilinguale Unterricht ist ein tolles System. Die Kinder lernen hier ohne Druck und Angst in der Kleingruppe Englisch." © Bohmann/Andrew Rhinky

"Das unterschiedliche Schulsystem war für mich schon eine Herausforderung. Hier muss sehr stark berücksichtigt werden, was die Kinder für den Wechsel in die weiterführende Schule brauchen. In England werden die Kinder erst mit 16 Jahren getrennt." Regelmäßig tauscht er sich mit Klassenlehrerin Sylvia Berger über Lehrplan und Projekte aus. Berger: "Der bilinguale Unterricht ist ein tolles System. Die Kinder lernen hier ohne Druck und ohne Angst in der Kleingruppe Englisch. Manche früher, andere fangen erst später an, in der Fremdsprache zu sprechen. Hier darf jede und jeder Fehler machen und es wird auch niemand ausgelacht." Die Fortschritte in Englisch sind enorm und lassen sich auch an der Umgangssprache innerhalb der Gruppe ablesen. Sprechen die Kinder in den ersten beiden Jahren miteinander meist Deutsch, wechseln sich die Sprachen in der dritten und vierten Klasse ab.

Wir sprechen 42 Sprachen

Mehrsprachigkeit ist Schwerpunkt in der VBS Herbststraße. Neben den Englischklassen bietet die Schule auch Klassen mit Spanisch ab der erste Klasse sowie Alphabetisierung in Bosnisch/Kroatisch und Serbisch sowie Türkisch an. Direktorin Prokop: "Unsere Lehrerinnen und Lehrer sind Expertinnen und Experten beim Thema Spracherwerb. Wir haben uns damit in Workshops sehr intensiv auseinandergesetzt." Eine "Sprachenschlange" aus Papier mit Informationen zu den 42 im Haus gesprochenen Sprachen reicht vom dritten Stock bis ins Erdgeschoß. "An ihr wird unser Sprachenreichtum sichtbar. Die Kinder sind stolz auf ihre Sprachen. Das ist auch wichtig, denn Sprache hat auch viel mit Identität und emotionaler Ausdrucksfähigkeit zu tun."

Englisch an den Volksschulen

In Österreich lernen alle Volksschulkinder eine Fremdsprache, wobei Englisch mit 99,7 Prozent an erster Stelle liegt. In Wien unterrichten im Rahmen von "Englisch 2020" 140 sogenannte Native Speaker Teachers gemeinsam mit einer deutschsprachigen Lehrkraft an 55 Volksschulen. Die Schulen arbeiten mit drei verschiedenen Ansätzen.

Das Vienna Bilingual Schooling (VBS) findet in neun Schulen Anwendung. Deutsch und Englisch sind gleichwertige Unterrichtssprachen. Beim Dual Language Programme (DLP) wird ab der ersten Klasse in verschiedenen Fächern mit Unterstützung von Native Speakers auf Englisch unterrichtet. DLP läuft an zwölf Volksschulen. An 21 Volksschulen ist Global Education Primary School (GEPS) Unterrichtsprinzip. Ab der ersten Klasse wird fünf Stunden pro Woche auf Englisch unterrichtet. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Darüber hinaus werden verschiedene Projekte, die Sprache und neue Technologien miteinander verbinden, durchgeführt.

400 English Experts

Weiters werden auch Volksschullehrerinnen und Volksschullehrer mit sehr guten Englischkenntnissen und einer Zusatzausbildung eingesetzt. Sie unterrichten in insgesamt 100 Schulen in verschiedenen Fächern als sogenannte English Experts. Rund 12.000 Schülerinnen und Schüler besuchen eine Klasse mit Englisch-Schwerpunkt. Zusätzlich werden an Wiens Volksschulen auch Französisch, Italienisch, Spanisch, Tschechisch, Slowakisch und Ungarisch unterrichtet.

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