Mischpult, Audio-Interface und Computer (von links), dazu Rhythmusinstrumente und Mikrofone, sind eine gute Basis fürs Komponieren von elektronischer Musik. © Michael Tobeitz

Mit Computermusik den Takt angeben

Im Unterrichtsfach "Computermusik" der Musikschule Wien geht es darum, den Computer gleichsam wie eine Geige oder ein Klavier als Instrument zu verwenden. Doch es braucht mehr, um elektronische Musik zu erschaffen.

Die Basis zur Erzeugung von elektronischen Klängen ist ein einfacher Computer. Der muss natürlich mit einer entsprechenden Audio-Software ausgestattet sein. Je nachdem, welchen musikalischen Zugang man beim Komponieren bevorzugt, wählt man ein bestimmtes Programm. "Es gibt welche, mit denen man gut live arbeiten, Beats, Abspielgeschwindigkeit oder Lautstärke direkt verändern und etwa bei Konzerten auf die Stimmung im Publikum spontan reagieren kann. Und es gibt Programme, die gut geeignet sind, um zu Hause oder im Studio an den Tönen so lange zu tüfteln, bis sie im Endresultat gefallen", erzählt Veronika Mayer. Sie lehrt seit drei Jahren das Fach "Computermusik" an der Musikschule Wien am Standort Simmering. Darüber hinaus ist sie selbst freischaffende Musikerin im elektronischen Bereich.

Equipment der Musikschule

Mitbringen müssen Mayers Schülerinnen und Schüler, derzeit sind es zwei Mädchen und vier Buben, grundsätzlich außer dem persönlichen musikalischen Interesse nichts. Die Musikschule Wien stellt das nötige Equipment zur Verfügung. "Zugriff auf einen privaten Computer zu haben, um über den einstündigen Unterricht pro Woche hinaus selbst auszuprobieren und weiterzuarbeiten, ist aber von Vorteil", sagt Mayer.

Gearbeitet wird hauptsächlich mit Open-Source-Programmen, die kostenfrei über das Internet heruntergeladen werden und die bereits eine Palette an Instrumentaltönen, elektronischen Sounds oder auch Grooves beinhalten. Zusätzlich werden über angeschlossene Mikrofone Klänge eingespielt und individuell verändert. Geräusche wie Vogelgezwitscher, das Knarren einer Tür oder das Schnurren einer bewegten Fahrradkette nehmen Mayer und die Jugendlichen zwischen zwölf und 20 Jahren unter anderem auf Exkursionen durch die Umgebung mit einem Aufnahmegerät auf. Zudem stehen in der Musikschule auch "richtige" Rasseln oder andere Rhythmusinstrumente griffbereit, die nach Lust und Laune über ein Mikro dazumischbar sind. Ebenfalls über Verbindungskabel anschließbar: elektronische Musikinstrumente aller Art wie etwa E-Gitarren oder Keyboards. Mayer: "Ich versuche, bei meinen Schülerinnen und Schülern die Aufmerksamkeit gegenüber Klängen und alltäglichen Geräuschen zu erhöhen. Alles kann Musik sein. Genau das macht es so spannend." 

Stein auf Stein

Der Entstehungsprozess eines Musikstücks basiert auf einer Art Bausteinsystem. Mehrere Tonspuren (Samples) - auf einer etwa veränderte Tiergeräusche, auf einer anderen ein schneller Trommelschlag - werden ins Computerprogramm geladen und kommen darin auf einer Programmoberfläche zusammen. Danach bestimmen die Musikschaffenden, ob Teile der Samples im Loop, also in der Dauerschleife, lauter oder leiser, schneller oder langsamer beziehungsweise rückwärts- oder vorwärtslaufen oder mit anderen Effekten bearbeitet werden. Mayer: "Wir fügen so lange hinzu und verändern, bis das Ergebnis stimmig ist." 

Klangeffekte erzeugen

Ein weiterer spielerischer Bestandteil der elektronischen Musik ist, durch Bewegung der Klänge zwischen mehreren im Raum verteilten Lautsprechern spezielle räumliche Klangeffekte zu erzeugen. So ist es möglich, Musik quasi wie Wellen durch den Raum gleiten zu lassen oder Echos zu erzeugen. 

Auch ein Mischpult erweitert das Gestaltungspotenzial mittels seiner vielfachen Anschlüsse. Das heißt, in das musikalische Kunstwerk können über mehrere Mikrofone Geräusche oder über angeschlossene, elektronisch verstärkte Musikinstrumente unzählige Klangvariationen hinzugefügt werden. "Das ist bei einem 'normalen' Computer nicht so einfach, da dieser meist nur sehr beschränkt mit Buchsen ausgestattet ist", sagt Mayer. "Je besser meine Ausrüstung, desto feiner der Sound am Schluss." Auch ein sogenanntes Audio-Interface, ein elektronisches Gerät, das zwischen Computer und Mischpult geschaltet wird, erhöht die Klangqualität. Ist aber alles kein Muss. Nichtsdestotrotz wird natürlich der Umgang mit den verschiedenen Apparaturen gelehrt. Mayer: "Die Jugendlichen sollen über alle Optionen Bescheid wissen."

Felimy ist 14 Jahre alt und Schüler von Veronika Mayer. Er kreiert am liebsten live Musikstücke. © Michael Tobeitz

Hobby oder Beruf

Bevor sich eine Schülerin oder ein Schüler fix für das Musikschulfach entscheidet, findet ein Beratungsgespräch statt, in dem der Unterrichtsinhalt und Zielvorstellungen besprochen werden. Denn es geht nicht darum, bereits bestehende Musikstücke auf dem Computer zu "spielen", sondern sie zu erschaffen. Manche der jungen Menschen sehen sich später als Discjockey in Clubs, andere als Live-Performende bei Konzerten, weitere als Schaffende im Tonstudio. Und schließlich gibt es jene, die sich einfach gerne hobbymäßig musikalisch beschäftigen. Mayer versucht ihre Schützlinge individuell zu fördern und gibt vielfach Input, "wie Musikstücke fesselnder werden, wie man Geräusche einbaut oder verändert, wie ein musikalischer Ablauf logisch wird. Es ist immer wieder aufregend, Teil der musikalischen Entwicklung der Jugendlichen zu sein."

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