Alex Beer ist Autorin des Krimis "Der zweite Reiter". Für diesen Roman wurde ihr der Leo-Perutz-Preis verliehen. © Ian Ehm

Wiener Kriminalliteratur: Spannung bis zum bitteren Ende

"Drah die net um. Schau, schau, der Kommissar geht um!" So sang schon Falco seinerzeit. Und auch im Buch "Der zweite Reiter" ermittelt ein Agent der Extraklasse. Autorin Alex Beer hat dafür den Leo-Perutz-Preis der Stadt Wien erhalten.

Im Interview verrät die Vorarlbergerin, warum der Fall nicht immer klar erscheint, es viel Fingerspitzengefühl in der Krimifeder und noch mehr Vorrecherche im Kopf braucht. Und weshalb die Wienbibliothek und das Stadtarchiv immer gute Tipps sind.

CLUB WIEN: Sie wurden in Bregenz geboren, haben in Wien Archäologie studiert, in New York im Verlagswesen gearbeitet und schreiben jetzt Kriminalromane. Wie kam es dazu?


Alex Beer: Ich hatte schon immer ein Faible für Krimis. Und es gab Zeiten, da habe ich pro Woche vier bis fünf davon gelesen. Irgendwann kam der Moment, in dem ich das Gefühl hatte, nichts Neues mehr zu entdecken, zumindest nichts, das mich begeistert hätte. Also dachte ich mir: Schreibst du dir halt deine eigene Story.

"Der zweite Reiter" spielt im Wien der Zwischenkriegszeit und zeichnet ein düsteres Bild der Bundeshauptstadt. Was hat für Sie den Reiz dieser Epoche ausgemacht, welche Schwierigkeiten haben sich bei der Recherche über diese Zeit ergeben?


Die Zeit war für mich sozusagen ein weißer Fleck auf der Landkarte. Wir haben im Geschichtsunterricht viel über die Habsburger und den Zweiten Weltkrieg gelernt, aber nichts über die Phase dazwischen. Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr wurde mein Interesse geweckt. Einerseits weil die Zeit sehr düster war, perfekt also, um einen Krimi darin anzusiedeln, andererseits weil man zur Abwechslung ein völlig neues Bild von Wien erlebt. Fernab vom Glanz und Pomp der Monarchie beziehungsweise der modernen, lebenswerten Stadt von heute.

Schwierig war das Recherchieren von Details aus dem Alltagsleben der einfachen Menschen. Zum Beispiel, ob es Toilettenpapier gab. Wie Kaffee zubereitet wurde. Wie Wäsche gewaschen wurde. Und wie die Wohnungen eingerichtet waren. Dazu gibt es nur wenige Quellen, da die unteren Schichten der Bevölkerung damals nicht von Interesse waren. Kaum jemand hat über sie berichtet.

Mit dem Protagonisten Polizeiagent August Emmerich haben Sie eine Figur mit Erinnerungswert geschaffen. Was unterscheidet ihn von anderen Ermittlern? Und dürfen sich Ihre LeserInnen auf weitere Fälle mit ihm freuen?


Emmerich ist ein Kind seiner Zeit. Er ist im Waisenhaus aufgewachsen, was damals wirklich hart war, und hat den Krieg an der Front miterlebt. Solche Erfahrungen prägen. Er ist zynisch und abgebrüht, kann gut austeilen, aber auch einstecken und hat einen stark ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, der nicht immer mit den herrschenden Gesetzen übereinstimmt. O-Ton Emmerich: "Recht und Gerechtigkeit sind zwei Paar Schuhe."

"Der zweite Reiter" endet mit den Worten "Diese Geschichte war noch nicht vorüber", und das ist sie auch nicht. Emmerich wird weiterermitteln, und zwar im Juli. Der Folgeband wird den Titel "Die rote Frau" tragen und wieder im Verlag L!MES erscheinen.

Was macht für Sie einen gelungenen Krimi aus? Lesen Sie privat auch Kriminalliteratur?


Ich lese fast ausschließlich Krimis und Thriller. Es gibt viele tolle Autorinnen und Autoren auf dem Markt, zum Beispiel Andreas Pflüger, dessen neues Buch ich gerade beendet habe. Seine Romane verkörpern genau das, was ich unter einem gelungenen Krimi verstehe: interessante Figuren, atmosphärische Dichte und atemlose Spannung. Vor allem sticht seine Reihe um die Ermittlerin Jenny Aaron aus der Masse heraus und hat einen absoluten Wiedererkennungswert. Die Protagonistin ist nämlich blind, trotzdem erlebt man alles aus ihrer Perspektive.

Schon vor zwei Jahren waren Sie auf der Shortlist des Leo-Perutz-Preises, nun haben Sie ihn gewonnen. Was bedeutet dieser für Sie?


Sehr viel. Es war bereits eine große Ehre, überhaupt auf der Shortlist zu stehen - immerhin bedeutete es, dass eine Fachjury mein Buch für einen der besten Wien-Krimis des Jahres hielt. Dann sogar zu gewinnen, war ein unbeschreibliches Gefühl. Es ist die Bestätigung, gute Arbeit zu leisten, und für mich das Signal, auf dem richtigen Weg zu sein.

Die Entstehung eines Romans ist ein zeit- und kräfteraubender Prozess. Inwieweit war Ihnen die Kulturförderung der Stadt Wien dabei eine Hilfe?

Bisher habe ich noch keine Förderung in Anspruch genommen, dafür aber diverse Einrichtungen wie die Wienbibliothek oder das Stadtarchiv genutzt. Das Preisgeld vom Leo-Perutz-Preis hilft mir sehr. Ich muss mir bis zum Ende des Jahres keine Gedanken über offene Rechnungen machen und kann mir für "Die rote Frau" einen Buchtrailer leisten.

Kulturförderung der Stadt Wien

Mit der Kulturförderung der Stadt Wien soll Künstlerinnen und Künstlern aus sämtlichen Bereichen, von bildender und darstellender Kunst über Musik und Film bis hin zu Literatur, finanziell unter die Arme gegriffen werden. Außerdem werden mit Preisen besondere Leistungen hervorgehoben und einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Dazu zählt auch der mit 5.000 Euro dotierte Leo-Perutz-Preis, der heuer bereits zum achten Mal für den besten neuen deutschsprachigen Krimi mit Wien-Bezug verliehen worden ist.

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