Auch Mädchen interessieren sich sehr für handwerkliche Berufe. Dazu gehört zum Beispiel auch das Arbeiten mit der Feile. © sprungbrett/B. Gradwohl

30 Jahre sprungbrett

sprungbrett für Mädchen setzt sich seit drei Jahrzehnten für die Stärkung von Mädchen ein. Wir haben mit Geschäftsführerin Susanne Gugrel über die Anfänge des Vereins und die Veränderungen im Laufe der Jahre gesprochen.

Es begann als kleine Beratungsstelle: Zwei engagierte Frauen, Susanne Matkovits und Marianne Roessler, wollten 1987 traditionelle Rollenbilder aufbrechen und Mädchen für handwerkliche und technische Berufe begeistern. 1989 wurde der Verein sprungbrett gegründet, 1990 folgte die Zertifizierung als Familienberatungsstelle. Heute hat der Verein 48 Mitarbeiterinnen und bietet umfassende Beratung zu Berufswahl, Familie und persönlichen Themen wie Gewalterfahrung, Schulwahl, Mobbing, Ernährungsfragen, Essstörungen, Schönheitsideal und Rollenbildern. Susanne Gugrel, eine von zwei Geschäftsführerinnen, erklärt: "Damals wie heute ist das zentrale Thema die Berufswahl. Allerdings gab es vor 30 Jahren Vollbeschäftigung. Die Mädchen haben sich mit der Frage 'Was möchte ich?' beschäftigt. Heute herrscht Arbeitslosigkeit, die Mädchen sind oft in einer schwierigen sozialen Situation. Dazu kommt, dass viele zu Hause wenig Unterstützung finden. Viele haben zudem Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung."

Susanne Gugrel ist eine von zwei Geschäftsführerinnen des Vereins sprungbrett. © sprungbrett

Berufswahl ist Topthema

Jedes Jahr kommen rund 4.000 Mädchen in Kontakt mit sprungbrett. Viele kommen über Mundpropaganda, andere werden von den Jugendcoaches in den Schulen oder vom AMS geschickt oder sie erfahren aus den Medien von der Einrichtung. Der Erstkontakt erfolgt entweder telefonisch oder die Mädchen kommen zum wöchentlich stattfindenden Infotag, bei dem sie einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren können. Gugrel weiß: "Die Gespräche beginnen meist mit 'Ich weiß nicht, was ich werden soll' oder 'Wie finde ich eine Lehrstelle'. Im Lauf der Beratung kommen dann rasch die echten Hürden zutage. Da geht es dann um Themen wie Wohnen, Schulden, Unsicherheiten, Probleme mit den Eltern und Identitätsfragen."

Dass die Berufswahl das Topthema ist, kommt laut Gugrel nicht von ungefähr. "Beruflich Fuß zu fassen, macht unabhängig und stärker. Ein eigenes Einkommen trägt dazu bei, dass die Mädchen für sich selbst entscheiden können und ein respektiertes Mitglied unserer Gesellschaft sind. Leider ist die Gleichstellung zwischen Mann und Frau nach wie vor nicht hergestellt. Mädchen hören auch heute noch, dass sie keinen Beruf lernen müssen, weil sie eh heiraten. Sie hören, dass sie für einen technischen Beruf nicht geeignet sind, obwohl sie mehr verdienen würden und damit unabhängiger wären."

Seit 2015 gibt es das Mädchen-Berufs-Zentrum. Hier können die Mädchen unterschiedliche Kompetenzen ausprobieren, wie technische Fähigkeiten, sie lernen Berufs- und Ausbildungswege kennen und erstellen Bewerbungsunterlagen. Sie haben die Möglichkeit, an einer sechswöchigen Workshop-Reihe teilzunehmen und bekommen dafür auch einen Beitrag zur Abdeckung des Lebensunterhalts. Beim youngFIT-Programm geht es darum, Rollenbilder aufzubrechen und Mädchen für eine handwerkliche oder technische Ausbildung zu begeistern. Bei den "Check it out"-Workshops testen die Mädchen ihre Fähigkeiten und Fingerfertigkeit aus, indem sie einen Stromkreis schließen, ein kleines Computerprogramm schreiben oder etwas löten. Susanne Gugrel erklärt: "Es geht darum festzustellen, ob so ein handwerklicher oder technischer Beruf interessant und passend sein könnte."

Für Schülerinnen höherer Schulen gibt es die FIT-Infotage. Dabei kommen FIT-Botschafterinnen in die Schule und informieren über technische Studienrichtungen. Im Rahmen einer Kooperation mit der Technischen Universität Wien sind die Mädchen im Jänner an die Technische Universität eingeladen und können an Labors und Vorlesungen teilnehmen.

spacelab_girls ist hingegen ein Angebot für 15- bis 24-Jährige, die es schwer haben, im Berufsleben Fuß zu fassen. Ziel ist der Einstieg in eine (Lehr-)Ausbildung oder Beschäftigung. Über das Angebot Tagestraining, an dem die Jugendlichen unverbindlich tageweise teilnehmen können, geht es zum Training, bei dem sie bis zu einem Jahr mit Unterstützung des AMS mitarbeiten können. Gugrel: "Bei spacelab arbeiten wir viel mit Sozialarbeiterinnen zusammen. Viele unserer Kundinnen kommen über persönliche Weiterempfehlung oder die offene Jugendarbeit zu uns."

Die Betriebsarbeit ist die Drehscheibe zwischen sprungbrett und den Betrieben. Die Geschäftsführerin erklärt: "Wir haben sehr gute, langjährige Kontakte zu Betrieben. Wir schauen uns sehr genau an, welches Mädchen zu welchem Betrieb passt. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, denn für viele Jugendliche, die schlechte Erfahrungen in der Familie und in der Schule gemacht haben, passt es gut im Job. Den von uns vermittelten Betrieben sind gute Noten nicht so wichtig, sondern sie setzen darauf, dass das soziale Miteinander passt."

Die Preisverleihung des amaZone-Award. © sprungbrett

Fest im Rathaus

Der Verein sprungbrett initiierte den amaZone-Award. Ausgezeichnet werden Unternehmen, die Mädchen während ihrer Ausbildung zur technischen Fachkraft besonders gut ausbilden. Im Rahmen der 30-Jahre-sprungbrett-Feier im Wiener Rathaus bekamen auch dieses Jahr Siegerbetriebe in vier Kategorien den Award überreicht. Auch mehr als 200 Schülerinnen und Lehrstellen suchende Frauen waren beim Fest dabei. Sie konnten an unterschiedlichen Stationen ihr technisches Geschick testen und Techniken zur Stärkung des Selbstbewusstseins kennenlernen. Für Lehrerinnen und Lehrer hingegen gab es den Workshop Standortbestimmung: Methoden zu gendersensibler Mädchen- und Burschenarbeit.  

Blick in die Zukunft  

sprungbrett ist eine wichtige und anerkannte Beratungsstelle in Wien. Damit das auch so bleibt, wird die Beratung laufend weiterentwickelt. Wichtige Zukunftsthemen sind Elternarbeit, Gesundheit und die Ausbildungspflicht bis 18 Jahre. Neue Projekte sollen die Mädchen während und nach der Ausbildung begleiten. Geschäftsführerin Susanne Gugrel ist bei allen Angeboten wichtig: "Wir wollen die Mädchen stark machen und sie da abholen, wo sie stehen. Ein Erfolg kann für ein Mädchen eine Lehre als Einzelhandelskauffrau sein, für ein anderes ein Studium an der Technischen Universität."      

Verein sprungbrett
15., Hütteldorfer Straße 81b, Stiege 1, 2. Stock, Top 4
Telefon 01 789 45 45
E-Mail: sprungbrett@sprungbrett.or.at
Infotag: jeden Mittwoch, 14 Uhr spacelab_girls
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