Bei den Näh- und Handwerkskursen der Wiener Volkshochschulen werden Grundlagen vermittelt und Kenntnisse vertieft. © August Lechner

 

So nähen Sie Bikinis selbst

Es klingt fast verrückt: Bikinis und Badeanzüge selbst nähen? Doch das Nähprojekt macht nicht nur Spaß, es ist auch nachhaltig und schmeichelt der Figur. Die Wiener Volkshochschulen zeigen in einem Kurs, wie es geht. CLUB WIEN hat vorab nachgefragt.

Für viele Menschen ist es das Schönste, selbst etwas zu erschaffen. Diese Werkerinnen und Werker sind der Grund dafür, dass die „Do it yourself“-Philsophie, auf gut Deutsch „Mach es selber“-Philosophie, so stark im Trend ist. Katharina Strasky ist zweifellos einer dieser Menschen. Die Designerin und Schneidermeisterin zeigt im Kurs „Bikini oder Badeanzug nähen für Fortgeschrittene“, wie man sich ein Strandoutfit ganz einfach selbst macht.

Die Faszination fürs Schneidern liegt Strasky im Blut. „Schon als Kind zeichnete ich Kollektionen für Barbiepuppen und Mode hat mich als Ausdrucksmittel schon immer fasziniert“, sagt die Designerin, die unter anderem an der Modeschule Hetzendorf und der Dessous-Akademie Frankfurt gelernt hat. Im Laufe ihrer Karriere sammelte Strasky Erfahrung in diversen Wiener Ateliers sowie der Kostümwerkstätte der Wiener Staatsoper.

Für einen besseren Bikini

Aber Bikinis selbst nähen? Das ist wahrlich keine alltägliche Idee und selbst gestandene DIY-Veteraninnen und -Veteranen kommen nicht auf diesen Gedanken. „Ich habe mir einfach irgendwann die Frage gestellt, wieso ich einen Bikini kaufen soll, der unter schlechten Arbeitsbedingungen hergestellt wird, der schlechte Qualität hat und der auch einfach nur von der Stange kommt und keine Individualität hat“, sagt Strasky. „Viel lieber nähe ich mir etwas Einzigartiges, das meinen Vorstellungen entspricht.“ Da die Modeschöpferin auch die Arbeit mit elastischen Materialien spannend findet, setzte sie die Idee in die Tat um.

Die Vorteile des Selbstnähens liegen also auf der Hand: Man schont die Umwelt und unterstützt ausbeuterische Arbeitsbedingungen nicht mehr. „Viele Frauen finden auch keinen passenden Bikini im Handel. Beim Selbstnähen kommt man viel besser zu einer guten Passform“, sagt Strasky. Heute teilt sie den ebenso genialen wie umweltfreundlichen Einfall mit ihren Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern.

 

Zickzackstich und Polyester

Ein bisschen Erfahrung vor dem Kurs schadet dabei nicht. „Ein guter Umgang mit der Nähmaschine ist Voraussetzung. Da Bikinis aus elastischen Materialien gemacht sind, braucht man dabei geschickte Finger“, sagt Strasky. Aber: „Jede und jeder kann das lernen. Ungeübte brauchen halt ein wenig mehr Geduld.“ In Sachen Ausrüstung sind keine allzu großen Sprünge notwendig. Eine Nähmaschine mit verstellbarem Zickzackstich und gutem Transporteur, am besten mit verstellbarem Füßchendruck, sollte man haben. Eine Overlockmaschine ist nicht unbedingt nötig. Beim Zuschnitt ist ein Rollschneidemesser mit Schneidematte statt der üblichen Schneiderschere von Vorteil.

Beim Material hat sich seit den Anfängen des Bikinis viel getan. „Bevor es synthetische Fasern gab, war Bademode aus Baumwolle. Diese wird im nassen Zustand sehr schwer und trocknet langsam. Polyester, Polyamid und Elastan sind hingegen elastisch, formbeständig und trocknen sehr schnell – ideal für Bademode“, sagt Strasky. Synthetische Fasern werden allerdings aus Erdöl hergestellt und sind nicht unbedingt umweltfreundlich. Aber: Es gibt alternativ dazu recycelte Badeanzug-Stoffe, mit denen man mit gutem Gewissen in die Donauwellen springen kann.

Individuelle Betreuung im Kurs

Im Kurs wird dann anhand fertiger Schnittmuster genäht. Die können sehr gut an die jeweilige Figur angepasst werden, die Passform ist so besser als jene der gekauften Modelle. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer messen ihren Körper ab und suchen sich einen Schnitt in der passendsten Größe aus. Dann bespreche ich mit ihnen individuell die beste Vorgangsweise für ihr gewähltes Stück. Bei einer Anprobe können wir noch auf die Passform achten und Änderungen vornehmen“, sagt Strasky.

Die Beratung im Kurs ist ganz individuell. Je nach Modell geht Strasky auf die jeweiligen Arbeitsschritte an der Nähmaschine ein. Viele der Fragen betreffen aber alle: Wo muss eine Naht elastisch sein und wo nicht? Wo sollte man ein Futter einarbeiten und wie näht man die Beinausschnitte so, dass sie später nicht einschneiden?

Am Ende des Kurses hat dann jede und jeder den perfekten Bikini oder Badeanzug. Egal ob im Kongreßbad, an einem Naturbadeplatz oder in Jesolo: Mit dem einzigartigen Modeteil ist Ihnen ein echter Hingucker gewiss.

Bei den Wiener Volkshochschulen gibt es ein breites Angebot an modischen Kursen. Alle Infos dazu finden Sie auf der VHS-Homepage.