Auf dem Dach des Kunst Haus Wien haben 140.000 Bienen ein Zuhause gefunden. Hier finden sie mehr als 260 Pflanzenarten als Futterquelle. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Bienen auf dem Dach des Grünen Museums

Das Kunst Haus Wien besticht nicht nur mit seinem einzigartigen Äußeren. Als erstes mit dem Umweltzeichen ausgezeichnetes Museum beherbergt es auf seinem Dach auch zwei Bienenvölker. So wird Biohonig gewonnen und ein Beitrag zur Artenvielfalt geleistet.

Ein Apfel- und ein Birnbaum, eine Linde, sogar eine Eiche, links hinten zwei Bienenstöcke, und das auf einem Dach mitten in Wien. Willkommen im Kunst Haus Wien, dem bis dato einzigen Museum des Landes, das sich mit dem Österreichischen Umweltzeichen schmücken darf. Eröffnet wurde das von Friedensreich Hundertwasser entworfene Haus 1991. Einige der Bäume hat der Künstler und Umweltaktivist noch selbst gepflanzt. Keine Sorge, ihre Wurzeln greifen das Bauwerk nicht an. Beim Anlegen des Gartens, der zu einer einer Schiffskoje nachempfundenen Dachwohnung gehört, wurde darauf geachtet, dass Flachwurzler zum Einsatz kommen. In der Wohnung selbst, die bis heute fast unverändert ist und lediglich hier residierenden Künstlerinnen und Künstlern offen steht, gibt es keine gerade Linie. Auch der Boden ist uneben, ganz nach Hundertwassers Wünschen. Schließlich wurde die Natur, die ihm so wichtig war, auch nicht mit dem Lineal gezogen.

 

140.000 fleißige Bienen

2018 hat das Künstlerinnenduo Resanita in einem mehrmonatigen Projekt die am Museumsgebäude angesiedelte Pflanzenwelt untersucht und in Installationen verarbeitet. Dabei haben sie herausgefunden, dass am und im Kunst Haus mehr als 260 Arten leben, einige davon sind vom Aussterben bedroht. Hier kommen die beiden auf dem Dach in zwei Stöcken lebenden Bienenvölker ins Spiel. Denn sie verarbeiten seit zwei Jahren die museumseigene Artenvielfalt in Biohonig, der im Museums- und im dazugehörenden Onlineshop neben anderen Bienenprodukten verkauft wird. 140.000 fleißige Insekten und ihre zwei Königinnen haben 2019 80 Kilogramm Honig produziert. Betreut werden die Bienenstöcke von Imkermeister Thomas Zelenka. "Sie sind ein Symbol für die Biodiversität, also die Artenvielfalt im Haus", sagt Martina Kuso vom Kunst Haus Wien. "Die Biene erweckt bei vielen Menschen positive Gefühle. Auch ein kleines Insekt kann eine Menge auslösen, wenn es fehlt. Denken Sie ans Bienensterben und die damit verbundenen Folgen. Insofern ist sie ein symbolbehaftetes Tier."

Vor zwei Jahren wurde das Österreichische Umweltzeichen verliehen, seitdem darf sich das Kunst Haus Wien hochoffiziell Grünes Museum nennen. Federführend war Direktorin Bettina Leidl, die das Haus seit 2014 führt. Bei ihrem Bemühen, das Museum in Hundertwassers Geiste zu leiten, stieß sie auf das Umweltzeichen - dessen Logo von Hundertwasser gestaltet worden war. Bis dahin war dieses den Unternehmen in den Bereichen Hotellerie und Gastronomie vorbehalten. Also fragte sie beim Bundesministerium für Klimaschutz und Umwelt nach, warum nicht auch Museen damit ausgezeichnet werden können. Mit ihrem Vorschlag, das Umweltzeichen für Museen zu adaptieren, stieß sie auf offene Ohren, ein Kriterienkatalog wurde entwickelt.

Oase im Museum

Doch eigentlich wurde schon Jahrzehnte davor ökologisch gedacht. "Der Garten war schon zu Hundertwassers Lebzeiten eine kleine Oase", weiß Kevin Grabowski, ebenfalls vom Kunst Haus. Acht sogenannte Baummieter wachsen aus den Fenstern des Hauses an der Unteren Weißgerberstraße im dritten Bezirk. Miete zahlen die Linden, Buchen und Rotbuchen in Form von Sauerstoff und außerdem, indem sie Lärm und Staub abhalten und als natürliche Klimaanlage dienen.

"Generell ist jeder von Hundertwassers Bauten begrünt", so Grabowski. "Hier haben wir auch horizontale Begrünung, nicht nur vertikale. Jeden Quadratmeter, den man der Natur quasi entnimmt, soll man ihr wieder zurückschenken, indem man ihn begrünt. Die ganze Oberfläche des Kunst Haus ist von Hundertwasser mit Pflanzen versehen worden." Würde man über das Gebäude fliegen, sähe man eine einzige Grünfläche mitten in der Stadt. "Hundertwasser hat sehr gerne im Schoß eines Baumes über seine Entwürfe sinniert", erklärt Kuso. "Bei den Wurzeln ist er gelegen und hat meditiert, um dann seine berühmten Spiralbilder zu malen. Diese wiederum kann man als Baumscheiben oder als Kreislauf der Natur, des Lebens, des Todes sehen." Der Universalkünstler ist auch unter einem Mammutbaum in Neuseeland begraben. Zudem hat er dafür gesorgt, dass dort 100.000 Bäume gepflanzt wurden.

KünstlerInnen im Geiste Hundertwassers

Das Kunst Haus Wien erfüllt die Kriterien für das Umweltzeichen, indem es etwa Künstlerinnen und Künstler einlädt, deren Arbeiten sich im Ansatz mit der Thematik befassen. Dazu kommt die Entscheidung, welches Papier und welche Farben für die Ausstellungsfolder verwendet werden. Auch die Wandfarbe bei der Ausstellungsproduktion spielt eine Rolle, Verpackungsmaterial von Bildern wird wiederverwendet. "Das Umweltzeichen für Museen wird für vier Jahre verliehen, die Kriterien wurden geprüft und können immer wieder ohne Anmeldung nachgeprüft werden", so Kuso.

Passend zu den Kriterien für das Umweltzeichen, ist bis Ende August etwa eine extra für das Museum gestaltete Installation von Claudius Schulze in der Kunst Haus Garage zu sehen. Sie führt den Verlust an Artenvielfalt und die Erschaffung einer neuen Spezies durch künstliche Intelligenz und Gentechnik zusammen. Ebenfalls ab Ende August finden im Kunst Haus Wien die sogenannten Future Talks statt. Hier bietet das Kunst Haus Wien den Themen Ökologie und Nachhaltigkeit sowie den Bereichen Kunst, Wissenschaft und Aktivismus ein Forum. Der erste Termin findet am Freitag, dem 28. August, um 18 Uhr statt. Mit dabei sind Konrad Fiedler, Biodiversitätsforscher von der Uni Wien, Künstler Claudius Schulze sowie die Fridays-for-Future-Aktivistin Katharina Schneider vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung an der Uni Wien. Nach einer anregenden Diskussion kann man ja ein Glas Honig von den hauseigenen Bienen erwerben.