Kosmetik aus der Natur. ©iStockphoto

Naturkosmetik-Siegel: Orientierungshilfe für den Einkauf

Der Griff zur Naturkosmetik gehört für viele WienerInnen bereits zur Norm. Man will sich selbst und der Umwelt etwas Gutes tun. Meist findet sich ein Aufkleber auf der Verpackung, auf dem groß "BIO" steht. Wo "BIO" drauf steht, ist da auch "BIO" drin?

Heutzutage werben viele Produzenten mit Begriffen wie "bio" oder "natürlich". Doch nicht alle Produkte sind tatsächlich biologisch oder natürlich. Häufig werden einer chemischen Basis nur ein paar Tropfen pflanzlicher Öle beigefügt und anschließend werden die Produkte als Naturkosmetik verkauft. Bisher fehlt für Naturkosmetik auf europäischer Ebene eine einheitliche gesetzliche Definition. Welchen Produzenten ist also zu glauben? Als Orientierungshilfe beim Einkauf können die Naturkosmetik-Siegel dienen. Davon gibt es allerdings viele und hinter jedem Siegel stehen unterschiedliche Normen und Richtwerte. Ein nachhaltiger Einkauf wird dadurch für viele Konsumentinnen und Konsumenten zur Herausforderung. Und es stellt sich die Frage: Was steckt eigentlich hinter all den unterschiedlichen Siegeln? CLUB WIEN geht der Frage auf den Grund und listet die wichtigsten Naturkosmetik-Siegel und ihre Vorgaben auf.

Was ist Naturkosmetik?

"Naturkosmetik setzt ausschließlich auf Inhaltsstoffe aus der Natur. Es wird auf Stoffe aus der Petrochemie, wie etwa Erdöl, verzichtet. Diese können, abgesehen von ihrer umweltschädlichen Förderung, auch Verunreinigungen ins Produkt bringen. Naturkosmetik hingegen wird nachhaltig und umweltschonend produziert. Die genutzten Pflanzen wachsen nach und bringen die wertvollen Wirkstoffe immer wieder aufs Neue hervor", erklärt Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima.

Für die Gewinnung und Weiterverarbeitung von Naturstoffen sind nur physikalische, mikrobiologische oder enzymatische Methoden erlaubt. Chemische Gewinnungs- oder Verarbeitungsschritte sind hingegen verboten. Zudem sollen die verarbeiteten Rohstoffe so weit wie möglich aus biologischem Anbau stammen und die Inhaltsstoffe rein pflanzlich sein. In der Kosmetikindustrie werden als Fettersatzstoffe häufig Produkte aus der Erdölindustrie wie Paraffine, Silikon oder Vaseline verwendet. Diese können vom Körper nicht oder nur schwer abgebaut werden. Für Naturkosmetik dürfen nur rein pflanzliche Öle wie Mandel- oder Sesamöl sowie Wirkstofföle wie Sanddorn- oder Wildrosenöl aus kontrolliert biologischem Anbau verwendet werden. Ausnahmen dabei sind Konservierungsmittel, da Kosmetikprodukte sonst nicht haltbar wären. Kosmetikprodukte, die diesen Kriterien entsprechen, dürfen sich als Naturkosmetik bezeichnen.

Der Verzicht auf chemische Zusätze in der Naturkosmetik schont unsere Umwelt, zugleich hilft er aber auch unserer Gesundheit.

"Viele Kosmetikprodukte gehen uns sprichwörtlich unter die Haut und das jeden Tag. Für konventionelle Kosmetik werden chemische Stoffe verwendet, die zwar legal, aber trotzdem bedenklich sind. Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe zählen zu den drei häufigsten Auslösern für Hautirritationen. Einige Farbstoffe stehen sogar im Verdacht, krebserregend zu sein. Naturkosmetik beschränkt sich auch hierbei auf wenige und natürlich vorkommende Stoffe", so Umweltstadträtin Ulli Sima.

Gerade in der Weihnachtszeit werden viel mehr Kosmetikprodukte als sonst gekauft. Um den Wienerinnen und Wiener bei ihrer Wahl des richtigen Produkts behilflich zu sein, werden im folgenden Beitrag die wichtigsten Naturkosmetik-Siegel und ihre Vorgaben erläutert. In Österreich ist zum Beispiel die Austrian Bio Garantie (ABG) für die Vergabe der Biokosmetik-Siegel zuständig. Im internationalen Raum gibt es noch weitere Naturkosmetik-Siegel, die je nach Normen und Richtwerten an die Produkte vergeben werden. Im Folgenden werden die bekanntesten von ihnen erklärt.

Logo des BIO-Kosmetik Labels der Austrian Bio Garantie © ABG Kosmetik

Austria Bio Garantie (ABG) - zertifizierte Biokosmetik

Die Austria Bio Garantie regelt neben der biologischen Landwirtschaft auch die Herstellung und Kennzeichnung von österreichischer Biokosmetik. Dafür wurden eigens für Natur- und Biokosmetik definierte Kriterien erstellt. Diese sind im österreichischen Lebensmittelbuch angeführt. Produkte mit dem Austria Bio Garantie-Siegel müssen mindestens zu 95 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen aus kontrolliert biologischem Anbau hergestellt werden. Geprüft durch ABG.

Was darf in ABG-zertifizierter Biokosmetik nicht enthalten sein?

  • synthetischen Duftstoffe und Antioxidantien
  • Silikone
  • ethoxylierte Rohstoffe und UV-Filter
  • GMO (gentechnisch veränderten Organismen)
  • ionisierende Strahlung ist nicht erlaubt
  • Nanopartikel und Mikropartikel
  • Bestandteile von Pflanzen- und Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind (nur Bestandteile von Tieren aus Nutztierhaltung)
  • Tierversuche sind nicht erlaubt
Logo des ökologischen Verbands Demeter © demeter

Demeter International

Demeter International wurde 1997 gegründet und hat seither ein weltweites Netzwerk an selbstständig zertifizierenden Organisationen aufgebaut. Es besteht mittlerweile aus achtzehn Mitgliedsländern und fünf Gastmitgliedsländern aus der ganzen Welt. Auch Österreich gehört dazu. Unter der österreichischen Anlaufstelle des Demeter-Verbands stehen österreichische Bauernhöfe, Verarbeitungsbetriebe sowie Imkerinnen und Imker. Diese erhielten nach den Demeter-Richtlinien das Siegel für ihre Produkte. Die Siegelträger unterliegen einer regelmäßigen Kontrolle seitens Demeter. Die Demeter-Kosmetik-Richtlinien sind Teil der Anbau-, Verarbeitungs-, Verpackungs- und Kennzeichnungsrichtlinien von Demeter. Diese gelten weltweit als die konsequentesten Vorschriften für hochwertige Bioprodukte. Demeter steht nicht nur für hohe Qualität, sondern tritt auch für faire Arbeitsbedingungen bei der Produktion ein.

Die wichtigsten Kriterien von Demeter-Naturkosmetik sind: 

  • Demeter-Rohstoffanteil von 90 Prozent bei pflanzlichen Bestandteilen
  • hohe biologische Abbaubarkeit
  • beste Rohstoffqualität durch biodynamische Erzeugung mit Einsatz von Präparaten, die fruchtbare Böden und beste Reifequalität ermöglichen
  • werterhaltende Verarbeitung ohne chemisch-synthetische Zusatzstoffe

Was darf in Demeter-Naturkosmetik nicht enthalten sein?

  • Mineralöle
  • Benzol oder Hexan, Butylen- oder Propylenglycol
  • Rohstoffe, die aus Tieren gewonnen werden
  • Gentechnik
  • Nanopartikel
  • radioaktive Bestrahlung oder Begasung
Logo des Natrue-Labels © Natrue.org

Natrue.org

Das Natrue -Label wurde 2008 von ehemaligen Mitgliedern des deutschen Naturkosmetikverbands gegründet. Grund waren die vielen unterschiedlichen Natur- und Biokosmetiklabels. Die Interessengemeinschaft setzt sich für einen gesetzlich definierten Standard in der Naturkosmetik ein.

Das Natrue-Label unterscheidet zwischen:

  • Natural Cosmetics (ehemalig Natrue*): Die Inhaltsstoffe müssen aus natürlichem Ursprung stammen, jedoch nicht aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft.
  • Natural Cosmetics with Organic Portion (ehemalig Natrue**): Die Inhaltsstoffe müssen mindestens zu 70 Prozent aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft oder kontrollierter Wildsammlung stammen.
  • Organic Cosmetics (ehemalig Natrue***): Die Inhaltsstoffe müssen zu 95 Prozent aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft oder kontrollierter Wildsammlung stammen.

Was darf in den Produkten von Natrue nicht enthalten sein?

  • hormonell wirksame Chemikalien
  • synthetische Duft- oder Farbstoffe
  • PEG
  • Paraffine
  • Propylene
  • Alkyle
  • Silikonöle oder -derivate
  • genetisch modifizierten Inhaltsstoffe (auf Grundlage der EU-Regelungen)
  • Bestrahlung von Endprodukten oder pflanzlichen Inhaltsstoffen ist nicht erlaubt
  • Tierversuche sind nicht erlaubt
Veganblume © Vegan Society

Veganblume der Vegan Society England

Die Vegan Society wurde bereits 1944 von Donald Watson gegründet. Der Engländer ist auch der Begründer des Begriffs "vegan". Das internationale Siegel, die Veganblume (im Englischen "Vegan Trademark"), zählt zu den ältesten und wichtigsten Siegeln für Kosmetikprodukte. Es ist auch auf vielen weiteren Produkten wie Lebensmitteln und Kleidung zu finden. In Österreich wird das Siegel von der Veganen Gesellschaft Österreich vergeben. Das Logo garantiert absolute Freiheit von tierischen Produkten. Alle Produkte sowie deren Produktionsprozesse sind tierversuchsfrei. Die Verarbeitung und Produktion von nicht-veganen Produkten ist erlaubt. Nach der Herstellung müssen jedoch Oberflächen und Maschinen gründlich gereinigt werden. Sofern es sich nicht um tierische Stoffe handelt, ist Gentechnik erlaubt. Auf den Produkten muss auf die Gentechnik hingewiesen werden. Das Zertifikat wird weltweit vergeben.

Was darf in Produkten mit der Veganblume nicht enthalten sein?

  • Tierbestandteile, tierischen Nebenprodukte oder aus Tieren gewonnene Rohstoffe im Endprodukt
  • tierischen Materialien während der Produktion
  • Tierversuche während der Produktion sind nicht erlaubt
  • alle Rohstoffe müssen tierversuchsfrei sein
Diese fünf Kosmetiklabels haben sich unter Cosmos-Standard zusammengeschlossen, um ein einheitliches Zertifizierungsverfahren zu schaffen. © COSMOS-Standard

Cosmos-Standard

Cosmos-Standard ist der Zusammenschluss mehrerer internationaler Naturkosmetiklabels.

Es wurde gegründet, um für Natur- und Biokosmetik internationale Kriterien und ein einheitliches Zertifizierungsverfahren zu schaffen. Zu den Mitgliedern gehören die Labels BDIH (Deutschland), COSMEBIO (Frankreich), ECOCERT (Frankreich), ICEA (Italien) und SOIL ASSOCIATION (UK).

Unterschieden wird zwischen "Cosmos natural" und "Cosmos organic".

Cosmos natural: Es ist kein fester Bioanteil vorgeschrieben. Es gibt jedoch 24 verpflichtende Inhaltsstoffe wie Shea, Jojoba oder Sonnenblumenkerne, die in Bioqualität eingesetzt werden müssen, sofern sie physikalisch verarbeitet wurden.

COSMOS ORGANIC: Hier müssen zu 95 Prozent pflanzliche Rohstoffe verwendet werden. 20 Prozent des Produktes müssen biologischen Ursprungs sein.

Die Produkte dürfen tierische Rohstoffe wie Milch und Honig beinhalten. Als Konservierungsstoffe dürfen nur ausgewählte, naturidentische Stoffe mit entsprechender Kennzeichnung verwendet werden.

Was darf in COSMOS-Produkten nicht enthalten sein?

  • hormonell wirksamen Chemikalien
  • synthetische Duftstoffe, Farbstoffe, UV-Filter
  • ethoxilierte Rohstoffe
  • Silikone
  • Nanopartikel
  • gentechnisch veränderte Organismen
  • Tierversuche sind nicht erlaubt
  • Rohstoffe aus toten Wirbeltieren
  • Paraffine und andere Erdölprodukte
  • PEG (Polyethylenglycol)
  • irreführende Kennzeichnung und Bewerbung, insbesondere „Biowerbung“, sind nicht erlaubt
  • Behandlung von pflanzlichen und tierischen Rohstoffen und deren Endprodukten mit ionisierenden Strahlen ist nicht erlaubt
USDA-Siegel der US-amerikanischen Behörde für Landwirtschaft © USDA Organic

USDA Organic

Das Öko-Siegel der US-amerikanischen Behörde für Landwirtschaft ist eines der strengsten Zertifizierungsprogramme für organische Produkte. Hauptsächlich werden Lebensmittel und Kosmetika zertifiziert. Dabei werden die biologischen Produkte in drei Gruppen geteilt:

  • Ab 70 Prozent ökologischer Inhaltsstoffe darf auf dem Produkt "hergestellt mit biologischen Zutaten" stehen. Es dürfen bis zu drei biologisch angebaute Zutaten außerhalb der INCI-Liste (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) enthalten sein. Zum Beispiel eine Creme mit biologisch angebauter Minze, Kamille und Rosenblättern.
  • Ab 95 Prozent ökologischer Inhaltsstoffe darf das Produkt als "Organic" bezeichnet werden und erhält das USDA-Siegel.
  • Bei 100 Prozent biologischen Inhaltsstoffen darf sich das Produkt "100 percent organic" nennen und das USDA-Siegel tragen. 

Was darf in Produkten mit dem USDA-Siegel nicht enthalten sein?

  • genmanipulierte Pflanzen (weder bei der Produktion noch im Futter der Tiere)
  • künstliche Dünger oder Pestizide
  • Tiere, die zum Gewinn von Nahrung oder Rohstoffen genutzt werden, dürfen nicht mit Antibiotika behandelt werden und ihr Futter nicht mit Insektenschutzmitteln
  • nicht-biologische Inhaltsstoffe dürfen nur verwendet werden, wenn sie in biologischer Form grundsätzlich nicht verfügbar sind

Das folgende Siegel ist das Fairetrade-Siegel für Kosmetik. Anders als bei den oben genannten Siegeln steht hier eine faire Behandlung der Arbeiterinnen und Arbeiter im Fokus, weniger die verwendeten Inhaltsstoffe. Das Fairtrade-Siegel wird an Produkte vergeben, die von einem fairen Anbau beziehungsweise aus fair gehandelten Produkten produziert wurden.

Logo des Fairtrade-Siegels © FAIRTRADE

FAIRTRADE

Das Fairtrade-Siegel steht für fairen Anbau und fair gehandelte Produkte. Die Fairtrade-Siegel werden weltweit vergeben. Neben den klassischen Siegeln (zum Beispiel für Lebensmittel) gibt es spezielle Produkt-Siegel.

Eines davon ist das Fairtrade-Siegel für Kosmetik. Alle Kosmetikprodukte sind mit dem Siegel und dem Zusatz "contains Fairtrade ingredient" (Deutsch: enthält Fairtrade-Bestandteile) gekennzeichnet. Alle Inhaltsstoffe, die als Fairtrade-Rohstoffe verfügbar sind, müssen Fairtrade-zertifiziert sein. Produzentinnen und Produzenten der Rohstoffe erhalten zusätzlich zum Verkaufspreis die Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte.

App ToxFox gibt mobil Auskunft

Einen echten Tipp für Konsumentinnen und Konsumenten beim Kauf von Kosmetikprodukten verrät uns zum Abschluss Umweltstadträtin Ulli Sima:

"Ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe ist hilfreich, die erstgenannten Bestandteile sind im höchsten Anteil enthalten. Wirklich praktisch und sehr hilfreich ist die App 'ToxFox', mit der man ganz einfach den Strichcode auf der Verpackung scannt. Die App zeigt sofort etwaige enthaltene Schadstoffe an.

Vorteilspartner CLUB WIEN

Tschauner Bühne

Am 12.6. öffnet die Wiener TSCHAUNER BÜHNE für die Sommersaison 2018 ihre Pforten und hat bis September wieder vielfältigste Unterhaltung für Jung und Alt zu bieten.

Erfahren Sie mehr 34724

Luftsprünge im Prater

Nicht umsonst ist der Wiener Prater ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Zwischen Natur und zahlreichen Attraktionen liegt ein buntes Entspannungs- und Unterhaltungsangebot. Clubmitglieder erhalten zwei Eintritte zum Preis von einem.

Erfahren Sie mehr 44972

Domino's Pizza

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten einen GRATIS CHOCO PIE zu jeder Pizza-Bestellung.

Erfahren Sie mehr 45211

Secret Vienna

CLUB WIEN Mitglieder erhalten 20 Prozent Ermäßigung auf alle Touren und Erlebnisse.

Alle Vorteilspartner