waff-Geschäftsführer Fritz Meißl, Bürgermeister Michael Ludwig, Vizebürgermeisterin Birgit Hebein und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (v. l.) präsentieren das Corona-Ausbildungspaket, das vor allem jungen Menschen helfen soll. © PID/Christian Jobst

 

Ausbildung schafft Chancen

17 Millionen Euro investiert die Stadt Wien in die berufliche Zukunft junger WienerInnen. Sie sind von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise besonders betroffen.

Bei den WienerInnen zwischen 20 und 24 Jahren hat sich die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. 16.154 junge Frauen und Männer sind derzeit ohne Job – und damit ohne Zukunftsperspektive. Um sie nachhaltig zu unterstützen, hat die Stadt Wien ein Corona-Ausbildungspaket geschnürt, das vom Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) umgesetzt wird. "Wir wollen damit jungen Wienerinnen und Wienern das Fundament für eine gute berufliche Zukunft und echte Lebensperspektiven geben", sagen Bürgermeister Michael Ludwig und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke. Dafür nimmt die Stadt Wien 17 Millionen Euro in die Hand. Vom Bund, der für die Arbeitsmarktpolitik zuständig ist, fordern Ludwig und Hanke zusätzliche Maßnahmen für junge Menschen.

Weniger Lehrstellen

Corona hat den Arbeitsmarkt völlig verändert. Auch die Lehrstellen reduzieren sich. Bei den dem AMS gemeldeten offenen Lehrstellen zeichnet sich ein Rückgang von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Im Mai ist die Zahl der Lehrstellensuchenden in Wien um 1.936 auf 3.986 gestiegen. Das ist ein Zuwachs von 94,4 Prozent. Bürgermeister Michael Ludwig: "Alle Expertinnen und Experten erwarten für den Herbst einen Rückgang an Lehrstellen. Das trifft vor allem jene Jugendlichen, die jetzt mit der Schule fertig werden. Wir brauchen deshalb für alle, die eine Lehre machen wollen, einen garantierten Lehrplatz, entweder in einem Ausbildungsbetrieb oder in der überbetrieblichen Lehrausbildung." Vizebürgermeisterin Birgit Hebein: "Wir müssen rasch handeln, um jungen Menschen die Sicherheit zu geben, ihre Talente auch entfalten zu können."

10 Millionen Euro für die Lehrausbildung

Spätestens im September sollen in Wien die notwendigen Ausbildungsplätze in der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung zur Verfügung stehen. Die Stadt erhöht den bisherigen Finanzierungsbeitrag an das AMS für die überbetriebliche Lehrausbildung in der Höhe von 6,7 auf 10 Millionen Euro. Mit den zusätzlichen Mitteln sollen die Jugendlichen gut auf die Lehre vorbereitet werden – unter anderem mit neuen Tablets sowie zusätzlichem Förderunterricht und Vorbereitungskursen auf die Lehrabschlussprüfung.

7 Millionen Euro für Qualifikation

Der Qualifikationspass Wien unterstützt Menschen, die ihre berufliche Qualifikation über die Pflichtschule hinaus verbessern wollen. Jetzt laden waff und AMS Wien ganz gezielt 18- bis 21-jährige arbeitslose Wienerinnen und Wiener ein, den Lehrabschluss oder eine gleichwertige Ausbildung nachzuholen.

Jugendstiftung für Zukunftsberufe

Trotz der aktuellen Krise auf dem Arbeitsmarkt gibt es Bereiche, die dringend Arbeitskräfte suchen – zum Beispiel der Gesundheitsbereich, der Bereich IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) und der Klimaschutz. Der waff entwickelt daher jetzt ein Modell für eine Arbeitsstiftung, wo er mit Branchen und Unternehmen, die Fachkräfte suchen, kooperiert und damit jungen arbeitsuchenden Wienerinnen und Wienern einen beruflichen Neustart ermöglicht.

 

Mit Kraft in Richtung Zukunft

Waren von den gesundheitlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie vor allem ältere Menschen betroffen, leiden die jungen besonders stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Krise. Im Mai waren fast 173.000 Menschen arbeitslos – ein Plus von 57,2 Prozent zum Vorjahr. Sehr viele davon sind junge Menschen zwischen 20 und 24 Jahren. Außerdem gibt es aktuell deutlich weniger Lehrstellen. Dem wirkt die Stadt Wien mit einem umfassenden Corona-Ausbildungspaket entgegen. Damit zeigen wir, in welche Richtung es gehen muss. Für mich ist entscheidend, dass kein Jugendlicher Zeit verliert und eine vollwertige sowie qualitätsvolle Ausbildung als Grundlage für einen guten Arbeitsplatz und ein Einkommen, von dem man leben kann, bekommt. Wir lassen niemanden zurück. Darauf können sich die Jugendlichen selbst, aber auch ihre Eltern, verlassen.

Kurzarbeit: Zeit für Bildung nutzen

Rund 215.000 Wienerinnen und Wiener sind derzeit in Kurzarbeit. Wer sich in dieser Zeit weiterbilden oder beruflich verändern will, kann auf die Unterstützung des waff zählen. Neben Information und Beratung gibt es auch finanzielle Förderungen von bis zu 5.000 Euro für berufliche Weiterbildung. Insgesamt stehen dafür heuer fast 24 Millionen Euro zur Verfügung. Bereits unmittelbar nach Ausbruch der Corona- Krise hat die Stadt die Mittel für die waff-Insolvenzstiftung um drei Millionen Euro aufgestockt, um Opfer von Unternehmensinsolvenzen bei einem beruflichen Neuanfang zu unterstützen. Derzeit stehen insgesamt 700 Plätze zur Verfügung – um 435 mehr als geplant.