Viereinhalb Meter Durchmesser, 21 Kilogramm schwer, aufblasbar, mobil: Beim Projekt "Astronomy To Go" kommt das Planetarium in die Schule. © Stefan Wallner

Ein Planetarium im Turnsaal

Mit seinem Projekt "Astronomy To Go" bringt das Wiener Institut für Astrophysik das Planetarium in die Schule: aufblasbar, mobil und gerade einmal 21 Kilogramm schwer. So soll naturwissenschaftlicher Unterricht gefördert werden.

Der Weltraum, unendliche Weiten. Nicht nur in der Science Fiction seit jeher ein Sehnsuchtsort. Doch auch nur unser eigenes Sonnensystem mit Mars, Jupiter, Saturn und Co bereisen zu können, wird noch länger Zukunftsmusik bleiben. Tatsächlich gibt es aber die Möglichkeit, eine zumindest virtuelle Reise an diese Lichtjahre entfernten Orte zu unternehmen. Und das quasi per Knopfdruck. Die Rede ist von Planetarien.

Galaxien und Planeten per Knopfdruck

Seit bald 100 Jahren lassen sich in Kuppeln mittels Projektoren Sternenhimmel, Galaxien, Planeten und vieles mehr maßstabsgetreu darstellen. Das Wiener Institut für Astrophysik hat die riesigen Planetarien nun sozusagen geschrumpft und in die Schulen gebracht. Beim Projekt "Astronomy To Go" (auf Deutsch etwa "Astronomie zum Mitnehmen") handelt es sich nämlich um ein aufblasbares, faltbares und mobiles Planetarium mit viereinhalb Metern Durchmesser. "Damit wollen wir den naturwissenschaftlichen und natürlich vor allem den astronomischen Unterricht an den Schulen ein bisserl fördern", erklärt Astrophysiker Stefan Wallner.

Das mobile Planetarium wird am besten in Turnsälen aufgestellt und bietet bis zu 25 Schülerinnen und Schülern Platz. © Stefan Wallner

Das lediglich 21 Kilogramm schwere Planetarium lässt sich gemeinsam mit Computer und Projektor bequem in einem Kofferraum verstauen. So müssen die Schülerinnen und Schüler nicht ins Planetarium, das Planetarium kommt direkt zu ihnen. "Die Möglichkeit, ein Planetarium quasi ins Klassenzimmer zu stellen, ist das Nonplusultra", so Wallner. Gewisse räumliche Voraussetzungen sollten aber dennoch erfüllt werden. "Damit wir es ohne Probleme aufstellen können, muss die Grundfläche des Raumes sechs mal sechs Meter groß sein und die Raumhöhe zumindest drei Meter 20 messen", führt Wallner aus. "Und wir brauchen einen Stromanschluss, also eine ganz normale Steckdose. Turnsäle eignen sich dafür am besten. Der Aufbau ist dann in dreißig Minuten abgeschlossen."

Öffentlichkeitsarbeit für Kinder

"Astronomy To Go" ist ein sehr junges Projekt. Gestalt angenommen hat es mit Beginn des Wintersemesters im Oktober letzten Jahres. Zu diesem Zeitpunkt wurden allerdings noch keine Schulbesuche unternommen, sondern die Studentinnen und Studenten am Institut für Astrophysik mit dem mobilen Planetarium vertraut gemacht. Ihnen sollte die Arbeit mit Kindern nähergebracht werden und wie man diesen Astronomie und Astrophysik vermitteln kann.

Der Nachthimmel wird mit einem speziellen Projektor an die Kuppel des Planetariums geworfen. © Immersive Adventure & Stefan Wallner

Das entspricht auch dem Grundgedanken des Projekts, wie Stefan Wallner erläutert: "Die Idee kam von Kolleginnen und Kollegen, die zwar Forscherinnen und Forscher sind, aber auch Öffentlichkeitsarbeit verfolgen möchten. Die Öffentlichkeitsarbeit bei uns am Institut, seien es Führungen oder Vorträge, ist meist auf erwachsene Personen abgestimmt. Deshalb entstand die Idee, etwas speziell für Kinder zu machen." Der erste Schulbesuch fand schließlich Ende Februar dieses Jahres statt. Das Programm, das mit den Studentinnen und Studenten konzipiert wurde, ist für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren gedacht, also für Schülerinnen und Schüler der Volksschule und der Unterstufe Allgemeinbildender Höherer Schulen.

Eine Schulstunde im Planetarium

Das Programm selbst ist dabei von Schule zu Schule und von Klasse zu Klasse variabel. Im Schnitt nimmt eine Show eine Schulstunde in Anspruch. Platz ist für maximal 25 Kinder, also meistens eine Schulklasse. Der Ablauf sieht dann meist so aus: "Wir empfangen die Kinder vor dem Planetarium und führen sie in das Thema ein: Was ist denn überhaupt Astrophysik? Was ist Astronomie? Das ist natürlich für die Kleineren wichtig", so Wallner. "Dann geht es direkt ins Planetarium. Dort bringen wir unsere Themen an: etwa Himmelsorientierung, unser Sonnensystem oder das Leben auf anderen Planeten."

Sämtliche Planeten unseres Sonnensystems können im mobilen Planetarium per Mausklick bereist werden. © Immersive Adventure & Stefan Wallner

Doch was wird im mobilen Planetarium tatsächlich gezeigt? Und wie funktioniert das alles? Stefan Wallner bringt Licht ins Dunkel: "Die Darstellung erfolgt über einen Projektor mit Fischaugenobjektiv und wird auf die Kuppel über den Köpfen projiziert. Mit der Software, die wir verwenden, können wir zeigen, was immer wir wollen. Wenn wir den Nachthimmel auf die Kuppel werfen, dann können wir tatsächlich jedes einzelne sichtbare Objekt per Mausklick aufrufen. Wir können dort hin und wieder zurück reisen."

Reise zum Jupiter

Neben der Mobilität ist die Flexibilität des Programms ein entscheidender Vorteil gegenüber den großen stationären Planetarien. Dass bei den Shows immer auf die Schülerinnen und Schüler eingegangen wird, kommt bei diesen auch besonders gut an. "Das Programm, das wir gestalten, ist mehr oder weniger ein Rahmenprogramm. Was dann tatsächlich verfolgt wird, wird von den Schülerinnen und Schülern selbst bestimmt. Wenn wir das Thema Sonnensystem vorgeben und die Schülerinnen und Schüler wünschen sich, dass wir zum Jupiter reisen: Kein Problem, reisen wir zum Jupiter."

Das Feedback auf "Astronomy To Go" ist schon nach kurzer Zeit enorm. Hat man sich ursprünglich auf Schulen in Wien, Niederösterreich und das nördliche Burgenland beschränkt, werden mittlerweile auch Schulen in Salzburg sowie die FH Krems besucht. Nicht ohne Auswirkungen, so Wallner: "Wir sind um das zwölffache ausgebucht. Für die 15 Termine, die wir ausgeschrieben haben, haben sich 170 Schulen gemeldet." Neue Termine wird es also erst im Herbst geben.

Planetarium für alle Naturwissenschaften

Doch nicht nur in Schulen kann das mobile Planetarium in Augenschein genommen werden. Auch bei größeren öffentlichen Forschungsevents wie dem Forschungsfest oder in der Kinderuni wird es zu sehen sein. Außerdem soll das mobile aufblasbare Planetarium nicht nur der Astronomie dienen. Auch für Meteorologie und Erdwissenschaften soll es in fernerer Zukunft verwendet werden können. Wallner: "So sollen alle Naturwissenschaften ein wenig gefördert werden."

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