Die Forscherinnen Julia Virgolini und Inga-Maria Besener dokumentieren Pflanzenmerkmale. © Manfred Tucherl

Artenreichtum auf Dächern

Grüne Dächer liegen im Trend. Ein Wiener Forschungsteam untersucht, welche Pflanzen in luftigen Höhen wachsen und ob diese zur Pflanzenvielfalt in der Stadt beitragen.

"Nicht jede Stadt hat so viele Grünflächen wie Wien", sagt Katharina Lapin. "Ein Segen, vor allem im Sommer. Während in anderen Metropolen Hitze und Smog der Bevölkerung zusetzen, lässt es sich bei uns noch angenehm durch die warme Jahreszeit kommen." Ein Grund dafür sind begrünte Dächer. "Sie verbessern das Klima und fördern die Lebensqualität, indem sie Regenwasser speichern, und dienen der Kühlung und Isolation von Gebäuden."

Versuchsobjekt dringend gesucht

Für die Botanikerin genug Gründe dafür, verstärkt nach oben auszuweichen. "In verbauten Gebieten haben Pflanzen immer weniger Möglichkeiten sich anzusiedeln. Auf den Dächern ist aber noch genug Platz." Lapin weiß, wovon sie redet. In einem vom Jubiläumsfonds der Stadt Wien geförderten Projekt untersuchte sie im Vorjahr die Vegetation auf Wiens Dächern in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur. Gemeinsam mit den Forscherinnen und Forschern Inga-Maria Besener, Julia Virgolini und Karl Georg Bernhardt nahm sie im Rahmen des Projekts "Wild Roofs" von April bis Oktober 2017 42 begrünte und 72 Kiesdächer in 14 Bezirken unter die Lupe.

Viele Fäden und noch mehr Geduld

Geeignete Flächen dafür fanden die Forscherinnen und Forscher über Flyer und die Auswertung von Satellitenbildern. Angefragt wurde bei Privatpersonen, Firmen, Banken und Lebensmittelgeschäften. Das Interesse der Bevölkerung war überraschend groß. Als Untersuchungssetting wird über einen Quadratmeter ein kleinteiliger schachbrettförmiger Raster aus Kunststofffäden gezogen. "So lässt sich jeder Dezimeter genau dokumentieren und über die Wachstumsperiode hinweg die Entwicklung untersuchen", erklärt Lapin. Zusätzlich wird der Unterboden analysiert und die Witterung dokumentiert. Kurz gefasst alles, was einfluss auf die Vegetation haben könnte.

Als Untersuchungssetting wird ein kleinteiliger, schachbrettförmiger Raster aus Fäden gezogen. © Virgonili/Lapin

Überraschende Ergebnisse

Auf den begrünten Dächern fanden die Wissenschafterinnen und Wissenschafter 280, auf den Kiesdächern immerhin 136 Pflanzenarten. "Überraschend war für uns, dass sich selbst auf kargen Kiesdächern eine große Diversität zeigt und sich auch seltene Pflanzenarten auf begrünten Dächern ansiedeln." Zu den häufigsten wilden Arten, die sogenannte Spontan-Vegetation, zählen der Mohnblatt-Pippau (Crepis foetida), die Dach-Trespe (Bromus tectorum) und der Gewöhnliche Reiherschnabel (Erodium cicutarium). Aber auch Heilpflanzen und eingewanderte Arten wurden gefunden. "Invasive Vegetation ist gebietsfremd und verdrängt heimische Arten bis hin zum Aussterben. Bekannt ist zum Beispiel der Ragweed, der bei vielen Menschen allergische Reaktionen auslöst", erklärt Lapin. Dazu kommt, dass Vogelkot, etwa der von Tauben, eine größere Rolle bei der Verarbeitung von Samen spielt als bisher angenommen.

Artenvielfalt gezielt fördern

Noch sind die Daten von 2017 nicht vollständig ausgewertet. Die ersten Ergebnisse zeigen aber bereits, dass Dachbegrünungen eine wichtige Rolle in der urbanen Biodiversität spielen. In der heurigen Wachstumsperiode wird die Studie auf 20 begrünten und 20 Kiesdächern, darunter private Anlagen, aber auch Firmen, vertieft. "Wir wissen bereits, dass Maßnahmen, wie etwa die Substrattiefe und die Strukturvielfalt zu erhöhen, heimische Pflanzen zu verwenden, invasive zu entfernen, der Verzicht auf Herbizide und der weitgehende Verzicht auf Düngung, die Biodiversität fördern. Die Dächer werden als Ersatzlebensraum von Pflanzen, Vogelarten und Insekten angenommen. Jetzt geht es darum, herauszufinden, wie wir das möglichst gut fördern können." Dieses Wissen soll Stadtökologinnen und -ökologen, Dachbegrünungsplanerinnen und -planern, aber auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. "Das Projekt ist ein Paradebeispiel für das Synergiepotenzial zwischen Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft", sagt der für den Jubiläumsfonds verantwortliche Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Nicht jedes Dach geeignet

Welches Dach zur Begrünung geeignet ist, findet man übrigens im Gründachpotenzialkataster der Wiener Umweltschutzabteilung. "Grundsätzlich sollte die Neigung bei nicht mehr als 20 Grad liegen", erklärt der zsutändige Experte, Jürgen Preiss. "Darüberhinaus müssen Beschaffenheit und Statik des Dachs fachkundig geprüft und die Bestimmungen des Denkmal- und Stadtbildschutzes eingehalten werden."

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