Therese Muxeneder ist Kuratorin der Ausstellung "Arnold Schönberg & Jung-Wien". © Bohmann/Andrew Rinkhy

Arnold Schönberg und die Wiener Moderne

2018 ist das Jahr der Wiener Moderne. Arnold Schönberg war um 1900 eine der Figuren der Wiener Kunst. Das zeigt die Ausstellung "Arnold Schönberg & Jung-Wien" ab 14. März im Arnold Schönberg Center. CLUB WIEN sprach mit Kuratorin Therese Muxeneder.

Es begann im Café Griensteidl am 3. Dezember 1898. Eine Reihe ambitionierter junger Männer traf eines Abends nach der Premiere des Theaterstücks "Die Lumpen" von Leo Hirschfeld im Wiener Carltheater hier ein. In überschwänglicher Champagnerlaune legten sie den Grundstein für eine Kunstszene, die Wien um die Jahrhundertwende prägen sollte. Im Zentrum der Gruppe: Arnold Schönberg. Seine Zwölftonmusik war der Inbegriff der Moderne, er war aber auch Maler, Dichter und Erfinder. Neben Schönberg waren unter anderen Architekt Adolf Loos sowie diverse junge Wiener Literaten, darunter Alfred Gold, Karl Freiherr von Levetzow oder der langjährige Dramaturg von Max Reinhardt, Arthur Kahane, Mitglieder dieser Gruppe.

Eine Zeitreise im Arnold Schönberg Center

"Arnold Schönberg & Jung-Wien" im Arnold Schönberg Center beginnt genau hier und zeigt anhand vieler wertvoller Zeitdokumente, wie dem Gründungsdokument, das alle an jenem Abend im Griensteidl unterzeichnet haben, ein Porträt dieser Epoche und die Rolle Schönbergs in der Wiener Moderne. "Die Ausstellung widmet sich den Beziehungen Schönbergs als junger Wiener Tondichter zur Literaturszene seiner Zeit, aber auch zur Architektur und bildenden Kunst", erläutert Therese Muxeneder, Kuratorin der Ausstellung und Arnold-Schönberg-Expertin.

Die Ausstellung ist eine spannende Zeitreise und erzählt packende Geschichten über Konflikte mit Karl Kraus, die in dessen Verprügelung durch den Dramatiker Oskar Friedmann gipfelten. Schönberg sagte damals als Zeuge im Prozess aus. Auch die Geschichte des "Jung-Wiener Theaters zum lieben Augustin", gegründet von Felix Salten, wird erzählt. Schönberg arbeitete dort als Komponist mit und traf unter anderen auf eine Ikone der Wiener Moderne: Koloman Moser.

Jung-Wien im Fokus

Ein besonders interessantes Stück ist die Blaupause einer Notenschreibmaschine, die Schönberg 1909 erfand. Auch selbst gestaltete Spielkarten gibt es zu bestaunen. Die Exponate zeigen, was die damalige Szene rund um Schönberg auszeichnete: Sie waren modern, progressiv und brachten die Kunst in neue Sphären. "Es herrschte eine starke kreative Elektrizität und für viele war Arnold Schönberg der elektrisierendste Mann dieser Epoche", sagt Muxeneder. Die Ausstellung beendet ihre Reise mehr oder minder mit dem Tod Gustav Mahlers, ein einschneidendes Erlebnis für alle Beteiligten des jungen Wien.

CLUB WIEN: 2018 feiert Wien das Jahr der Wiener Moderne. War Schönberg ein wichtiger Teil der Epoche?
Therese Muxeneder: Was die Musik betrifft, gibt es keinen moderneren Menschen als Arnold Schönberg. Bis heute verkörpert keiner den Begriff "musikalische Moderne" so wie Schönberg.

Gab es Berührungspunkte mit anderen Künstlerinnen und Künstlern der Wiener Moderne?

Es gab viele Berührungspunkte, unter anderem in der Architektur mit Adolf Loos und der angewandten Kunst mit Koloman Moser, der vor 100 Jahren verstarb. Es werden auch Verbindungen zu anderen Musikern der Zeit thematisiert, allen voran Gustav Mahler und Alexander Zemlinsky, Schönbergs Lehrmeister.

Die Ausstellung zeigt viele faszinierende Stücke. Gibt es darunter auch Werke der Wiener Moderne neben jenen von Schönberg?

Schönberg kannte Gustav Klimt und hielt ihn für den größten Maler aller Zeiten. Er hatte selbst eine Sammlung von 25 Lichtdrucken von Klimt, die ihm von Freundinnen und Freunden zum Geburtstag geschenkt wurden unter anderen von Alma Mahler und Alban Berg. Schönberg nahm diese ins Exil mit. Und da sie nun wieder in Wien sind, zeigen wir die Drucke im Rahmen der Ausstellung zum ersten Mal.

Wo waren die Schauplätze der Wiener Moderne?

Neben dem Griensteidl ist das sogenannte Winterbierhaus zu nennen. Das war in der Landskrongasse. Dort trafen sich Burgschauspielerinnen und Burgschauspieler, Literatinnen und Literaten und viele andere Künstlerinnen und Künstler. Schauplätze waren auch das Café Museum, das Café Imperial und viele mehr. Das Café Griensteidl wurde ja 1897 abgerissen, auch Karl Kraus sprach von der "demolierten Literatur". Der Name war aber so prägend, dass alle Cafés, die sich später hier befanden, als Griensteidl bekannt waren.

Ein Grund dafür, dass die Cafés so dermaßen bedeutend waren, war die Tatsache, dass hier so viele Nachlesewerke zu finden waren. Im Café Central etwa sollen bis zu 300 Druckwerke aufgelegen haben, darunter viele Tages- und Wochenzeitungen. Mit Investition in einen Kaffee und oft viele Gläser Wasser konnte man sich hier informieren und debattieren. Und Arnold Schönberg, das zeigen viele Quellen, war bekannt als einer der am heftigsten Debattierenden in den Wiener Cafés.

Wiener Moderne im Haus der Musik