Sorg- und rücksichtslos abgestellter Sperrmüll belastet das Zusammenleben. Die Arbeitsgruppe Sperrmüll will aufklären und wurde dafür mit dem wohnpartner-Nachbarschaftspreis ausgezeichnet. © Getty Images

 

Ehrenamtlich für eine schönere Nachbarschaft

Die Arbeitsgruppe Sperrmüll entstand mit dem Ziel, Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Müll zu schaffen. Dafür wurde sie heuer mit dem wohnpartner-Nachbarschaftspreis ausgezeichnet. Drei ehrenamtliche Mitglieder erzählen mehr.

Wenn Müll nicht korrekt entsorgt wird, ist das eine Belastung für das Zusammenleben. Plastikflaschen im Restmüll, nicht zerkleinerte Kartons oder eine sorglos entsorgte Waschmaschine können zu Konflikt und Ärger führen. Die Arbeitsgruppe Sperrmüll will Bewusstsein dafür schaffen und so für ein besseres Zusammenleben im Gemeindebau sorgen.

Dafür wurde sie heuer mit dem erstmals verliehenen wohnpartner-Nachbarschaftspreis in der Kategorie "Gemeinschaftspreis" ausgezeichnet. Eine Belohnung für das Engagement gegen unsachgemäße und unachtsame Müllentsorgung. Der Vorteilsclub der Stadt Wien sprach mit drei der Mitglieder, Eva Stastny, Karin Hauser und Werner Hofer, über Arbeit und Hintergründe.

Der Vorteilsclub der Stadt Wien: Könnten Sie die Arbeitsgruppe Sperrmüll kurz vorstellen?

Werner Hofer: Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich nicht nur mit Sperrmüll, sondern mit Müll im Allgemeinen. Es soll Bewusstsein und Sensibilität für das Thema Müll geschaffen werden.
Karin Hauser: Unsere Arbeitsgruppe ist vor einigen Jahren durch ein paar engagierte Mieterinnen und Mieter im Gemeindebau entstanden, mit Unterstützung von wohnpartner.
Eva Stastny: Die Ablagerung von Sperrmüll macht das Thema Müll (Mülltrennung beziehungsweise ordnungsgemäße, umweltschonende Entsorgung) deutlich sichtbar. Durch einen Konflikt kam ich mit wohnpartner in Kontakt, die dieses Ansinnen unterstützt und uns vernetzt haben.

Wie sind Sie persönlich dazu gekommen, sich für das Thema zu engagieren?

Werner Hofer: Vielen Bewohnerinnen und Bewohnern ist offensichtlich nicht klar, dass Müll unter anderem hohe Kosten verursacht, und da möchte die Arbeitsgruppe ansetzen.
Karin Hauser: Durch einen Bericht in der "Zu Hause"-Zeitschrift von Wiener Wohnen wurde ich vor circa fünf Jahren auf die Arbeitsgruppe aufmerksam. Zu der Zeit hat mich schon länger der Gedanke beschäftigt, wie ich mich für ein saubereres Stadtbild engagieren könnte.
Eva Stastny: Leider wird im Keller und bei den Mistkübeln Sperrmüll abgelegt, die Mistkübel quellen über mit Gläsern und Plastikflaschen, also getrennt wird wenig! Es geht mir einerseits darum, meinen Lebensraum lebenswert zu gestalten, andererseits die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner zu motivieren, sich für eine saubere Umwelt einzusetzen und ihnen Wege dahin aufzuzeigen. 

Was sind erfahrungsgemäß die Dinge, die am öftesten falsch entsorgt werden?

Werner Hofer: Beim Sperrmüll gibt es nach meiner Beobachtung keine besonders oft entsorgten Objekte.
Karin Hauser: Den Sperrmüll betreffend stoßen wir auf unterschiedlichste Gegenstände, alte Matratzen, Möbel, Elektrogeräte, Sessel und Waschmaschinen, um nur ein paar zu nennen. Bei unseren Müllsammelaktionen führen ganz klar die Zigarettenstummel die Liste an.
Eva Stastny: Beim Sperrmüll sind das bei uns kaputte Möbel, Abwasch, Fernseher und andere Elektrogeräte, Verpackungsmaterialien und alles Mögliche, eben sperrige Dinge. Beim sonstigen Müll vorwiegend Glas und Kunststoffflaschen, leider auch sehr viele Getränkedosen. Unsere Müllgruppe konnte einen nahen Kunststoffbehälter organisieren. Also Glas- und Kunststoffbehälter sind nicht sehr weit weg und man könnte daher einfach trennen und entsorgen.

Warum kommt es zu unsachgemäßer Entsorgung? Gibt es viele Irrtümer und Missverständnisse, die sich nachhaltig halten, oder verursachen Menschen den Sperrmüll einfach aus Bequemlichkeit?

Werner Hofer: Irrtümer und Missverständnisse gibt es beim Sperrmüll nicht. Es ist einfach Faulheit und Gedankenlosigkeit.
Karin Hauser: Durch die Gespräche mit Mieterinnen und Mietern wird klar, dass es sich nicht um Ahnungslosigkeit handelt. Mit Argumenten, dass man keinen Pkw besitze oder dass bestimmt jemand dieses Objekt noch brauchen könnte, wird versucht, sich schnellstmöglich der lästigen Dinge zu entledigen. Vereinzelt haben zumindest die Strafen für Zigarettenstummel und Hundekot ein Umdenken bewirkt.
Eva Stastny: Informiert haben wir durch Aushänge und Gespräche, daran kann es also nicht liegen. Ich glaube, es ist Bequemlichkeit.

Ist Weihnachten auch ein Thema? Wie sieht es mit Christbaum und Co aus?

Werner Hofer: Weihnachten ist insofern eine Ausnahme, als Verpackungsmaterial und Christbäume bei uns Am Schöpfwerk sehr häufig einfach in den Grünanlagen entsorgt werden.
Karin Hauser: In der Weihnachtszeit und danach quellen die Mülltonnen förmlich über vor lauter Verpackungsmaterial. Das Zerlegen der Kartons könnte hier viel Platz sparen. Alte Christbäume sieht man oft noch im Februar neben den Mülltonnen, obwohl die Stadt Wien sehr viele Christbaumsammelstellen bietet.
Eva Stastny: Immerhin werden durch die allgemeinen Sammelstellen die herumstehenden beziehungsweise entsorgten Christbäume hoffentlich weniger. Ja, Verpackungsmaterial wird auch ein Thema sein. Das mit den Kartons sehe ich auch so, es stehen immer wieder große Kartons, zum Beispiel von riesigen Fernsehern, samt Styropor neben den Papierkübeln.

Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen? Wie geht man mit unsachgemäßer Entsorgung um?

Werner Hofer: Wir wollen einfach das Thema Müll thematisieren und dafür ein Bewusstsein schaffen.
Karin Hauser: Heuer gab es coronabedingt weniger Projekte. Üblicherweise planen wir bei einem monatlichen Treffen Müllsammelaktionen, Gruppenausflüge mit Führungen für Interessierte, zum Beispiel zur Hauptkläranlage oder zur Müllverbrennungsanlage Spittelau, Filmvorführungen zu verschiedenen Umweltthemen oder auch Gesprächstermine mit Mitgliedern von Umweltorganisationen. Uns geht es vor allem um Aufklärung und Vorbildwirkung.
Eva Stastny: Wir wollen nicht belehren, sondern aufmerksam machen, informieren und Vorbilder sein. Durch unsere Müllsammelaktionen werden wir im Umfeld sichtbar und es haben sich einige Kinder und auch Erwachsene angeschlossen, denen das Thema ebenfalls ein Anliegen ist. 

Wie wichtig ist Kommunikation in Ihrer Strategie? Sehen die Leute das ein?

Werner Hofer: Kommunikation ist sicher sehr wichtig. Aber um wirklich langfristig etwas zu verändern, müssen die Kinder miteinbezogen werden, die in aller Regel auch immer begeistert bei unseren Müllräumaktionen mitmachen. Da ist es auch gut, wenn zu diesem Thema die Schule miteingebunden wird. 
Karin Hauser: Im Alltag sowie bei Projekten ist mir wichtig, mit Menschen in Dialog zu treten. Ganz besonders Kinder zeigen Interesse an der Müllthematik. Im Gespräch möchte ich erfahren, welche Motivation hinter den Dingen steckt, die Menschen tun oder unterlassen. Mir ist es ein Anliegen, zu vermitteln, welchen Mehrwert es für mich und die Gesellschaft hat, wenn ich Entscheidungen zugunsten der Umwelt treffe.
Eva Stastny: Durch unsere Aktionen haben sich auch Gespräche ergeben. Wenn es sich ergibt, spreche ich Leute auf Möglichkeiten der Entsorgung an (mehr im Sinn von Information als Belehrung). Sperrmüll wird aber meist nachts abgelegt. Es weiß, glaube ich, jede und jeder, das dies nicht erlaubt ist, weil es der Allgemeinheit Kosten verursacht. 

Was empfehlen Sie als erste Schritte, wenn Leute in Ihrem Wohnhaus mit Sperrmüllproblemen konfrontiert sind?

Werner Hofer: Ansprechen, ansprechen, ansprechen.
Karin Hauser: Im Gespräch findet sich tatsächlich oft unerwartet eine Lösung, zum Beispiel eine hilfsbereite Nachbarin beziehungsweise ein hilfsbereiter Nachbar mit Auto, die oder der selbst auch etwas zum Mistplatz bringen wollte, oder eine Bastlerin beziehungsweise ein Bastler, die oder der auf Online-Flohmärkten verschenkte Gegenstände nicht nur gratis abholt, sondern oftmals auch upcycelt, also in neue brauchbare Dinge umwandelt. Ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis kann eine große Unterstützung sein.
Eva Stastny: Ich glaube, ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis ist generell wichtig. Die Anonymität macht es erst möglich, unbeobachtet Sperrmüll abzuladen. Und natürlich: darüber reden, über Möglichkeiten, Kosten, Folgen, Konsequenzen, Wohn- und Lebensqualität, Umweltverschmutzung etc. Es ist auch einfacher, wenn man die Menschen kennt.