Der Rabenhof ist einer der größten Gemeindebauten Wiens und beherbergt Renate Gattringers Blumengeschäft. © Jenny Fetz

Arbeiten im Gemeindebau

Sind Wiener Jungunternehmerinnen und -unternehmer auf der Suche nach Geschäftsräumen, wird eine Möglichkeit gerne übersehen: Geschäfts- und Bürolokale in Gemeindebauten. Dabei warten über 100 Standorte in ganz Wien auf Nachmieterinnen und Nachmieter.

Rund eine halbe Million Wienerinnen und Wiener wohnt und lebt in Gemeindebauten. Dabei wurden bis dato knapp 2.000 Anlagen mit rund 220.000 Wohnungen in der Bundeshauptstadt errichtet. Für eine deckende Infrastruktur in unmittelbarer Wohnumgebung sorgen rund 5.000 Geschäftslokale in den Bauten selbst. Das Angebot ist breit gefächert und umfasst typische Einzelhandelsunternehmen wie Supermärkte, Buchhandlungen und Blumenläden wie Renate Gattringers Blumenhandlung im Rabenhof. Außerdem vertreten sind Dienstleister wie Schneidereien, Friseursalons oder Schuhmacherinnen und Schuhmacher.

Neues Leben für leere Schaufenster

Dazu kommen spezialisierte Unternehmen wie Gitarrenbauerinnen und -bauer, Hochzeitstortenläden oder Geschäfte, in denen kunstvoll bedruckte T-Shirts verkauft werden, wie im "APED" in der Rechten Wienzeile 71. Für beste Gesundheitsversorgung ist durch rund 560 Ordinationen gesorgt. Und auch kulinarisch bleiben dank diverser Speiselokale keine Wünsche offen, etwa Thailändisch im "Mamamon" in der Albertgasse 15. Mancherorts gibt es freilich leere Schaufenster zu sehen. Diese warten darauf, von Nachmieterinnen und Nachmietern wieder mit Leben erfüllt zu werden. "Momentan stehen über 100 Geschäfts- und Bürolokale, verteilt auf alle Bezirke und Stadtteilgebiete, zur Anmietung bereit", erklärt Karin Ramser, Direktorin von Wiener Wohnen. "Das heißt, in jedem Grätzel dieser Stadt findet sich im Gemeindebau ein attraktives Lokalangebot."

Im "APED" werden im Gemeindebau an der Rechten Wienzeile 71 T-Shirts für Individualisten kunstvoll bedruckt. © Jenny Fetz

Nun will Wiener Wohnen gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Wien vor allem jungen Unternehmen und Start-ups die Suche nach einem geeigneten Geschäftslokal erleichtern. Dabei gibt es für sämtliche Geschäftslokale ausführliche Portfolios, die neben Fotos und Standortinformationen auch aktualisierte Grundrisspläne beinhalten. Sowohl unter wienerwohnen.at/lokale als auch unter der von der Wirtschaftskammer betriebenen Plattform freielokale.at können sich Interessierte über ihr künftiges Wunschlokal online schlau machen. "Zusätzlich nützen wir natürlich auch ganz klassische Mittel wie Infoplakate, um verstärkt auf unser Angebot hinzuweisen", so Ramser. "Denn viele angehende Unternehmerinnen und Unternehmer wissen gar nicht, dass ihnen die Gemeindebauten mit einem so umfassenden Büro- und Lokalangebot offenstehen."

Leidenschaft als Beruf

Einer, der dieses Angebot bereits genutzt und vor rund einem Jahr ein eigenes Geschäft in einem Gemeindebau eröffnet hat, ist Harald Schuneritsch. Sein Fahrradreparaturladen "Radgeber" befindet sich in der Landstraßer Hauptstraße und ist das erste Lokal des Neo-Unternehmers. Nachdem er privat bereits seit Jahren Fahrräder zusammengebaut hat und immer schon technisch interessiert war, wollte er seine Leidenschaft schließlich zum Beruf machen. "Nach über zwanzig Jahren im Büro hatte ich das Gefühl, jetzt muss noch etwas Spannenderes passieren", erzählt Schuneritsch. 

Harald Schuneritsch hat in seinem Fahrradreparaturgeschäft "Radgeber" in der Gemeindebauanlage Landstraßer Hauptstraße 173-175 seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. © PID/Christian Jobst

Sich an Wiener Wohnen wegen eines geeigneten Lokals zu wenden, wurde ihm im Freundeskreis geraten. Nach einiger Zeit bekam Harald Schuneritsch erste Vorschläge für die Gemeindebauanlage Landstraßer Hauptstraße 173-175 zugeschickt. "Da gab es mehrere Lokale nebeneinander zum gleichen Zeitpunkt zu besichtigen", erinnert sich Schuneritsch. "Das, was mir am besten gefallen hat, ist mir schließlich auch zugewiesen worden. Aber auch die anderen Lokale sind mittlerweile belegt."

Radgeschäft als Nahversorger

Das Feedback war von Anfang an durchwegs positiv: Der "Radgeber" ist weit und breit das einzige Radgeschäft und hat somit eine Lücke gefüllt. "Ich sehe mich als Nahversorger, als Radgreißler. Das wird sehr geschätzt", so Schuneritsch über seinen Erfolg. "Ich hab nicht nur Kunden aus dem Gemeindebau, die Leute kommen aus der unmittelbaren Umgebung. Wenn man ein kaputtes Rad hat, will man es ja nicht quer durch Wien transportieren, sondern versucht, sich regional zu versorgen." Ein Geschäftslokal in einem Gemeindebau half ihm dabei, sein Ziel, alles alleine ohne äußeren Einfluss machen zu können, zu verwirklichen: "Ich habe nach einem Lokal gesucht, das zu meinem Konzept passt: überschaubare Größe, überschaubare Miete."

Essen vor der Haustür: thailändische Gemeindebauschmankerln im "Mamamon" in der Albertgasse 15. © Jenny Fetz

Gerade für kleine Unternehmen und junge Gewerbetreibende spielt der finanzielle Aspekt natürlich eine entscheidende Rolle, so Wiener-Wohnen-Direktorin Ramser: "Die Geschäftslokale im Gemeindebau bieten günstige Mieten, da bewegen wir uns zwischen 7,5 und 11,5 Euro brutto pro Quadratmeter. Damit sind wir wirklich sehr preisgünstig. Gleichzeitig bekommen die Unternehmen im Gemeindebau die potenzielle Stammkundschaft frei Haus mitgeliefert." Auch zusätzliche Maklerkosten oder eine Kaution fallen im Gemeindebau nicht an. So sind seit Jahresbeginn bereits 70 Geschäfts- und Bürolokale vermietet worden.

Belebte Geschäftszeilen für gesteigertes Wohlbefinden

Doch nicht nur Unternehmerinnen und Unternehmer profitieren davon, wenn zur Miete angebotenen Geschäftslokalen neues Leben eingehaucht wird. Dies hat auch für die Bewohnerinnen und Bewohner einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert, erläutert Ramser: "Eine belebte Geschäftszeile bedeutet ja nicht nur ein Plus an Infrastruktur, sondern sorgt bei den Menschen auch für mehr Wohlbefinden, als leer stehende Objekte." Dabei gibt es seitens Wiener Wohnen selbstverständlich auch Einschränkungen. Nicht an alle Branchen wird vermietet, Wettanbieter und Rotlichtetablissements werden kategorisch abgelehnt.

Welche Grundvoraussetzungen und Unterlagen erforderlich sind, um ein Geschäftslokal anzumieten, finden Sie unter diesem Link. Harald Schuneritsch ist das beste Beispiel dafür, dass sich der verhältnismäßig geringe Aufwand jedenfalls lohnt. Er ist immer noch glücklich über seine Entscheidung, mit seinem "Radgeber" in einen Gemeindebau gezogen zu sein: "Es ist eine komplett andere Welt. Die kannte ich bis dato nicht. Ich bin von dieser Welt aber sehr, sehr begeistert und da möchte ich auch so lange wie möglich bleiben."

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