Dem Klimawandel und den Hitzeinseln kann mit begrünten Fassaden, Dächern und Innenhöfen begegnet werden. © GRUENSTATTGRAU

 

Kühle Köpfe in der Hitze des Sommers

Die Sommer werden immer heißer, vor allem in der Stadt. Wien hat mit verschiedenen Maßnahmen dafür gesorgt, dass wir auch bei weit über 30 Grad einen kühlen Kopf bewahren können. CLUB WIEN weiß, wo und wie gegen die Hitze gearbeitet wird.

Seit Langem weiß man: In Großstädten ist die Temperatur für gewöhnlich höher als im jeweiligen Umland. In dieser Hinsicht ist auch Wien nicht anders. Fachleute nennen dieses Phänomen "Urban Heat Islands", also urbane Hitzeinseln. Dadurch entsteht ein Unterschied von sechs Grad zwischen City und Speckgürtel. Auf Wien umgelegt heißt das: Wenn es beim Stephansdom 34 Grad hat, dann misst man in Seibersdorf rund 28 Grad.

Natürlich kühlende Grünfassaden

Zustande kommt dieser Effekt großteils durch einen Mangel an Grünflächen, Pflanzen und Bäumen. Nicht zuletzt deshalb bietet sich die Begrünung von Innenhöfen, Dächern und Fassaden an. Sie ist das beste Mittel gegen Hitze in der Stadt. Und das aus zwei Gründen: Einerseits sorgt die Beschattung dafür, dass nicht alles der prallen Sonne ausgesetzt ist. Andererseits verdunsten Pflanzen bei der Photosynthese über ihre Blätter Wasser. Das wird Verdunstungskälte genannt und ist ein Motor für das Klima.

 

Der oft historischen Architektur wegen können nicht überall Parks und andere Grünflächen angelegt werden. Die Lösung: natürlich kühlende Grünfassaden. Deren Errichtung wird auch von der Stadt Wien unterstützt. Dabei geht sie mit gutem Beispiel voran: Die Fassade der Zentrale der MA 48, Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark, ist seit 2010 begrünt.

Klimaangepasste "Kühle Meile Zieglergasse"

Dadurch kommt es im Sommer zu einer Temperatursenkung von zehn bis 15 Grad an der Außenwand. Das entspricht der Leistung von etwa 45 Klimaanlagen mit je 3.000 Watt, die acht Stunden durchgehend in Betrieb sind. Ein weiterer klimaschonender Effekt: Innerhalb von nur drei Jahren können in den Pflanzen, im Substrat und in den Wurzelballen knapp sechs Tonnen Kohlendioxid gebunden werden.

Wie in den von den Auswirkungen des Klimawandels besonders betroffenen Innenbezirken der Hitze begegnet werden kann, zeigt sich in der "Kühlen Meile Zieglergasse". In der belebten Straße im siebenten Wiener Gemeindebezirk wird es zusätzliche Gehsteigerweiterungen, sogenannte Sitz-Schatten-Module, neue Grünflächen, Kühlbögen und zusätzliche Trinkwasseraufsätze bei den bereits bestehenden Hydranten geben. Unter dem Namen "Kühle Zone Neubau" sollen zusätzliche Kühlung und Begrünung in weiterer Folge auf das gesamte Siebensternviertel ausgeweitet werden.

Trinkbrunnen und "Sommerspritzer"

Gekühlt und erfrischt werden kann freilich auch mit Wasser. Erst im Juli hat die Stadt an 42 Standorten in Wiener Parks Wasserschläuche mit Düsen und Sprühnebel errichtet. Dazu kommen Bodenfontänen und Wasserspiele, die permanent für Abkühlung sorgen. Durst gelöscht werden kann an den unzähligen Trinkbrunnen der Stadt. Die an den Trinkstationen angebrachten Sprühnebelduschen laden dazu ein, sich kurz darunter zu stellen. Bei großer Hitze arbeiten sie im Dauerbetrieb.

Neu im Stadtbild sind die sogenannten "Sommerspritzer". Dabei werden Hydranten kurzerhand zu Sprühduschen umfunktioniert. Konkret sorgt ein drei Meter hoher Aufsatz mit 34 feinen Wasserdüsen für Abkühlung. Kinder wiederum lieben Wasserspielplätze. Das nasskalte Element ist dort nicht nur erfrischend, sondern sorgt auch für jede Menge Spaß und fördert die Abenteuerlust. Die beiden größten Wasserspielanlagen befinden sich auf der Donauinsel und beim Wasserturm in Favoriten.

Schwammstadt-Prinzip in Aspern

Gleichzeitig sollte die Ressource Wasser nicht vergeudet werden und letzten Endes im Kanal landen. Nach einem Vorbild aus Stockholm hat man sich in der Seestadt Aspern nun entschlossen, Wasser im Untergrund zu sammeln. Diese Vorgehensweise nennt sich Schwammstadt-Prinzip. Denn unter den Straßen ist reichlich Platz vorhanden. Dort werden faustgroße Steine eingebaut. In den entstandenen Hohlräumen wird das Wasser zurückgehalten und gespeichert. Gleichzeitig können die Wurzeln der Bäume dort hineinwachsen, das Wasser heraussaugen und dann über ihre Blätter verdunsten.

Man sieht: Auch an heißen Tagen muss man also nicht zwangsläufig ins Schwitzen kommen. Maßnahmen werden jedenfalls viele ergriffen.